Inhalt des Beitrags
Bei der Zahlenfolge „fünf, sechs, sieben, acht“ hat man schon so ein bisschen das Gefühl, es könnte um Musik gehen, oder? Aber warum ab fünf zählen?
Was erzählt Ewald Arenz in „Fünf, sechs, sieben, acht“?
Wenn ich jetzt schreibe, Ewald Arenz schriebe „übers Alter“, könnte das eine falsche Erwartung wecken. Eher übers „Altern“. Anton ist 60. Er ist Steptänzer und fühlt sich großartig. Er kann’s einfach. Jahrelange Erfahrung macht sich bezahlt. Okay, er bekommt manches nicht mehr so flink hin wie noch vor einiger Zeit, aber …
Seine Tochter Emma, die denselben Beruf ausübt wie er, war mit seiner Mutter bei der letzten Premiere. Die Mutter mäkelt immer. Die Tochter mokiert sich über die alten Spielchen, das fishing for compliments, bestätigt ihm aber, dass er gut war. Alles fein also.

Natürlich bleibt das nicht so.
Die Familiensituation ist komplex. Die Mutter von Emma ist nicht mehr seine Partnerin, aber seine beste Freundin. Ein Schatten hatte die Beziehung von Anfang an begleitet: der Schatten einer abrupt beendeten anderen Beziehung. Der großen Liebe. Der ganz großen Liebe. Die eines Abends nicht mehr auftauchte. Verschwunden war. Nie wieder von sich hören ließ.
Dann gibt es berufliche Turbulenzen, in die auch Emma involviert ist. Anton fühlt sich ausgebootet. Er wird unleidlich. Die große Liebe von damals … Sie beschäftigt ihn. Emma ist es schließlich, die diese alte Liebe aufstöbert. Am Rand Europas. Anton macht sich auf die Reise. Am Ende ist alles anders. Und es ist auf fragile Weise in Ordnung.
Wie erzählt Ewald Arenz?
Großartig. Ich mag seinen Stil sehr.
Zum Geburtstag des Vaters trifft sich die Familie an seinem Grab.
Im Frühling war der Friedhof wohl der lebendigste Teild er Stadt. Ein lichter, freundlicher und fas vollkommen ungestörter Wald. S. 107
Auf der Suche nach der ganz großen Liebe kommt Anton ans Meer:
Frühnebel über der See. Als schliefe das Wasser noch unter einem ganz dünnen Laken. S 126
Irritierend dagegen der Satz:
Die Hagebutten am Ufer blühten. Ihr starker Duft war überall. S.205
Ich kenne Hagebutten als Früchte von Rosen. Letztere blühen und duften. Aber vielleicht heißen in Arenz‘ Heimat auch die Rosen so.
Ewald Arenz kann unglaublich lebendig erzählen. Ich habe von Steptanz keine Ahnung, gehe aber bei den Beschreibungen, die er da liefert, voll mit. Wenn jetzt jemand behauptet, statt Gymnasiallehrer sei Ewald Arenz professioneller Steptänzer: Ich glaubte es sofort. (Aber vielleicht ist es ja „nur“ sein Hobby.) 😉
„Fünf, sechs, sieben, acht“ – was hat es damit auf sich?
Vor jedem Tanz zählt Anton so, genau diese Zahlenfolge. Das hat mich neugierig gemacht. Auf meiner Suche nach einer Erklärung kam ich bei einem Video raus, in dem eine Steptänzerin erklärt, warum diese Form des Zählens beim Tanzen sinnvoll ist; und auch, warum sie es nicht mehr so macht. Instrumentalistinnen zählen bis vier. Tritt man zusammen auf, ist gemeinsames Zählen nicht unpraktisch.
Der neue Roman von Ewald Arenz ist wieder sehr gelungen: unterhaltsam, nachdenklich, sehr lebendig. Und Neues, s. Steptanz, konnte ich auch lernen.
Ewald Arenz: Fünf, sechs, sieben, acht, DuMont Buchverlag, Köln, 2026, ISVBN: 9783755800576

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