Cent poèmes pour voyager – mein Reisemitbringsel

Cent poèmes pour voyager – mein Reisemitbringsel

Je nachdem, wo Sie leben, haben die Anbieter des öffentlichen Nahverkehrs recht unterschiedliche Namen: KVB in Köln, SSB in Stuttgart, SW in Weimar. In Paris ist es die RATP (Régie Autonome des Transports Parisiens). Und die schreiben seit zwölf Jahren einen „Grand Prix Poesie“ aus. Unter dem Titel „Cent Poèmes pour Voyager“, also „100 Gedichte zum Reisen“, sind in diesem Jahr die Finalist*innen veröffentlicht worden.

Alle können sich beteiligen und Gedichte einreichen. Es gibt Kategorien für Kinder unter zwölf Jahren, für Jugendliche von zwölf bis achtzehn Jahren. Die Erwachsenen werden dann nicht mehr weiter differenziert. Darauf aufmerksam wurde ich in der „Librarie Guillaume“, einer Buchhandlung in Caen, während meines Urlaubs in der Normandie. Das orangefarbene Bändchen stach mir in die Augen, das erste Gedicht, das ich zufällig aufschlug, gefiel mir und die Kombination ÖPNV und Lyrik fand ich spannend. Hier sind die 100 Gedichte versammelt, die es ins Finale geschafft haben, von rund 10.000 eingereichten!

Orangefarbenes Buchcover mit dem Titel "Cent Poèmes pour voyager" und dem Logo der  RATP  sowie "Édition Bruno Doucey"in Dunkelblau. Dazwischen in weiß "Finalistes du Grnad Prix Poésie RATP 2026"

Eine Jury, deren Besetzung jedes Jahr wechselt, begutachtet alle Einreichungen, zudem gibt es Publikumsabstimmungen, denn die Gedichte werden in der RATP öffentlich gemacht, als Aushänge in den Wagen der Metro oder an den Haltestellen. Die Themen sind frei wählbar. Und nun zeige ich Ihnen einige dieser Gedichte.

So hat Owen Upex mit sieben Jahren sein Lieblingsessen bedichtet:

Wenn du nur jeden Tag da wärst

aber meine Eltern lassen mich nicht

Ich habe eine Art Loch im Magen

und große Eile, dich zu verschlingen,

mein geliebter Burger.


Ebenfalls sieben Jahre zählt Amélie Lepetier, die sich Gedanken zu Träumen macht.

Foto der Seite mit dem Gedicht auf französisch_
à mon rêve, tous les jours, je mets un marqu-page
Poue que le soir je retouve tours les personnages.

An meinen Traum mache ich jeden Tag ein Lesezeichen,

damit ich abends alle Personen wiederfinde.


Der 14-jährige Baptiste Vacheron denkt übers Dichten nach.

Seite mit dem Gedicht auf französische:
Malgré sa plume, le poète
Nevole pas, in lne fait que
Courir apès les  mots

Trotz seiner Feder

fliegt der Dichter nicht. Er kann nur

den Wörtern nachlaufen.


Die 15-jährige Sabrina Solignac hat sich an einem Haiku zum Thema Regen versucht.

Seite mti dem französischen GEdicht
Haiku de le pluie
Caresse de l'averse
Comme il pleure le paraapluie
Douce ort des nuages

Regenhaiku.

Zärtlicher Schauer,

wie doch der Regenschirm weint.

Milder Wolkentod.


Der 79-jährige Jean Ricciarelli hat ebenfalls ein Haiku verfasst.

Seite mit dem französischen Gedicht
Haiku
Ah! Maudit vent d'ouest
Il lit mon bouquin plus vite
Que moi! quel coquin!

Haiku

Verfluchter Westwind,

er liest mein Buch viel schneller

als ich. So ein Schelm.


Natürlich darf die Liebe nicht fehlen. Ist ja Paris. Die 23-jährigeLola Berthomé findet ein passendes Bild in diesem Zusammenhang.

Seite mit dem  Gedicht von Lola Berthomé auf Französisch:
Le voyage est si doux
quand le terminus
C'est toi.

Die Reise ist so süß,

wenn die Endhaltestelle

du bist.

Ich habe mich auf kurze Gedichte beschränkt, um sie mit meinen beschränkten Mitteln – einer gewissen Sprachkenntnis und einem Wörterbuch – übersetzen zu können. Ganz „hilfreiche“ KI.

Wie Sie sehen können, sind mir dabei, völlig unbeabsichtigt, einige „Ausgezeichnete“ untergekommen: Wo oben neben dem Namen „Lauréat“ oder „Lauréate“ steht, handelt es sich um Preisträger im Gesamtwettbewerb; Owen Upex hat mit seinem Gedicht über den Burger den Publikumspreis erhalten.

Das kleine Bändchen lädt zum Hineinblättern ein. Ich mag mein Fundstück und hoffe, Sie haben auch Freude daran.

Cent poèmes pour Voyager Finalistes du Grand Prix Poesie RATP 2026 Jury présidée par Benjamin Milpied. Édition Bruno Doucet, Paris, 2026, ISBN: 978-3-3622-958-121.

Published byHeike Baller

Bis zum Morgen schmökern, Kissen nass weinen, bei der Bahnfahrt mal eben los gackern – das alles und noch einiges mehr bedeutet Lesen für mich. Naja, die Nächte lese ich nur noch selten durch, da melden sich doch zu penetrant die erwachsenen Bedenken in Sachen „Wecker am Morgen“ … Aber in der Bahn können Sie mich immer mal wieder grinsend oder kichernd erleben. Mit einem Buch vor der Nase. Da ich außerdem gerne mit anderen über das, was ich gelesen habe, diskutiere, habe ich dieses Blog gestartet. Leselust, das ist es, was mich antreibt, immer neue Bücher zu kaufen, zu leihen und vor allem zu lesen. – Vorlesen tu ich übrigens auch gern.

1 Comment

  • SabineWith

    27. September 2026 at 19:08 Antworten

    Diese tolle Aktion las ich kürzlich in der Frankreich erleben Ausgabe.

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