Leibniz und der Goldrausch von Rolf Aderholdt

Leibniz und der Goldrausch von Rolf Aderholdt

Gottfried Wilhelm Leibniz, in Untertitel und Klappentext von Rolf Aderholdt als Universalgenie apostrophiert, muss sich mit einem Kriminalfall befassen. Rolf Aderholdt lässt seinen Protagonisten die Geschichte selbst erzählen, denn so kommen die Zitate seiner Gedanken am natürlichsten daher.

Was erzählt Rolf Aderholdt?

Es geht um Falschmünzerei. Ein unbotmäßiger, höfisch nicht sonderlich ambitionierter Gottfried Wilhelm Leibniz steht bei Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, in Dienst. Als eine gefälschte Goldmünze auftaucht, soll Leibniz alles dazu herausfinden. Zudem hat er die Aufgabe, für das Bergwerk in Zellerfeld eine neue Methode zu entwickeln, mit der das Wasser in den Bergwerken besser genutzt werden kann. Er ist ja eben ein Universalgenie und arbeitet auch an praktischen Dingen.

Bereits in Hannover wird Leibniz klar, dass mehr hinter dieser Fälschergeschichte stecken muss, denn ein Mann, der ähnlich gekleidet ist wie er, ist durch einen fingierten Unfall zu Tode gekommen. Es gibt dort auch eine konkrete Spur, vulgo: eine Fußspur.

Die Reise in den Harz bietet einiges an Gefahren, unter anderem ein überraschendes Duell mit einer Wegelagerin. Oder steckt mehr dahinter?

Ein weiterer Toter ist zu beklagen, ein Freund Leibniz‘. Die Amtspersonen schätzen seine Einmischung nicht. Ihm werden Hindernisse in den Weg gelegt. Es ist also keine leichte Aufgabe, der er sich da gegenüber sieht.

Neben den Beschwernissen, die Reisen in dieser Zeit auch unabhängig von Überfällen mit sich brachten, schildert Rolf Aderhold auch, wie es derzeit unter Tage zu ging. Die Leute, die dort arbeiteten, wurden gut bezahlt, denn dieses Leben war wirklich hart. Bei einer Führung zu den Methoden des Bergbaus im 18. und 19. Jahrhundert habe ich selbst erlebt, wie finster es dort ist. Das Steigerlied bekommt da eine ganz positive Bedeutung … Leibniz muss sich dem auch aussetzen und sein Autor lässt es ihn dann eindrücklich beschreiben.

Wie es bei Geldfragen zu sein pflegt, stehen zum Teil politische Gründer hinter der Fälscherei. Mit seinen Denkmethoden, dem Erleben von Gefahr sowie Mut und Glück löst Leibniz das Problem.

Leibniz‘ Gedankengebäude

Immer wieder macht sich das Universalgenie Gedanken zum Leben der Umwelt und den Menschen darin. Wie Rolf Aderhold im Nachwort sagt, hat er dazu, naja, natürlich nicht nur dafür, die Briefe Leibniz studiert.

Cover des Buchs von Rolf Aderholt, dim oberen Berreich auf weißem Grund Titel, Untrtitel udn Autor. Von rechts kommt goldene Farbe ins Spiel. Unten links ein kleines Porträt von Leibniz himself
Hübsch, das kleine Portrait von Leibniz unten in der Ecke, oder?

Der Satz von der besten aller möglichen Welten ist ja bekannt. Das stellt Rolf Aderhold wie folgt vor.

Schließlich finde ich Trost in dem Gedanken, dass Gott die beste aller möglichen Welten geschaffen hat, aber keine ideale. In einer idealen Welt gäbe es keinen Mord, keine Kriege, keinen Hunger. In einer idealen Welt würde ich nicht hier sitzen und verzweifeln. Aber eine solche Welt wäre zahnlos, denn alle Menschen würden sich nur für das Gute entscheiden und in perfekter Harmonie miteinander leben. Das aber bedeutet Stillstand. Der Mensch kann sich dann nicht bewusst gegen das Böse entscheiden. Solch ein Zustand wäre das Ende des Fortschritts und es gäbe keine moralische oder spirituelle Entwicklung mehr. Das ist bestimmt nicht das, was Gott will, sage ich mir. (S. 67)

Manche Gedanken sind für seinen Begleiter, den Mönch Bernwart, schwer zu fassen.

„Es ist schwierig, das Böse zu erfassen, bis man sich klar macht, dass es das Böse eigentlich nicht gibt. Das Böse ist keine Macht an sich, es ist nur ein Nebenprodukt.“ Bernwarts Augen verengen sich und ich sehe, dass er einen Kommentar auf der Zunge hat. Doch er lässt mich weiterreden. „Wie die Dunkelheit. Sie ist einfach nur ein Zeichen für die Abwesenheit von Licht. Wenn du nachts die Tür aufmachst, fällt keine Dunkelheit nach drinnen, sondern es fällt Licht nach draußen. Dunkelheit hat also keine Macht, solange es Licht gibt. Doch durch die Dunkelheit wird das Licht umso wertvoller. So ist es auch mit dem Bösen. Solange es das Gute gibt, wird das Böse nicht gewinnen.“

Ein unterhaltsamer Krimi mit philosophischen Einschüben. Rolf Aderholt schreibt flüssig, das Buch lässt sich gut lesen.

Rolf Aderholt: Leibniz und der Goldrauch. Das Universlagenie in geheimer Mission, Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2025, ISBN: 9783831908790

Published byHeike Baller

Bis zum Morgen schmökern, Kissen nass weinen, bei der Bahnfahrt mal eben los gackern – das alles und noch einiges mehr bedeutet Lesen für mich. Naja, die Nächte lese ich nur noch selten durch, da melden sich doch zu penetrant die erwachsenen Bedenken in Sachen „Wecker am Morgen“ … Aber in der Bahn können Sie mich immer mal wieder grinsend oder kichernd erleben. Mit einem Buch vor der Nase. Da ich außerdem gerne mit anderen über das, was ich gelesen habe, diskutiere, habe ich dieses Blog gestartet. Leselust, das ist es, was mich antreibt, immer neue Bücher zu kaufen, zu leihen und vor allem zu lesen. – Vorlesen tu ich übrigens auch gern.

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