Ein verheißenes Land von Barack Obama

Ein verheißenes Land von Barack Obama

Auch das Buch von Barack Obama hatte ich eigentlich wem anders geschenkt … Aber zumidnest kann ich nun richtig überzeugt dafür werben. Ist ja schließlich ein dicker Schinken und für aushäusig Berufstätige eine Herausforderung.

Das Leben des Barack Obama von Kindheit bis Mitte erste Amtszeit

Das ist quasi der Inhalt. Also, was es an Ereignissen gab.

Daneben gibt es aber so viel mehr. Vor allem, die vielen Gedanken, die sich schon der junge Student und Community Manager macht.

Jede Menge Vor- und Rückgriffe.

Und: Geschichtsunterricht!

Ja, ernsthaft. Barack Obama schildert nicht nur Entscheidungen und Bedenken und Skrupel, sondern geht z. B. beim Nahostkonflikt ziemlich in die Tiefe - wer hat wann welche Entscheidungen getroffen und wie sind sie ausgeführt worden, welche Folgen ergaben sich daraus. Das Ganze dann gern aus verschiedenen Perspektiven. Und natürlich: Ab Anfang des 20. Jahrhunderts …

Gerade bei inneramerikanischen Themen fand ich das überaus spannend. Beim Nahostkonflikt war es mir ein bisschen de trop.

Was mich fasziniert hat

Für mich war der Blick hinter die Kulissen des Poilitgeschehens sehr spannend.

  • Was machen die ganzen Leute, die einen Kandidaten beim Wahlkampf begleiten?
  • Welche Leute haben aus welchem Grund welche beratende Funktion inne?
  • Wie laufen die Beratungen ab?
Barack Obama und Berater:innen im waldorf Astoria in New York 2011
Eine Szene mit Berater:innen, 2011

Barack Obama gilt ja als ausgezeichneter Redner. Doch so viele Reden kann ein einzelner Mensch gar nicht selber schreiben. Also gibt es Redenschreiber (bei ihm tatsächlich nur Männer). Da sitzt man zusammen, bespricht den Inhalt, die Stoßrichtung, die Tonalität und dann geht einer hin und schreibt das auf. Wie bei vielen anderen, die mit ihm zusammenarbeiten, lobt Barack Obama seinen Redenschreiber sehr. Er habe aus bruchstückhaften Bemerkungen genau das zusammengefasst, was er, als Kandidat oder Präsident, sagen will. Ich hab da großen Respekt. Vor beiden!

Respekt nötigt mir auch der Blick auf sich selber ab, die Selbstkritik und das Bewusstsein, was dieses öffentliche Leben für seine Familie bedeutet. Das ist teilweise sehr intim. Der Mensch Barack Obama ist deutlich zu sehen.

Das ist dann mit seinen Idealen verknüpft - für ein Amerika zu arbeiten, das allen Menschen in seinen Grenzen ein gutes Leben ermöglicht. Da wirds dann manchemal etwas pathetisch.

Wie schreibt Barack Obama?

Das Buch liest sich flüssig. Immer wieder gibt es Anklänge an gesprochene Sprache - nicht zu viel, aber es ist eben auch keine abgehobene Sache.

Ich habe ein paar Beispiele aus der Mitte des Buches ausgewählt.

Für die bildkräftige Sprache:

An einem hellen, beinahe wolkenlosen Tag hatten sich dort Tausende von Menschen (…) versammelt, der an einer Steilküste mit Blick auf das blaue, weiß gekrönte Wassser des Ärmelkanals liegt. (…) Die Tausenden von mamornen Grabsteinen, knochenweiße Reihen im tiefgrünen Gras, zeugten von dem Preis, der gezahlt worden war.

S. 518f

Ich hab da einen ziemlich großen Abschnitt ausgelassen - so schnell folgen den weiß gekrönten Wellen die knochenweißen Reihen nicht - aber der Gestaltungswille ist klar erkennbar. Ich hatte einen klaren Eindruck von der Szene vor Augen. Und das ist für mich als visuell eher nicht so begabter Person ungewöhnlich.

Nach einer kurzen Beschreibung des Äußeren, schildert Barack Obama Vladimir Putin folgendermaßen:

Während wir Höflichkeiten mit der der Delegation der jeweils anderen austauschten, fiel mir eine Beiläufigkeit seiner Bewegungen auf, eine routinierte Gleichgültigkeit in seiner Stimme, die auf eine Person hindeutete, die es gewohnt war, von Rangniederen und Bittstellern umgeben zu sein, Jemand, der sich daran gewöhnt hatte, Macht auszuüben.

S. 648

Beim Besuch nach einem Hurrikan im überschwemmten Gebiet äußert er sich über die Menschen, die trotz der immer wieder drohenden Gefahr immer wieder neu anfangen:

Diese Halsstarrigkeit hatte etwas Nobles an sich, sie war Teil der zupackenden Mentalität, mit der Amerika errichtet worden war.

S.786

Hat schon ein gewissen Pathos, oder?

Ist aber okay.

Fazit

Ein lesenswertes Buch. Natürlich ist es eine Selbstdarstellung. Trotzdem vermittelt Barack Obama sowohl seine Ideale als auch seine Schwächen glaubwürdig und bietet daneben ein Bild der amerikanischen Gesellschaft. Dass er kein Einzelkämpfer ist, wird immer wieder sichtbar - er lobt sein Team, die Menschen, die ihm zuarbeiten, die ihn beraten immer wieder. Er stellt die Einzelnen vor, schildert ihr Lachen, ihre Begeisterung, ihre Bedenken und vor allem immer und immer wieder ihr Wissen.

Barack Obama: Ein verheißenes Land, übersetzt von Sylvia Biecker, Stephan Gebauer, Stephan Kleiner, Elke Link, Thorsten Schmidt und Henriette Zeltner-Shane, Penguin Verlag, München, 2020, ISBN: 9783328600626

Das Buch ist ein Bestseller und so verfügt auch die Stadtbibliothek Köln über mehrere Ausgaben:

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