Die Bullenbrüder-Reihe von Rath & Rai

Die Bullenbrüder-Reihe von Rath & Rai

Das Autorenduo Hans Rath und Edgar Rai ist ein eingespieltes Team und hat 2017 mit der Reihe um die Bullenbrüder Holger und Charlie Brinks eine unterhaltsame Krimiserie gestartet. Ich habe den ersten Band bei einer Buchverlosung meiner Kollegin Andrea Görsch gewonnen; die nächsten beiden Bände kamen ebenfalls dann angeflogen.

Worum geht es in der Reihe um den Bullenbrüder?

Klar, es sind Krimis. Holger Brinks ist Kriminalkommissar, verheiratet, hat zwei Teenager-Kinder und wohnt im ehemaligen Elternhaus. Charlie ist der Filou der Familie: kein ordentlicher Beruf, fliegt regelmäßig bei seinen Flammen wieder raus, hat kein Geld und ist Privatschnüffler. Und der taucht nun bei seinem großen Bruder auf, in genau diesem Zustand: abgebrannt und obdachlos. Da Holger nun gar nix daran liegt, seinen Bruder mit im Haus zu haben, quartiert er ihn kurzerhand im Gartenhaus ein. So beginnt der erste der Bullenbrüder-Krimis.

Alle drei Bände, die ich jetzt gelesen habe, zeigen ein wider Willen gemeinsam agierendes Team, denn die Aufgaben beider kommen immer wieder miteinander in Berührung:

  • In „Tote haben keine Freunde“ soll Holger den Mord an der „rechten Hand“ eines Unterweltbosses aufklären. Charlie nun soll in dessen Auftrag ermitteln …
  • In „Tote haben kalte Füße“ bittet Holgers Chefin ihn, nach einer vermissten Freundin aus einem Schicki-Micki-Smoothis- Start-Up zu fahnden. Charlie soll für eine ehemalige Flamme deren Mann beschatten. Es gibt da Verbindungen.
  • In „Tote haben keinen Urlaub“ beginnt der neue Fall für Holger mit einem glasklaren Selbstmord. Bis auf Charlies neuen Arbeitgeber mit einer Waffe geschossen wird, die auf den Selbstmörder zugelassen ist.

Häufig ist Ermittlern und Leserin schnell klar, wer schuldig ist. Doch das zu belegen, da müssen sowohl die Bullenbrüder als auch die Autoren einiges an Feuerwerk abbrennen. Sie tun es mit Witz und Einfallsreichtum.

Berlin-Panorama im Sonnenuntergang - Schauplatz der Krimis rund um die Bullenbrüder.
Berlin – eine Stadt mit vielen Facetten

Die Bullenbrüder sind im heutigen Berlin unterwegs – mit den Problemthemen, die es nun mal so gibt:

  • Organisierte Kriminalität – trotz des Mordes und gewisser unfreundlicher Praktiken atmet die Szene ein bisschen Hollywood der 50er; ich dachte zwischenzeitlich an „Some like it hot
  • Die Geschäftspraktiken im Start-up-Milieu bilden im zweiten Band die Handlungsgrundlage – ein Haifischbecken vom Feinsten.
  • Was passiert mit den Angestellten, wenn eine größere Firma pleite geht und die Bosse Abfindungen kassieren – ein wirklich aktuelles Thema bietet den Stoff für Proteste und Verzweiflung im dritten Band.

Übrigens wohnt Charlie auch im dritten Band noch im Gartenhaus. Es ist aber inzwscihen elektrifiziert. Die Entwicklung der Familie Brinks mit allen ihren Mitgliedern nimmt breiten Raum ein. Ich mag das ja.

Welchen Stil pflegen die Bullenbrüder?

Einen kurzweiligen. Ich habe mehrfach gelacht – Hans Rath und Edgar Rai haben wirklich nette Formulierungsideen. Ein par wahllos herausgegriffene Beispiele:

Er hat Niclas unterwegs kurz anhalten lassen und seinen Ärger eine Viertelstunde an der Spree spazieren geführt.

Tote habe keine Freunde, S. 263.

Holger (…) stellt fest, dass es der Kasten neben der Schranke ist, der zu ihm spricht. (…)

„(…) Und Sie sind wer, bitte?“

„Die Kriminalpolizei.“

Der Automat scheint zu überlegen, ob er gerade verarscht wird. 

Tote haben kalte Füße, S. 23.

Ihre Hose sieht ungemein kuschelig aus, Charlie würde sie als Kreuzung aus Jogginghose und Ultraflauschpulli beschreiben (…), der Hersteller nennt seine Kreation Drawstring-waist-cashmere track paints. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf, Charlie tut es auch. .

Tote haben keine Ferien, S. 61

Dann sind da auch noch die komischen Aspekte einzelner Figuren – z. B. die Mutter der Bullenbrüder. Anita hat so ihre Vorstellungen von Familie, Ehe, Sex und den Rechten einer freien Bürgerin im Protestmodus. Auch die Kriminalangestellte Melanie Bökh hat so ihre Macken, gerade auf dem Gebiet Frau-Sein. Und ehrlich, da fand ich einiges dann nicht mehr sooo lustig. Ich hatte sehr stark das Gefühl, da haben zwei Männer mal ihren Phantasien zu sexuell aktiven Frauen freien Lauf gelassen.

Insgesamt handelt es sich um gut lesbare unterhaltsame Krimis. Durchaus was Nettes.

Hans Rath und Edgar Rai: Toten haben keine Freunde, Rowohlt Verlag, Reinbek, 2017, ISBN: 9783499272110

Hans Rath und Edgar Rai: Toten haben kalte Füsse, Rowohlt Verlag, Reinbek, 2018, ISBN: 9783499272127

Hans Rath und Edgar Rai:  Tote haben keine Ferien, Rowohlt Verlag, Reinbek, 2019, ISBN: 9783805200400

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