Der letzte Kampf von Cornelius Ryan

Der letzte Kampf von Cornelius Ryan

Dieses Buch des ehemaligen Kriegsberichterstatters Cornelius Ryan erschien erstmals 1966 – zum 70. Jahrestag des Kriegsendes 1945 hat der Theiss-Verlag eine, ich könnte schon sagen, kommentierte, Neuauflage herausgebracht. „Kommentiert“, weil dem eigentlichen Text Ryans ein Vowort von Johannes Hürter vorangestellt ist, in dem er die Erzählung Ryans auf ihre Zeitgebundenheit hin analysiert – 1966, Kalter Krieg, Antikommunismus und Verständnis für die deutsche Bevölkerung sind danach die „Zutaten“ der Zeit, in der das Werk publiziert wurde. Manche Darstellung Ryans sei diesem Zeitgeist vergpflichtet

Cornellius Ryan hat – um nun auf den eigentlichen Text zu kommen – in den fünf Teilen seines Buches (Die Stadt, Der General, Das Ziel, Die Entscheidung, Die Schlacht) Einzelpersonen und ihre Schicksale genommen, um das Geschehen nachvollziehbar zu machen. So folgt er Eleonore Krüger, Richard Poganowska, die im zerbombten Berlin leben, aber auch den Offizieren der verschiedenen Heere durch die Tage Mitte April 1945. Er bietete Rückblicke an, um  die Ereignisse zu erläutern, er lässt die Menschen zu Wort kommen, so richtig in direkter Rede, was wenn es auch nicht dokumentarisch ist, das Geschehen einfach näher holt. Er versteht es, einen Spannungsbogen zu erzeugen – es ist schon spannend, einzelne Schicksale zu verfolgen, ihre Erfahrungen aus dem Berlin der letzten Kriegstage nachzuvollziehen.

Auch wenn die Passagen über die Streitereien der Alliierten etwas zu ausführlich geraten sind, werfen sie doch ein interessantes Licht auf die Zeit – von Einigkeit unter den Verbündeten kann nicht gesprochen werden. Gerade bei diesen Passagen ist jedoch die Zeitgebundenheit des Buchs in den Kontext der 60er nicht zu übersehen.

Das war dann das Ende - Keitel unterzeichnet die Kapitulation
Das war dann das Ende – Keitel unterzeichnet die Kapitulation

Nach 1945 hat Cornelius Ryan Interviews mit vielen der damals Beteiligten geführt, hat diese Aussagen und Erinnerungen mit verwendet – das macht seine Erzählung lebendig. Der Band ist reichlich mit Bildmaterial versehen – Fotos vom zerstörten Berlin, Karten, Dokumente, Fotos auch der „einfachen“ Leute, die Ryan zu Wort kommen lässt, Fotos der beteiligten Militärs, teilweise doppelt, nämlich in ihrer damaligen Position und dann „heute“ und  denn Cornelius Ryan hat zur Vorbereitung des Buchs Interviews mit einigen geführt.

Der Einwand Johannes Hürters ist berechtigt – doch der Text Ryans gibt durchaus einen Einblick in das damalige Geschehen und in die Aufarbeitung davon in den 60er Jahren, dass die Lektüre lohnt.

Cornelius Ryan: Der letzte Kampf, übersetzt von Helmut Degner, Theiss Verlag, Wiesbaden, 2015, ISBN: 9783806230260 .

Auch das ist ein Beitrag zu Thema ’45 in meinem Blog.

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