Kurschattenaffäre von Lisa Graf-Riemann

Kurschattenaffäre von Lisa Graf-Riemann

Lisa Graf-Riemann hat eine neue Regio-Krimi-Reihe eröffnet. Sie spielt in Bad Reichenhall und hat einen tendenziell verkrachten jungen Mann zum „Helden“.

Worum geht es in Kurschattenaffäre?

In diesem Krimi geht es nicht um das „Who dunnit?“, sondern um das „Why?“ Und das ist durchaus spannend.

Im Prolog gibt es die Leiche auf dem Seziertsich – und die Erkenntnis: Das war ein äußerst professioneller Schuss.

Im ersten Kapitel geht dann das los, was im Klappentext als Saschas Hochstapelei gekennzeichnet wird: Der Physiotherapeut Ulrich Böllmann überredet seinen Freund Sascha  Maiensäss, an seiner Stelle eine Patientin zu behandeln. Nach längerem Überlegen, erklärt sich Sascha bereit, denn Ulrich zahlt gut. Die Patientin ist begeistert, es entwickelt sich eine leise Zuneigung.

Sascha ist in den Augen seiner Großtante Paulina, mit der er die Familienvilla bewohnt, eine verkrachte Existenz. Statt das Medizinstudium zu Ende zu bringen, hat er kurz vor dem Examen geschmissen und arbeitet zur Zeit als Croupier im Casino – nicht besser als im Puff, findet Tante Paulina.

Die begeisterte Patientin, Mira, ist zur Zeit allein in Bad Reichenhall – sie soll sich von einem Aufenthalt in der Psychiatrie erholen. Eine Panikattacke nach einem Anruf ihres ach so fürsorglichen Ehemanns lässt einiges erahnen. Der Gatte ist nächster Tage zu erwarten.

Eine Bekannte von Mira will sich auch von Sascha behandeln lassen und bestellt Sascha in ihr Zimmer. Da stellt sich raus, dass er sie bereits vom Sehen kennt. Im Casino gehen nämlich unklare Sachen vor sich, die das Casino viel Geld kosten – und Sascha ist im Mittelpunkt … Unwillentlich.

Hotel Axelmannstein der Tatort in Kurschattenaffäre von Lisa Graf-Riemann
Der Tatort im Roman: das Hotel Axelamnnstein. H.G.Graser (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HGG-Axelmannstein_01.jpg), „HGG-Axelmannstein 01“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Ein weiterer Strang: Ein Personenschützer der Verteidigungsministerin ist mit einem gepanzerten Fahrzeug in Richtung Bad Reichenhall unterwegs, denn die Ministerin wird da zu verschiedenen Terminen erwartet. (Für mich waren die Ausführungen zu verschiedenen Sicherheitsfahrzeigen sehr spannend, v. a. weil auch „The Beast“, der Wagen des amerikanischen Präsidenten, erwähnt wurde – das passte zu meiner Lektüre von Barack Obamas Buch zur selben Zeit 😉 ) Die Kindheitserinnerungen von Bruno Beckmann spielen dann noch ein gewichtige Rolle.

Weiteres Personal ist die Lokalreporterin Daniela Keck (so ein passender Name …) und ein grauhaariger Mann ohne Namen, der sich im Casino lange neben Sascha aufhält – mit ziemlich klarer Absicht.

Die Leiche gibt’s im Prolog, der Täter ist klar – und nun geht es darum:

  • Warum hat er es getan?
  • Und wie können Sascha, Paulina, Daniela und Mira die Polizei davon überzeugen, dass sie nichts damit zu tun haben?

Wie erzählt Lisa Graf-Riemann?

Einerseits spannend, andererseits unaufgeregt. 

Spannend, weil sie sehr genau dosiert, welche Information sich wann mit anderen zu einem Wissensgewinn verbindet.

Unaufgeregt, weil sie die Geschichte im Vordergrund hält.

Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen Sascha, Mira und Bruno – gern mit kleinen Cliffhangern.

Der Titel Kurschattenaffäre spielt nicht nur auf die Beziehung zwischen Sascha und Mira an, sondern birgt auch Hinweise auf Saschas Familiengeschichte.

Überhaupt bringt Lisa Graf-Reimann gern ein bisschen (Lokal)Geschichte mit: Bad Reichenhall im Wandel der Zeit, ein bisschen was zum ersten Weltkrieg. Und dann der Lokalkolorit selber – der Ort mit seinen Gebäuden, die Berge drumherum.

Ich hab den Krimi sehr schnell ausgelesen und mich gut unterhalten gefühlt.

Ach ja, noch was zur Aufmachung: Der Verlag hat sich da einen Goldschnitt zu einfallen lassen, der richtig ein bisschen glitzert …

Lisa Graf-Riemann: Kurschattenaffäre, Benevento Verlag, Red Bull Media House, Wals bei Salzburg, 2021, ISBN: 9783710402388

Published byHeike Baller

Bis zum Morgen schmökern, Kissen nass weinen, bei der Bahnfahrt mal eben los gackern – das alles und noch einiges mehr bedeutet Lesen für mich. Naja, die Nächte lese ich nur noch selten durch, da melden sich doch zu penetrant die erwachsenen Bedenken in Sachen „Wecker am Morgen“ … Aber in der Bahn können Sie mich immer mal wieder grinsend oder kichernd erleben. Mit einem Buch vor der Nase. Da ich außerdem gerne mit anderen über das, was ich gelesen habe, diskutiere, habe ich dieses Blog gestartet. Leselust, das ist es, was mich antreibt, immer neue Bücher zu kaufen, zu leihen und vor allem zu lesen. – Vorlesen tu ich übrigens auch gern.

3 Comments

  • Maike Frie

    27. Januar 2021 at 9:25 Antworten

    Danke für den Hinweis. Klingt so, als wolle das Buch auf meinen SuB …
    Viele Grüße
    Maike

    • Heike Baller

      27. Januar 2021 at 17:54 Antworten

      Freut mich.
      Und Lisa auch 😉
      Viele Grüße
      Heike

  • Lisa Graf-Riemann

    2. Februar 2021 at 18:53 Antworten

    Liebe Maike, ja, das freut mich wirklich!
    Liebe Grüße
    Lisa

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