Das Fest der kleinen Wunder von Ulrike Renk

Ein Weihnachtsmärchen aus Ostpreußen – von der Krefelderin Ulrike Renk. Das schmale Bändchen ergänzt ihre Ostpreußen-Saga um die Familie auf Gut Fennhausen; das hab ich aber erst am Ende im Nachwort gelesen. Mich hat ja der ostpreußische Aspekt und das vorweihnachtliche Flair angesprochen.

Was erzählt Urike Renk?

Sie schildert den Spätherbst und Winter 1925 – bis Weihnachten – auf Gut Fennhausen. Die Hauptgeschichte dreht sich um Frederike, die das Pferd Caramell vor dem Verkauf bewahren will. Es stammt vom Gut ihres verstorbenen Vaters und gehört ihrer Mutter. Die Stute gilt als unberechenbar, wirft sogar Frederikes Stiefvater mehrfach ab. Deshalb soll sie weg. Die Tochter eines Gutsnachbarn ist interessiert. Frederike fürchtet um das Pferd, denn – wie sollte es anders sein -, besagte Katharina hat weder leichte Hände noch Geduld im Umgang mit einem Pferd. Doch es passiert – Caramell verlässt Gut Fennhausen.

Daneben gibt es eine Reihe anderer Geschichte: Der Bruder von Frederike ist ständig auf Unfung aus, interessiert sich für Technik und gerät von einem in den nächsten Schlamassel.

Auch als Stiefkinder des Gutsherren haben Frederike, Fritz und Gerta nicht einfach einen Lenz: Sie müssen ihre Ponys selber putzen, sie bekommen Aufgaben in Haus und Küche und dürfen auch nur einmal in der Woche baden (mit zwei Handbreit Wasser in der Wanne). Gestrickte Unterwäsche ist zwar kratzig, hält jedoch warm. Und für das Weihnachtsfest sind eine Menge Schals und Socken zu stricken und Holztiere zu schnitzen, die den “Leuten” dann beschert werden. Die drei müssen da auch mit anfassen.

Trakehner2 Ulrike renk Weihnachtsgeschichte

Caramell hat Trakehnerblut

Wie die Geschichte ausgeht, können Sie sich denken – es heißt nicht  umsonst “kleine Wunder” im Titel.

Wie erzählt Ulrike Renk?

Schlicht und geradeaus. Also stilistisch ist da keine große Varianz. Das Buch ist genau das, was das Cover anzeigt: leichte Unterhaltung, mit einem Touch historischem Kitsch.

Mich hat der Aspekt Ostpreußen angesprochen – familär bedingt – und so hatte ich großen Spaß mit der Sprache der Angestellten auf dem Gut. Doch, das liest sich recht authentisch. Die Köchin ist da besonders klasse – sie sagst zwar “Erbarmung”, wo es in meiner Familie “Erbarmster” heißt, aber das sind Kleinigkeiten.

In der Stadtbibliothek Köln, wo ich das Büchlein auf dem Weihnachtstisch entdeckt habe, steht bei der Signatur “Familie” mit auf dem Rückenschild; das ist passend. Je nach Neigung kann ich mit Frederike mitfühlen, mit Fritz mistinken – er landet in der Jauchegrube, unter anderem – oder die Hauslehrerin beim Gebrauch von Melissengeist beobachten (macht sie nur einmal …).

Wovor ich eindringlich warnen möchte: Backen Sie die Pfefferkuchen nicht nach. Ein dreiviertel Pfund bittere Mandeln – das sind 375 gr. – auf ein Gesamtmenge von 4,5 kg Teig sind eindeutig nicht gesund, Originalrezept hin oder her. Für Marzipan nehme ich auf 1100 gr 15 gr. bittere Mandeln; für 4-5 kg wären das rund 60 gr. Im Reformhaus bekommen Sie die auch nur in kleinen Päckchen à 20 gr. Da muss ein Abschreibfehler vorliegen.

Ulrike Renk: Das Fest der kleinen Wunder, Aufbau Verlag, 2018, ISBN: 9783352009150

In der Stadtbibliothek Köln gibt es das Bändchen als Hardcover und als E-Book.

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