Inhalt des Beitrags
Es ist ja kaum zu glauben dass ich dieses Buch „Haiku. Gedichte aus fünf Jahrhunderten“ hier noch nicht vorgestellt habe. Als Weihnachtsgeschenk vor ein paar Jahren begleitet es mich jan un wirklich shcon ein Weilchen. In diesem Band versammeln sich 305 Haiku, wie der Titel schon sagt, aus fünf Jahrhunderten und zwar auf Japanisch und Deutsch. Nun kann ich kein Japanisch. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen damit aussieht. Interessant ist diese Aufmachung auf jeden Fall.
Was bietet der Band?
Das Buch ist mehrteilig aufgebaut – und am Anfang stehen die Gedichte selber.
305 Haiku aus fünf Jahrhunderten
In einem kurzen Vorwort erläutert Masami Ono-Feller die aktuelle Form des Haiku-Dichtens als Gruppengeschehen. Diese Art geselligen Dichtens hat in Japan eine lange Tradition und gibt es für Haiku-Fans auch in Europa und in Deutschland. Danach erläutert sie ihre Auswahl der Haiku – so hat sie wegen der großen Bekanntheit einiger Haiku-Dichter wie Basho deren Haiku zugunsten unbekannterer Autor*innen zurückgenommen. Dann geht es los:
Jedes Haiku bekommt eine Seite und eine Nummer. Auf der Seite steht oben links der Name des Dichters oder der Dichterin mit den Lebensdaten. Rechts steht das Haiku auf Japanisch in japanischen Schriftzeichen. Unter dem Namen gibt es nun die deutsche Übersetzung und darunter wiederum die Umschrift des japanischen Textes. Ganz unten dann folgt ein Absatz mit Erläuterungen. Viele Haiku – oder früher: Hokku – haben eine Art Vorspann, in der kurz die Situation geschildert wird.
Ich nehme mal ein Beispiel von Seite 159 (die Seite habe ich als Bild darunter gestellt):
Enomoto Seifu, lebte von 1732 bis 1814 und schrieb ein Haiku mit folgendenm Inhalt – nach der deutschen Übersetzung:
Weiße Deutzienblüten –
An meiner Tür geht er vorüber
Der Spiegelschleifer
Im erläuternden Absatz bekomme ich dann die Information über den Vorspann: „Grässlich (für eine Frau) sind die Anzeichen des Alterns, wenn man abends an frühere Zeiten zurückdenkt und allein dasitzt.“ Es folgen Erklärungen zu den Blüten und zu den Spiegeln der Zeit, die regelmäßig geschliffen werden mussten. Bei der Dichterin handelt es sich um eine Frau, die zur Zeit der Abfassung in ein Kloster eintrat.

Biographische und andere Informatione rund um Autor*innen und das Haiku an sich
Im vorletzten Teil des Buches gibt es zu jedem Haiku weitere Informationen zu den Dichterinnen und Dichtern; ihre Namen in japanischen Schriftzeichen, Informationen zu Herkunft und Leben. Dabei wurde japanischen Quellen der Vorzug vor der Wikipedia gegeben, da Informationen im WWW oft fehlerhaft seien. Also nicht wundern, wenn Sie zu einer Ihnen bekannten Dichterin hier andere Informationen lesen als sonst.
Es folgt ein Haiku-Glossar, in dem Sie erfahren, dass es den Namen „Haiku“ für diese Gedichtform erst seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt. Den Abschluss macht ein ausführliches Nachwort von Eduard Klopfenstein, der die Geschichte des Haiku-Dichtens nachzeichnet.
Es handelt sich also um einen Gedichtband und ein Nachschlagewerk. Wer sich mit Haiku beschäftigen will, über die populären kleinen Sammlungen hinaus, ist hier gut aufgehoben.
Haiku. Gedichte aus fünf Jahrhunderten, herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Masami Ono-Feller. Mit einem Nachwort von Eduard Klopfenstein, Reclam Verlag, Ditzingen, 2022, ISBN: 978315013875

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