Inferno im Hotel von Erich Kästner – und andere Ausgaben des Atrium Verlags

Inferno im Hotel von Erich Kästner – und andere Ausgaben des Atrium Verlags

Der Atrium-Verlag bietet ja seit einiger Zeit immer neue Ausgaben der Werke von Erich Kästner an – thematisch sortiert wie „Kästner im Schnee“, „Über das Vebrennen von Büchern“ oder „Meine Mutter zu Wasser und zu Lande“, aber auch Sammlungen von bisher eher verstreuten Texten wie „Die Montagsgedichte“, eine Anthologie der Gedichte, die Erich Kästner zwichen 1928 und 1930 allwöchtenlich für den „Montag Morgen“, eine Berliner Wochenzeitung, verfasste.

„Drei Männer im Schnee“ und „Inferno im Hotel“

Der Roman „Drei Männer im Schnee“ gehört zu den Büchern, aus denen ich ziemlich viel zitieren kann; beim Wiederlesen habe ich festgestellt, dass ich stehende Redewendungen habe, die aus diesem Buch stammen, was mir gar nicht bewusst war – etwas „ins Geschick bringen“, z. B.; das ist garantiert nicht der aktive Wortschatz meiner Familie gewesen, trotzdem verwende ich die Wendung, wenn es darum geht, Schaden an Textilien zu beseitigen – völlig konform mit der Szene im Buch, denn es geht um Johann Kessehuths Schianzug.

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„Prima Eschenholz“ sagt der Graswander Toni über die Schier, die er für Johann Kesselhuth bereit hält – so könnten sie ausgesehen haben.
So vertraut mit dem Text, fand ich die Zusammenstellung des Atrium-Verlags „Drei Männer im Schnee“ und „Inferno im Hotel“ – eine Erzählung von 1927, die als Keimzelle des Romans gelten kann – sehr interessant und habe mich an die Lektüre begeben. Ich kann sie empfehlen. Aber bitte sehen Sie sich vor: Da ist nichts heiter. Es ist eine kurze, knappe Darstellung von Grausamkeit und von Lebensrealität in der Weimarer Republik. Denn hier gewinnt tatsächlich ein richtig armer Mann einen Luxushotelaufenthalt – er hat keine Möglichkeit, die Erfahrung der Demütigungen so überlegen einzuordnen, wie es Tobler und auch Hagedorn im Roman aufgrund ihrer Bildung tun und daran zerbricht er.

Sylvia List schildert in ihrer Zwischenbemerkung zwischen den beiden Texte, wie „Inferno im Hotel“ entstanden ist, wie Erich Kästner daran gearbeitet hat, welche Pläne er damit hatte – und auch, dass eine nach dem Krieg geglättete Version keine Chance auf weitere Verbreitung hatte.

Wer mal ins Original schauen will (allerdings ist hier das Lesen wirklich anstrengend), kann die digitaliserte Zeitung aufrufen.

Kästner im Atrium Verlag

Thematisch sortierte Textsammlungen von Erich Kästner, die auch eher unbekannte Texte ans Tageslicht holen, sind eine feine Sache. Und eine sichere Einnahmequelle, wenn ich das mal so ketzerisch bezeichnen darf – Kästner geht immer. Dass der „Fabian“ nun in der Version – „Der Gang vor die Hunde“ -, wie Kästner sie sich gedacht hatte, erschienen ist, finde ich ebenfalls sehr schön (leider war es für meine Literaturkreise ein paar Monate zu spät).

Etwas kritischer stehe ich der Gesamtausgabe der Kinderbücher gegenüber, denn so dicke Bände sind vielleicht doch eher abschreckend für Grundschulkinder – da finde ich die Einzelbände überschaubarer. Insgesamt sind die Ausgaben des Atrium-Verlags aber wirklich schöne Bücher.

Erich Kästner: Drei Männer im Schnee. Inferno im Hotel, Atrium Verlag, Zürich, 2014 (2. Auflage), ISBN: 9783855353750

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