Der stumme Tod von Volker Kutscher

Der stumme Tod von Volker Kutscher

Volker Kutscher fiel  mir mit dem zweiten Teil seiner Reihe über seinen kölschen Komissar Gereon Rath im Berlin der Jahre 1929 bis – zur Zeit – 1935 quasi vor die Füße. Sie wissen schon: Bücherschrank ;-).

Den ersten Band – „Der nasse Fisch“ – hatte ich nicht gelesen, aber im Podcast von „Eine Stunde History“ einiges dazu erfahren. Im Gegensatz zu anderen neuen Büchern waren mir die Charkatere also durchaus vertraut – etwas ungewöhnlich. Aber keine schlechte Erfahrung.

Was erzählt Volker Kutscher?

In Berlin verschwinden – und sterben – im Laufe der Zeit, wir sind im März 1930, drei Schauspielerinnen. Ihre Stimmbänder sind durchtrennt.

Gereon Rath macht sich bei seinen Vorgesetzten weiterhin unbeliebt und geht eigene Wege.Außerdem ist er mit seinem Vater über Kreuz – der kommt nach Berlin und bringt ihn mit dem Oberbürgermeister von Köln zusammen. Ja, es geht um Konrad Adenauer. Der braucht inoffizielle Hilfe von ihm – noch so ein Alleingang.Zwischen den Großen im Filmgeschäft tobt ein bitterer Wettbewerb – beide wollen mit fast derselben Story einen Coup landen. Und trauen sich gegenseitg alles Üble zu. Der Tonfilm steckt noch in den Anfängen und verspricht große Gewinne.

Eine geheimnisvolle Person muss mich in ihre Gedankenwelt reinlassen – sehr krank! Aber dadurch weiß ich nach einer Weile mehr als Rath und Kollegen. Ja, auch ohne Vorblättern kenne ich nach gut zwei Dritteln des Buches nicht nur den Mörder, sondern auch sein Motiv. Schadet aber nichts. Gereon Rath muss das ja erst noch rausfinden und das ist durchaus spannend.

Wie erzählt Volker Kutscher?

Volker Kutscher lässt Gereon Rath in der Modkommission A arbeiten - hier das Organigramm der Dienststellen
Das ist das Organigramm zur Arbeitstelle von Gereon Rath, die aktive Mordkommission, Dienststelle A, die von Ernst Gennat aufgebaut wurde.
Der Stil selber ist, ich sag mal: „unauffällig“ – er erzeugt angemessen Spannung, nimmt mich mit in die Szenen usw. – aber Volker Kutscher hat keinen eindeutig personalen Stil, der ihn unverwechselbar macht. Die Geschichte steht klar im Vordergrund.

Woran er aber eindeutig Spaß hat, sind Verweise auf andere Bücher. Sehr deutlich sind mindestens zwei Anspielungen auf „Pünktchen udn Anton“ von Erich Kästner:

  • Volker Kutscher erwähnt die Weidendammer Brücke als Ort, zum Betteln und Sterichhölzer verkaufen.
  • Der Lehrer, dem Gereon Rath und sein Freund Paul einen Streich gespielt haben, heißt Bremser …

Da waren noch ein paar weiteree „Ostereier“ versteckt; nicht  nur Volker Kutscher hat daran Spaß – ich auch. Wer sich daran versuchen will, kann ja mal bei den verwendeten Büchern und Quellen stöbern, ob das was dabei ist, das Eingang gefunden haben kann.

Ein spannender Krimi, der durchaus mehr als nur Krimihandlung liefert – die Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten spielen eine Rolle, die Ansichten einiger Kollegen lassen ihre politische Ausrichtung erahnen; die späteren Bände bringen da wohl Gewissheit. Berliner Alltag im Frühjahr 1930. Als „eigentlich-nicht-mehr-Krimi-Leserin“ habe ich den Roman gern gelesen. Mag jetzt Krimifans nicht als Empfehlung erscheinen …

Volker Kutscher: Der stumme Tod, Kiepenheuer und Witsch, Köln,2009, ISBN: 9783462040746

Die Stadtbiblliothek Köln hat den Titel als Buch und als E-Book.

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