Lektorat

Lektorat

Ist Ihnen in Ihrem letzten Buch auch unangenehm aufgefallen, dass „Sie“ und „sie“ nicht säuberlich unterschieden wurden? Oder Personen die Augenfarbe gewechselt haben? Oder es einen fachlichen Fehler gab? Das sind so die Dinge, die die Leselust empfindlich stören können. Dafür, nein: Dagegen gibt’s normalerweise das Lektorat.

Was gehört zum Lektorat?

Das hängt davon ab, ob es sich um ein Verlagslektorat oder um eine freie Dienstleistung handelt. Und natürlich von der Art des Textes – Wissenschaftslektorat z. B. ist noch mal eine ganz eigene Sache.

In einem Verlagslektorat werden nicht nur Bücher betreut, die bereits vorliegen, sondern auch einzelne Bücher oder ganze Reihen konzipiert. Da geht dann jemand aus dem Lektorat auch schon mal auf die Suche nach einer Autorin für ein spezielles Buch.

Ansonsten – und das bieten dann auch freiberufliche Lektorinnen und Lektoren an – muss ein Buch sorgfältig Korrektur gelesen werden: Tippfehler sind auszumerzen, die Grammatik steht auf dem Prüfstand. Das ist das so genannte Korrektorat. Ein erster Schritt.

Das eigentliche Lektorat geht dann tiefer: Da wird die Stringenz im Aufbau geprüft. Die Einheitlichkeit – oder gewünschte Heterogenität – des Stils gefördert. Dazu gehört auch die Überprüfung der Fakten. Bei Sachbüchern, die Bildmaterial bieten, müssen die Bildunterschriften zum Buch passen und korrekt sein. Die Schreibweise bestimmter Begriffe – Fachtermini, Namen – muss gegebenenfalls vereinheitlicht werden. Das sind lauter kleinteilige Aufgaben, die einen Text besser lesbar machen. Wenn Sie über die Arbeit eines Lektors mal was lesen wollen, kann ich ihnen „Idylle mit ertrinkendem Hund“ von Michael Köhlmeier empfehlen – da wird an mehreren Stellen diese Arbeit zwischen Autor und Lektor sehr plastisch geschildert (und abgesehen davon ist es schönes Büchlein).

Mittel gegen vertippsler: Korrektorat. Solls tifer gehe: Lektorat. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Mittel gegen Vertippsler: Korrektorat. Solls tiefer gehen: Lektorat. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Was hier deutlich werden soll: Autoren neigen zu Betriebsblindheit. Das gilt für alle, die schreiben – ob Roman oder Werbetext oder wissenschaftliche Studie. Schließlich wissen sie, was sie sagen wollen. Und so wie man aus unsortierten Buchstaben wie „Echwsalb“ das Wort „Schwalbe“ lesen kann, können sie auch aus eher suboptimal gereihten Wörtern und Sätzen ihre Aussage herauslesen.

Das klingt jetzt so, als seien die Schreiberinnen und Schreiber unfähig. Stimmt aber nicht. Der Blick von außen auf einen Text, der in die Öffentlichkeit soll, ist wirklich notwendig. Die Arbeit mit Lektorin oder Lektor muss dabei nicht immer in die tiefsten Tiefen gehen, als Autor muss man sich nicht „preisgeben“, wie das erzählende Ich in Köhlmeiers Buch, aber die Wirkung eines Textes kann man erst ermessen, wenn ihn jemand gelesen hat, der ihn nicht geschrieben hat.

Deshalb mein Appell an Autorinnen und Verlage:

Liebe Autorinnen und Autoren, nehmen Sie die Sache mit dem Lektorat ernst. Testen Sie mal, wie viele Tippfehler Sie finden, wenn Sie einen Text, den Sie als fertig erachtet haben, nach zwei oder drei Tagen noch einmal anschauen. Auch logische Brüche finden Sie mit etwas Abstand eher. Sie können sicher sein, dass anderen noch mehr auffällt. Wenn Sie nicht in einem Verlag veröffentlichen, der ein eigenes Lektorat anbietet, können Sie sich selbst jemanden für diese Arbeit suchen. Und ja, das kostet. Einen Versuch ist es aber allemal wert.

Liebe Verlagsleute, bitte nehmen Sie das Korrektorat und Lektorat in Ihrem Haus ernst. Ein schlecht lektoriertes Buch wirft ein schlechtes Licht auf Ihre Arbeit. Wenn ich aus einem Verlag ein Buch erhalte, in dem ich kurz hintereinander mehrere gravierende Fehler (Tippfehler oder sachliche Fehler) finde, stehe ich erst einmal dem Buch skeptisch gegenüber, aber auch dem Verlag als Ganzem, denn der hat das ja zu verantworten. Sollte die entsprechende Abteilung bei Ihnen überlastet sein, können und sollten Sie das Lektorat an Externe untervergeben (Tipps: s. o.).  Ja, das kostet. Aber es lohnt sich, glauben Sie mir. Menschen die Freude am Lesen zu erhalten, indem sie eben nicht über vermeidbare Fehler stolpern, halte ich für eine gute Investition in die Kundenbindung.

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