Die Münchmeyer-Romane von Karl May – Einleitung

Die Münchmeyer-Romane von Karl May – Einleitung

Nun beziehe ich mich ja immer mal wieder auf meine Vorliebe zu den Münchmeyer-Romanen von Karl May – und habe dazu bisher nichts geschrieben. Sie wissen also eventuell gar nicht, worum es bei meinen Anspielungen geht 🙁 . Selbst erfahrene Karl-May-Leser haben in Sachen Münchmeyer-Romane oft eine Lücke in ihrer Rezeption – sie sind ihnen einfach zu kitschig ;-).

Wenn Sie selber Karl May gelesen haben und die Ausgabe des Karl-May-Verlags kennen, erinnern Sie sich wohl auch an die Titelliste am Ende jedes Bandes. Alle Bände sind durchnummeriert und die zusammengehörigen stehen enger beieinander. Und dazu zählen neben der Wüstenserie (die Bände 1-6), die Winnetou-Bände und beispielsweise die Bände zu Old Surehand eben auch die Münchmeyer-Romane. Vielleicht erinnern Sie sich an einige Titel: „Schloss Rodriganda“, „Trapper Geierschnabel“ oder „Zobeljäger und Kosak“. Die Serie, die mit „Schloss Rodriganda“ beginnt, umfasst in der Ausgabe des Karl-May-Verlags fünf Bände. Von „Der Weg nach Waterloo“ bis zu „Die Herren von Greifenklau“ braucht es vier Bände und „Das Buschgespenst“ und „Der Fremde aus Indien“ kommt sogar in nur zwei Einzelbänden daher. Die Produktion Karl Mays für den Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer in den Jahren 1882-1886 umfasste aber deutlich mehr Titel. Karl May verfasste mit ihnen so genannte „Kolportageromane“; diese Art von Romanen wurde in Form von Einzelheften durch Hausierer vertrieben. Wie Sie sich vorstellen können, handelt es sich bei dieser Art von Romanen um keine hochstehende Form von Literatur; sie gehörte in das Genre der Massenunterhaltung. Und das gilt auch für die Kolportageromane von Karl May.

Das Schlimmste gleich vorweg: Was Sprache und vor allem Klischees betrifft, sind die Münchmeyer-Romane noch mal „ausgeprägter“ als die Reiseerzählungen des Autors:

  • Frauen haben immer kinderkleine Hände und Füße, lehnen gern ihr „süßes Köpfchen“ an die Schulter des Helden
  • der Hauptheld ist normalerweise ein Doppelgänger von Old Shatterhand himself – in Einzelfällen aber von deutlich größerer Statur
  • die Bösen werden von Anfang an als solche deutlich durch Augensprache oder Gesichtsausdruck

    Die Qualität der Illustrationen entspricht in vielem der des Inhalts ...
    Die Qualität der Illustrationen entspricht in vielem der des Inhalts …

Was mich immer fasziniert hat (und auch heute noch wieder einfangen kann), ist die quantitative Komplexität der Handlungsstränge. Ich habe schon als Zehn- oder Zwölfjährige diese Fülle an Personen bewundert und auch den dramatischen Schwung, den Karl May – fast! – bis zum Ende aufrechtzuerhalten fähig war. Schon früh formte sich in mir die Überzeugung, dass das Schlusstableau mit der allfälligen Auflösung aller Geheimnisse ihn gelangweilt haben muss, denn das ist jeweils der schwächste Teil dieser Romane.

Und dann taucht Karl May in seinen Münchmeyer-Romanen in gesellschaftliche Regionen, die sonst in seinen Büchern nicht vorkommen: das Verbrechermilieu in Paris, Bordelle, Gefängnisse; besonders das zweite hat in Jugendbüchern oder Texten für kirchliche Zeitschriften ja nun wirklich nichts zu suchen.

In loser Folge werde ich Ihnen in diesem Jahr mindestens vier der fünf Münchmeyer-Romane Karl Mays ein wenig näher bringen.

PS: Bei der Einordnung in die meine Kategorien habe ich jetzt ein bisschen geschwankt, mich dann aber doch für „Unterhaltung“ entschieden: „Historisch“ sind sie für heutige Leserinnen – damals waren sie im weitesten Sinne zeitgenössisch; und „Klassiker“ verlangt dann doch  noch einen anderen literarischen Anspruch 😉

4 Comments

  • Maike

    10. Juni 2016 at 18:51 Antworten

    Auf die Beiträge dazu freue ich mich ungemein, da wird wunderbare Nostalgie aufkommen, auch wenn man sich das ein oder andere Grinsen sicher nicht verkneifen kann.

    • Heike Baller

      10. Juni 2016 at 18:52 Antworten

      Ach, Du auch? 😉

      • Maike

        11. Juni 2016 at 9:52 Antworten

        Ja, ich auch (wobei meine absoluten Karl-May-Lieblingsbände allerdings wohl die ersten sechs über den Orient waren, die ich im entsprechenden Alter wer weiß wie oft gelesen habe). Aber als ich in der Überschrift „Münchmeyer-Romane“ sah, musste ich schon sehr breit lächeln und spontan erst einmal „Waldröschen!“ denken, denn den Spitznamen fand ich schon damals so herrlich kitschig.

        • Heike Baller

          11. Juni 2016 at 18:41 Antworten

          Mit der Wüstenserie bin ich nie so recht warm geworden – ich hab den Wilden Westen geliebt. Und wenn in der Bibliothek neben den schon x-mal gelesenen Titeln eben nur „Schloss Rodriganda“ oder „Die Herren von Greifenklau“ zu kriegen war … Aufs „Waldröschen kannst Du Dich schon mal freuen – das kommt dann am 1.7. 😉

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