Ans Meer von René Freund

Ein richtiges Sommermärchen hat er da geschrieben – René Freund mischt munter Zutaten verschiedener Epochen und Genres, um sein Märchen bunt und spannend zu erzählen.

Was erzählt René Freund?

EIn Roadmovie der anderen Art – mit diesem Personal:

  • Anton, Busfahrer, von einer Helikoptermutter bedrängt aus einer Zeit, als es das Wort noch nicht gab – wächst über sich hinaus
  • Doris, Antons Nachbarin, hat den schüchternen Mann in die Flucht geschlagen und versucht, ihn wieder einzufangen
  • Carla, Mutter von Annika, dem Tode nahe und mit der Sehnsucht nach dem Meer in ihrer Heimat – sie setzt alles in Gang
  • Annika, elf Jahre alt, weiß, dass sie ihre Mutter bald verlieren wird
  • Eva, 17 Jahre alt, fürsorglicher Gruftie
  • Ferdinand, 17 Jahre alt, von Verantwortungsbewusstsein zerfressen gegenüber seiner kleinen Schwester – macht anfangs nur widerwillig mit
  • Frau Prenosil, völlig dement und nur zufällig mit von der Partie
  • Helene, Ferdinands Schwester und Annikas Freundin, ein Mädchen mit Durchsetzungsvermögen
  • Totti,ein Kaninchen

Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare zu René Freund "Ans Meer"

Carlas Bucht an der Adria ist kleiner und unverbauter – auch etwas aus der Zeit gefallen. Foto: Lokyam, Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare, CC BY-SA 3.0

Das ist die Reisegruppe auf dem Weg nach San Marco in der Nähe von Duino – die sterbende Carla überredet Anton, den klapprigen gelben Linienbus an diesem Tag nach Italien zu chauffieren. Für mich als Beinahe-Nordlicht ist der Gedanke befremdlich, innerhalb von 5 Stunden an der Adria sein zu können – aber von Österreich aus …?

Hier haben wir schon so eine Vermischung: René Freund kann erklären, wie es kommt, dass ein so vorsintflutliches Gefährt die Straßen Österreichs durchjuckelt – es belibt dabei: Der Bus ist nicht aus dieser Zeit. Seine techische Ausstattung ebenfalls nicht. Dafür aber die der Menschen: Handys mit Ortungssystem und den verschiedensten Klingeltönen spielen mindestens eine so große Rolle wie das gelbe Ungetüm. Ach ja, und das andere Gefährt in der Geschichte ist voll aus unserer Zeit: 410 PS …

Die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe bietet jede Menge heitere und nachdenkliche Kleinstgeschichten; bei einer Gruppe von Schulkindern nicht verwunderlich, spielt gerade das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern eine große Rolle. Und davon ist Anton nicht ausgenommen. Dorie ebensowenig, übrigens.

René Freund erzählt zudem die vorsichtige Annäherung zwischen Anton und Doris in deren Rückblicken.

Auf die ein oder andere Weise findet dieser Geschichte eine Menge Emanzipation statt. Ist doch klar, dass sich Eva um Frau Prenosil kümmert, oder? Helene kommandiert ihren Bruder rum – Freundin Annika geht vor und wenn die nach Italien fahren muss, gibt’s kein Vertun, da muss sie mit. Ferdinand seinerseits macht so ein paar Entdeckungen an sich selbst. Annika erweist sich als erfahrene Pflegerin ihrer Mutter. Also einige Elemente von Entwicklungsgeschichten haben wir hier, daneben die – unglückliche? – Liebesgeschichte von Anton und Doris. Für jeden was dabei 😉

Und dann sind da noch die Hippies – ein bisschen aus der Zeit gefallen, wie der Bus. Und die italiensiche Polizei …

Wie erzählt René Freund?

In der Perspektive wechselt er zwischen Anton und Doris. Er startet mit Doris‘ unerklärtem hastigen Aufbruch mit einem 410-PS-Auto. Erst danach lerne ich Anton kennen, mitsamt seinen Gedanken rund ums Busfahren:

Seinen Kindheitstraum, Busfahrer zu werden, hatte die Realität dieses harten Berufes an die Wand gefahren. (S. 9)

René Freund schildert detailliert, liebevoll und illusionslos, was so ein Busfahrer machen und beachten muss. Genauso schildert er das Engagement Antons, seinen schulpflichtigen Fahrgästen ein Mindestmaß an Manieren abzufordern – wer nicht grüßt, muss den Fahrausweis vorzeigen. Immer wieder finden sich in der stetigen Erzählung kleine sprachliche Schmuckstücke.

Schön find ich diese Schilderung (ich muss mich ja leider beschränken):

Hinter dem Steinwall, der den Strand abgrenzte, sahen sie zwei Gesichter auftauchen, mit blau-weißen Kappen. Und unter den Kappen wuchsen langsam die beiden Uniformen in den Himmel, (…) (S. 134)

Eine wirklich schöne Urlaubslektüre, ein Sommermärchen halt.

René Freund: Ans Meer, Deuticke Verlag, Wien, 2018, ISBN: 9783552063631

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Cider mit Rosi von Laurie Lee

„Eine der schönsten Kindheitserinnerungen in der Literatur“ steht hinten auf dem Buch mit den hübschen Blumen auf dem Leinencover. Es handelt sich um die Kindheitserinnerungen von Laurie Lee. Ehrlich gesagt, so eine Kindheit möchte ich nicht erlebt haben und wünsche sie weder meine Kinder noch meinen Enkeln. Wieso steht dann dieser Satz auf dem Cover? Und warum habe ich dann das Buch mit großer Begeisterung gelesen?

Laurie Lee beschreibt sein Leben auf dem Land in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts – zu Beginn ist er drei Jahre alt. Das Haus, in das er mit drei Schwestern, zwei Brüdern und der Mutter einzieht, ist alt, feucht, verfallen – und hat einen großen Garten. Weiterlesen

Glück wächst im Blumentopf von Andrea Behnke

Andrea Behnke hat einen Roman in Einfacher Sprache gechrieben – hm. Es gibt so viel Publikationen, die das nicht drauf stehen haben und derart einfach gestrickt sind … Aber Einfache Sprache ist ja nicht einfach einfach – sie folgt bestimmten Regeln, die das Erfassen des Inhalts erleichtern. Andrea Behnke hat als Autorin bereits Erfahrung mit dieser Sprachform. Und nun hat sie also einen Roman in dieser Form verfasst.

Etwas zum Inhalt des Buchs von Andrea Behnke

Annalena mag ihren Namen nicht – ihre Freundin nennt sie Anna. Das gefällt ihr viel besser – von vorn und hinten dasselbe Wort. Und nächstes Jahr wird sie 33 – so wie ihre Freundin in diesem Jahr. Auch das ist eine schöne Zahl – von vorn und hinten gleich. Weiterlesen

Zufallsbuch #2: Von Nebelhorn bis Nachtigall von Julia Hagemann

Der Buch-Zufallsgenerator von Kerstin Herbert verlangt diese Woche das 11. Buch mit buntem Cover bzw. verrücktem Titel.

Dazu gibts wieder Fragen:

  1. Worum geht es in dem Buch?
  2. Hast du das Buch schon gelesen? (Wenn ja, fandest du es? Wenn nein, warum nicht?)
  3. Wie hat das Buch den Weg in dein Regal gefunden?
  4. Wie lautet der 11. Satz auf der 11. Seite?
  5. Hat das (bunte) Cover bzw. der (verrückte) Titel Einfluss auf Eure Kaufentscheidung?

Nun ja, das Cover ist schwarz-weiß, aber vom ersten Eindruck schon mal recht schräg – Julia Hagemann in sängerischer Pose? Und der Titel? Ich find ihn ziemlich schräg 😉

Julia Hagemann Cover

Cover des Buchs von Julia Hagemann

Frage 1: Der Untertitel verrät, worum es geht: “Flexibles Muskelspiel im Gesang”. Julia Hagemann hat hier auf überschaubar kleinen Seiten – rund 130 an der Zahl – ihr Wissen um Gesang und wie man diese Kunst vermittelt, zu Papier gebracht.

Frage 2: Ich kenne und liebe das Buch. Es ist imemr wieder erhellend, reinzuschauen und das eigene sängerische Tun abzugleichen. Da Julia Hagemann auch Kabarettistin ist, Texterin und  Workshopleiterin dazu auch noch, ist neben Gesang der Gebrauch von Sprache ihrs. Das Buch zu lesen macht einfach Spaß!

Frage 3: Ich hatte vor Jahren das große Vergnügen – wenn auch bei trauriger Gelegenheit -, Julia Hagemann kennenzulernen. Als ich von ihrem Buch erfuhr, habe ich es sofort bestellt.

Frage 4: Hm, einen 11. Satz zu finden, ist bei den kleinen Seiten gar nicht so einfach – auf S. 11 ist keiner, aber auf der 11. Seite des Textes habe ich einen 11. Satz gefunden – der ist dafür dann auch gleich hübsch lang:

Beides ist beim Singen nicht günstig, wir müssen also mit dem Mechanismus der Saite arbeiten, und da wir nicht wie die Geiger greifen können (oder jedenfalls wirkt es sich nicht aufs Singen aus), müssen wir das tun, was die Besitzer von Saiteninstrumenten tun: Bei gleichbleibender Saitenlänge die Spannung verändern. (S. 18 f)

Frage 5: Besonders bunte Cover, einfach nur weil sie bunt sind – nee, das turnt mich nicht so an. Ich mag aussagekräftige Cover – also gern auch was, woraus hervorgeht, dass es sich z. B. um einen historischen Roman handelt. Andererseits – das Cover von “Herr Müller, die verrückte Katze und Gott” ist ja auch ziemlich schräg und das hat mich schon interessiert. Aber kaufentscheidend – eher nicht.

Julia Hagemann: Von Nebelhorn bis Nachtigall. Flexibles Muskelspiel im Gesang, Rehwinkel Edition, 3. Auflage, September 2015.

Liebe M. … von Anna Paulsen

Da hab ich verkündet: Keine Rezensionsexemplare mehr, antworte auf die freundlichen Angebote meiner Ansprechpartnerinnen in den Verlagen entsprechend – und bin so was von froh, dass mich gerade zur rechten Zeit der Umschlag mit dem Buch von Anna Paulsen erreicht. Unverlangt zugesandt. Genau so was habe ich gerade gebraucht: Eine heitere, leichte aber nicht seichte Lektüre. Es sei mir also die Inkonsequenz nachgesehen, dass ich dieses Rezensionsexemplar sofort gelesen habe.

Dass es das gerade passende Buch war, war schnell klar, denn hinter Anna Paulsen verbirgt sich die hier im Blog schon öfter rezensierte Heike Abidi. Gute Unterhaltung war zu erwarten – und die habe ich bekommen.

Matilda, mit einer unglücklichen Kindheit und dem Fluchtreflex “Buch” ausgestattet, passt nicht ins 21. Jahrhundert: Bücher aus Papier, kein Führerschein, kein Smartphone, noch nie im Internet gewesen, eine Vorliebe für Montagmorgen statt Freitagnachmittag. Passend dazu arbeitet sie im “Amt für unzustellbare Briefe”. Obwohl Anna Paulsen für die Recherche das echte Amt kennengelernt hat, hat sie sich für eine idylische Version eigener Machart entschieden – so sitzt Matilda in einem original 60er-Jahre Büro. So kann es passieren, dass sie einen nicht zugestellten Brief von 1966 findet.

Bardelaeremuseum brieven

Im Archiv des Amtes für unzustellbare Briefe sieht es wohl geordneter aus – aber einen Brief aus dieser Zeit hat Matilda im Buch von Anna Paulsen gefunden. Chelsea van de Wynckel, Bardelaeremuseum brieven, CC BY-SA 4.0

Mehr als 50 Jahre ist die Geschichte von Leni und Michel alt, der sie mit Hilfe ihres Nachbarn Knut nachspürt. Dieser emeritierte Professor erwartet von Matilda Dinge, die sie sich nie zugetraut hätte – und die sie dann doch schafft. Klar, dass ihr Leben neue Farben und Gerüche bekommt – der Duft von Antiquariaten muss hinter der Meeresbrise zurückstecken.

Wie bei Anna Paulsen, aka Heike Abidi, zu erwarten, sind emotionale Turbulenzen zu erwarten. Ein Teil dieser Turbulenzen findet aber in den Briefen statt, die Matilda liest. Entgegen ihrer sonst eher pedantischen Art nimmt sie auf einmal Briefe aus dem Amt mit nach Hause – mit Knuts Internetexpertise kann sie so helfen, dass ein schüchterner Espresso-Trinker in Berlin dann doch mit seinem Flachwirtz landet. Und ja, Matilda hat dafür eine Reise nach Berllin auf sich genommen, inklusive Hauptbahnhof der Hauptstadt …

Was das Buch so anrührend zu lesen macht, sind eben die Briefe, die Matilda, und damit auch ich, zu lesen bekommt. Liebesbriefe, richtig auf Papier. Hach.

Und dann gibt es da die Briefe, deren Adresse, Absender und Unterschrift nur aus dekorativen Schnörkeln bestehen und die Matilda tief berühren. Aus einem dieser Briefe  ist der Titel des Buchs entnommen – Sie sehen, da steckt was dahinter.

Anna Paulsen ist weniger auf Witz und Esprit aus – eher auf Gefühl. Die komischen Seiten gibt es aber auch. Den verständnisbefreiten, plumpen Kollegen Matildas, die ständig auf Männerfang ausgerichtete Kollegin.

Was ich an Matilda mag, ist ihr Anliegen, die mürrische Kassiererin im Supermarkt zum Lächeln zu bringen – dass es mit E. Klein dann noch anders weitergeht als gedacht … Gut, ich hätte ihr was Besseres gewünscht 😉

Anna Paulsen: Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen, Penguin Verlag, München, 2018, ISBN: 9783328101574

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Maike Claußnitzer im Interview

Maike Claußnitzer ist eine liebe Kollegin, die sich immer wieder als kundige Kommentatorin in meinem Blog betätigt – ich freu mich immer sehr über ihre Anmerkungen. Sie ist aber auch Autorin und ich habe im Spätherbst ihr Buch “Rattenlied” gelesen. Das fand ich so faszinierend, dass ich bis 2 Uhr nachts dran blieb. Vor einiger Zeit hatte ich bereits den Band “Greifen, Grabraub und Gelichter” erhalten – und bis zum “Rattenlied” nicht aufgeschlagen … Obwohl ich nicht die große Fantasy-Leserin bin, haben mich die Bücher in den Bann geschlagen. Maike Claußnitzer hat eine Mischung von Realität und Fiktion geschaffen, die ich lesenwert finde.

Nach der Lektüre von “Rattenlied” konnte ich Maike Clausnitzer ein paar Fragen stellen, die sie mir beantwortet hat. Voilà:

Liebe Maike, „Rattenlied“ war mein erster Kontakt mit Deiner Fantasy-Welt – zu meiner Schande sei es gesagt, denn „Greifen, Grabraub und Gelichter“ stand hier ja schon ein Weilchen rum … (Die Lektüre habe ich dann ganz schnell nachgeholt). Wie würdest Du Deine Welt beschreiben?

Die Welt, in der meine Geschichten spielen, ist im Grunde genommen unsere gewohnte Welt, wie sie irgendwann zwischen Spätantike und Wikingerzeit hätte sein können, wenn es Fabelwesen, Gespenster und einen Hauch von Magie gäbe und einige (kultur-)historische Entwicklungen anders verlaufen wären als in Wirklichkeit. Abgesehen davon, dass man bei einem Besuch dort damit rechnen sollte, Drachen oder Trollen über den Weg zu laufen, wird man also auch viel Vertrautes finden – von römischen Ruinen über Zitate aus antiken Texten bis hin zum Christentum.

Hat sie einen eigenen Namen, wie bspw. Tolkiens „Mittelerde“?

Die Welt selbst hat keinen speziellen Namen, sondern ist für ihre Bewohner einfach „die Welt“ oder „die Erde“ – wie für uns. Der zentrale Handlungsort ist ein alternatives Frankenreich, genauer gesagt dessen nordöstlicher Teil, der wie in der Realität Austrasien heißt.

Wie findest Du Dich dort zurecht? Sind alle Völker und Gruppen immer dort, wo Du sie angesiedelt hast?

Wenn sie das wären, würde es garantiert friedlicher zugehen … Spaß beiseite: Da ich mich im Großen und Ganzen am frühmittelalterlichen Europa orientiere, ähneln bestimmte Siedlungsräume den historisch überlieferten. So spielt der Kontrast (und nicht selten auch Konflikt) zwischen sesshaften Kulturen und eurasischen Nomaden ebenso eine Rolle wie Wikingereinfälle aus dem skandinavischen Bereich. Neben ganzen Menschengruppen kommen auch Einzelpersonen geographisch weit herum, ob nun absichtlich als Fahrende, Söldner und Kaufleute oder eher unfreiwillig als Gefangene und Sklaven.
Um den Überblick zu wahren, hilft eine ganz normale Karte aus dem historischen Atlas mit entsprechenden fiktiven Ergänzungen. Damit ich mich an den einzelnen Handlungsorten beim Schreiben nicht verirre, fertige ich manchmal Karten- oder Grundrissskizzen an.

Du bist in Sachen Mittelalter beschlagen – welche Elemente hast Du aus dem echten Mittelalter in Deine Welt übertragen?

MonasterboiceCrossKnot Schmuck in den Geschichten von Maike Claußnitzer

Solche Knotenmuster kommen als Schmuckelemente in den Geschichten von Maike Claußnitzer immer wieder vor

Die erste Idee zu einer Geschichte, die vor diesem besonderen Hintergrund spielt, ist mir vor Jahren bei der Lektüre eines Artikels über archäologische Funde aus der Merowingerzeit gekommen. Mittelalterlich ist bis zu einem gewissen Grade also die materielle Kultur, allerdings ergänzt um ein paar moderne Zutaten. So haben z. B. Tee und Papier ihren Weg weitaus früher in mein Austrasien gefunden, als sie historisch in Europa nachzuweisen sind.
Vor allem aber faszinieren mich als Germanistin natürlich Texte, und so haben sich Motive aus allen möglichen Literaturgattungen von der Heldenepik bis zur geistlichen Dichtung in meine Geschichten eingeschlichen, aber auch die Tücken mittelalterlicher Urkunden, der Wert symbolischer Gesten oder das Nebeneinander von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Oft greife ich bestimmte Details aber auch etwas augenzwinkernd auf (so sind die Fluchstangen, die im „Rattenlied“ vorkommen, von der „Neidstange“ inspiriert, die in der mittelalterlichen „Saga von Egil Skalla-Grimsson“ beschrieben wird, sind aber in Ausführung und Intention nicht ganz so furchteinflößend).

Frauen spielen in Deinen Geschichten starke Rollen – ist das Deine Form von Utopie?

„Utopie“ ist zu viel gesagt. Insgesamt ist die geschilderte Gesellschaft alles andere als ideal, doch was die Gleichberechtigung und vor allem deren selbstverständliche Akzeptanz betrifft, hat sie dem realen Mittelalter und auch uns tatsächlich etwas voraus. Diese Haltung als Normalität und nicht als fernes oder gar umstrittenes Ideal zu zeigen, ist mir wichtig. Denn die gerade in der Fantasy nicht seltenen Emanzipationsgeschichten über eine tatkräftige Persönlichkeit, die aus einer starren Geschlechterrolle ausbricht, haben einen entscheidenden Nachteil. So gut gemeint sie auch sein mögen, sie untermauern indirekt die Annahme, Vorurteile und Diskriminierung seien naturgegeben und eine Frau (seltener: ein Mann) müsse erst einmal beweisen, dass es sich lohnt, im Einzelfall von der althergebrachten Einschätzung abzurücken. Und das ist keine Sichtweise, die irgendeinem Menschen guttut.

Also, diese letzten Sätze finde ich so was von toll! Ich stimme Dir voll zu.

Greife oder Greifen – wie lautet der korrekte Plural? Schildere doch bitte mal, wie sie genau aussehen und was ihre Eigenschaften sind. Zwei Sorten kenne ich – die kleinen Sperlingsgreife(n) und die Steppengreife(n).

Karlsruher-Greif Maike Claußnitzer Buch Greife

Da sieht man mal, wie man sich irren kann – für mich waren Greife bisher immer rein “vogelig” – da habe ich bei Maike Claußnitzer noch was dazu gelernt Ikar.us, Karlsruher-Greif, CC BY 3.0 DE

Der Duden kennt beide Pluralformen, ich habe mich in meinen Geschichten für „Greifen“ entschieden.

Der Sperlingsgreif (Gryps passerinus) ist ein in Mitteleuropa weitverbreitetes Fabelwesen, das den greifentypischen katzenähnlichen Körper, vogelartige Flügel, einen gefiederten Kopf mit Federohren und einen kräftigen Schnabel aufweist. Die Spannweite ausgewachsener Exemplare übersteigt selten 30 cm. Fell und Gefieder sind zumeist bräunlich bis sandfarben, haben aber bisweilen einzelne weiße Partien. Wie alle Angehörigen der Gattung Gryps ist der Sperlingsgreif ein opportunistischer Allesfresser. Als klassischer Kulturfolger nistet er oft in oder bei Gebäuden. Das Gelege besteht meist aus zwei bräunlich gesprenkelten Eiern. Der Volksglaube sieht im Sperlingsgreifen einen Glücksbringer, dessen Anwesenheit den Menschen Gutes verheißt.
Sein größerer Verwandter, der Steppengreif (Gryps scythicus), ähnelt ihm in Körperbau und Färbung, ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 50 cm jedoch beträchtlich größer und verfügt über einen greifvogelhafteren Schnabel. Die scharfen Krallen sind einziehbar. Sein Jagdtrieb ist stärker ausgeprägt als der des Sperlingsgreifen. Zu seinem Beutespektrum zählt neben Mäusen und Schlangen auch das scheue Birkenhörnchen (Sciurus magicus). Sein Lebensraum erstreckt sich von Osteuropa bis nach Zentralasien. Berichte über Steppengreifensichtungen in Mitteleuropa sind vermutlich auf Irrgäste oder Gefangenschaftsflüchtinge zurückzuführen und kein Beleg für eine Verlagerung des Verbreitungsgebiets nach Westen. Die Abrichtung von Steppengreifen zur Jagd soll unter Skythen und Sarmaten üblich gewesen sein, ist aber bisher nicht hinreichend durch archäologische Funde nachgewiesen.

Welche Bücher haben Dich so beeinflusst, dass Du ihnen Anregungen für Deine Welt verdankst?

Den Einfluss der mittelalterlichen Literatur habe ich ja oben schon angesprochen, doch genauso erwähnenswert sind Märchen und Sagen, ob nun bekannt oder nur von lokalem Interesse. So geht der Geist im Wacholder im „Rattenlied“ auf eine Geschichte über den Totengrund in der Lüneburger Heide zurück, ein wacholderreiches Tal, in dem es spuken soll.
Wichtig sind daneben Rosemary Sutcliffs historische Romane, die ich als Kind und Jugendliche sehr geliebt habe und die oft ebenfalls den Übergang von der Antike zum Mittelalter thematisieren. Der Hinweis auf Tolkien darf bei mittelalterlich inspirierter Fantasy natürlich nicht fehlen, aber auch Susanna Clarkes „Jonathan Strange & Mr Norrell“ ist ein Roman, der mir gezeigt hat, wie gut die Verbindung aus historischer Welt und magischen Elementen funktionieren kann, obwohl er mit den Napoleonischen Kriegen eine ganz andere Epoche zum Hintergrund hat.
Hinzu kommen alle möglichen Sachbücher zu geschichtlichen und archäologischen Themen. Besondere Erwähnung verdient „Colonia – Stadt der Franken“ von Carl Dietmar und Marcus Trier. Hier habe ich viele Anregungen gefunden, wie man sich die Entwicklung einer Römerstadt in nachantiker Zeit vorstellen kann.

Kommt da noch mehr?

Das will ich hoffen! Im Moment ist eine Fortsetzung meines ersten Romans „Tricontium“ geplant, in der aber auch ein paar Figuren aus dem „Rattenlied“ vorkommen, und auch einen neuen Band mit kürzeren Erzählungen aus derselben Welt wird es bestimmt früher oder später geben.

Vielen Dank für die Antworten, liebe Maike.

Das sind die beiden Titel, die hier zugrunde liegen:

  • Maike Claußnitzer: Rattenlied, BoD, Norderstedt, 2017, ISBN: 9783746013039
  • Maike Claußnitzer: Greifen, Grabraub und Gelichter, BoD, Norderstedt, 2015, ISBN: 9783739220130

Außerdem gibt es noch:

  • Maike Claußnitzer: Tricontium, BoD, Norderstedt, 2016: ISBN: 9783739239743

In der Stadtbücherei Köln finden sich “nur” Titel, die Maike Claußnitzer übersetzt hat.

Übrigens: So sieht das mit dem Interview dann auf meinem Desktop aus:

Interview Maike Claußnitzer Desktop Dokumente

Das Internview haben Maike und ich schriftlich geführt – die Reimerei auf dem Desktop habe ich erst spät entdeckt 😉

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Vitamin V wie Wohnung von Katja Heimann

Ohne allzusehr zu spoilern: Sobald Thies und sein Laden auftauchen, ist klar, wie die Protagonistin von Katja Heimann ihr Problem gelöst bekommt. Bis dahin muss aber noch eine Menge passieren.

Im Gegensatz zu Rea und Bruno sind Leserinnen des Klappentextes auf die Überraschung vorbereitet, die den beiden blüht. Nach ihrem Urlaub wollen sie zu Hause entspannen, doch wie sie mit eigenen Augen sehen müssen und ihnen ihr Freund Eggert (was für ein Vorname – ich dachte erst, es sei der Nachname) erklären will, lebt da jetzt – noch – jemand anderes: Nora mit ihrem vierjährigen Sohn Colin. Ein experimentierfreudiger Teenager hat ihr bisheriges Heim mittels Explosion unbewohnbar gemacht – ohne Chance, in die Wohnung zurückzukehren. Und als alleinerziehende Mutter, freiberuflich mit Kindergartenkind hat es Nora auf dem Wohnungsmarkt schwer. Sehr schwer.

Rea und Bruno wollen die beiden ungebetenen Besucher schnellstmöglich loswerden. Doch ihr Gewissen lässt einen schlichten Rauswurf nicht zu. So arrangieren sich die vier – bis auf weiteres. Das ist nicht so einfach:

  • Nora fühlt sich genötigt, so nützlich und unsichtbar wie möglich zu sein – beides nervt Rea und strapaziert Nora.
  • Rea schwankt zwischen Freude am Zusammensein mit Colin – eigene Enkelinder sind nicht zu erwarten – und bloßliegenden Nerven, wenn das Kind gerade mal nicht so in den Alltag des Rentnerehepaars passt.
  • Bruno sieht die Sache etwas gelassener – aber traute Zweisamkeit mit Rea ist auch sein Ziel.

Neben dem anstrengenden Alltag als freiberufliche Übersetzerin kommen bei Nora dann noch weitere Stressfaktoren hinzu:

  • Die Kommunikation mit ihrem Webhost gestaltet sich schwierig – es droht die Löschung ihrer Website.
  • Die Mutter eines Kindergartefreundes von Colin sorgt auch immer wieder für Chaos – Termine sind nicht so ihrs.
  • Ein Kollege aus dem Übersetzerkollegenkreis ist sehr interessiert an Nora – aber sie nicht an ihm.
  • Überhaupt: Männer in Noras Leben, da tun sicn ungeahnte Möglichkeiten auf – und nein, mehr verrate nicht.
  • Die Wohnungssuche ist mehr als unerfreulich – ein getreues Abbild der aktuellen Situation nicht nur in Hamburg.

Small tomatoes

Eine bestimmte Sorte kleiner roter Tomaten spielt eine wichtige Nebenrolle

Was mit Thies ist, müssen Sie schon selbst lesen 😉

Und welche Katstrophe sich aus dem Zusammenleben der Generationen ergibt – auch das überlasse ich Ihrer eigenen Lektüre.

Wie erzählt Katja Heimann?

Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen der von Rea und ihrem Umfeld – hier hat sich Katja Heimann für eine personale Erzählhaltung entschieden – und der von Nora – aus der Ich-Perspektive. Auch innerhalb der Passagen, in denen nicht Nora erzählt, wechselt die Sichtweise; vor allem Rea kommt häufig vor, aber auch Bruno, Eggert und Thies. So entsteht Nähe zu allen Figuren. Manche Szene gibt es so aus zwei Blickwinkeln – das lässt zwar die Erzählung quasi rückwärtsschreiten, macht aber die Handlungen der Einzelnen nachvollziehtbar. Besonders bei Rea ist das nötig, denn sie ist eine ambivalente Person – sowohl in Freude wie in Leid rasch mit Urteil und lautstarker Stimme im Vordergrund.

Katja Heimann schreibt flüssig und teilweise mit sehr großem Charme. Beispiel gefällig?

Ein leises Geräusch drang in meinen Schlaf und zerrte mein widerwilliges Bewusstsein an die Oberfläche. (S. 45)

 

Blackbird with berry, Omagh - geograph.org.uk - 276585

Wer dann am Ende die Früchte erntet, ist auch bei Amseln nicht immer klar, Kenneth Allen, Blackbird with berry, Omagh – geograph.org.uk – 276585, CC BY-SA 2.0

Besonders mag ich ja die winzigkleine Geschichte von den Amseln, die Nora vom Fenster aus beim Kampf um eine Kirsche beobachtet – so anschaulich und lebendig ist sie geschildert.

Es gibt aber auch ein paar Punkte, wo ich denke, kürzen hätte gut getan – mancher Satz will zu viel. Im Großen und Ganzen hätte noch etwas mehr “Show” vielleicht etwas mehr Zug in manche beschreibende Szene gebracht.

Aber das ist Mäkeln auf recht hohem Niveau – Katja Heimann hat eine unterhaltsame Geschichte geschrieben, die in unserer heutigen Welt spielt und verschiedene Themen hat: Der Generationenkonflikt zwischen Nora und ihren unfreiwilligen Gastgebern ist nicht der einzige Aspekt, wo “Generation” eine Rolle spielt. Die aktuelle Wohnungssituation in unseren Großstädten hatte ich schon angesprochen. Die Freiberuflichkeit der Protagonistin ist authentisch dargestellt – wie auch nicht bei einer Freiberuflerin. So können unterschiedliche Leserinnen und Lesesituationen ihr Thema finden.

Und ja, das will ich Ihnen nicht vorenthalten: An einer Stelle habe ich gebrüllt vor Lachen – Rea hat auf ihrem Lesestapel ein Buch, das ich Ihnen auch einmal vorgestellt habe – Süß ist der Tod von Emma Conrad.

Katja Heimann: Vitamin V wie Wohnung, tredition, Hamburg, 2017, ISBN: 9783743969605

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Mücken an der Wand von Ruth Frobeen

Was Ruth Frobeen da vorlegt ist ein Parforceritt ihrer Heldin Ylvie Unverdorben zu sich selbst. Und wie es Parforceritte so an sich haben: Unterbrechung schlecht möglich. Das habe ich bei meiner Weihnachtsbäckerei gemerkt – ein Blech Pfefferkuchen ist ganz schön dunkel geraten …

Sie sehen – das Buch hat mich gepackt. Und warum? Drei Gründe:

  1. Ruth Frobeen kann so erzählen, dass ein Sog entsteht.
  2. Dann ist am Anfang nicht ganz klar, was Ylvie denn so aufreibt – ich wollte das unbedingt wissen 😉
  3. Zudem sind da die sechs Sätze ganz am Anfang, die so enden:

Er ist tot. Mein kleiner Burder. (S. 6)

Sie sehen – Spannung kann Ruth Frobeen aufbauen. Aber dann hat sie so eine lakonische Art, die Geschichte zu erzählen, einfach nur so. Und spannend bleibt es. Ja, es ist die Perspektive von Ylvie. Ich erlebe alles aus ihrer Sicht. Aber da ist auch diese präzise Erzählerin, die mit Bildern vermittelt, was Ylvie fühlt:

Ylvie wollte sich in ihr Schneckenhaus zurückziehen, doch da war keins, weil sie eine Nacktschnecke war. (S. 103)

Aber nicht dass Sie jetzt denken, das sei alles todtraurig und bierernst. Nein, Die Bilder von Ruth Frobeen können auch heiter, ja humorvoll sein:

Wenn sie über etwas nachdachte, ohne es aufzuschreiben, konnte es passieren, dass ihre Gefühle sich zu wichtig machten. Aber wenn sie schrieb, reihten sich die Gedanken höflich auf, machten einen Knicks vor den Gefühlen und tanzten mit ihnen auf einer bis zum Horizont reichenden Tanzfläche. (S. 103)

Okay, jetzt habe ich über den Stil von Ruth Frobeen genug palavert, jetzt mal zum Inhalt.

Leirhnjukur Ruth Frobeen Mücken an der Wand

Heiße Quellen auf Island – Orte der Entspannung für Ylvie und ihre Freundin. Andreas Tille, Leirhnjukur, CC BY-SA 4.0

Yllvie Unverdorben hat genau den richtigen Namen für eine Erotikschriftstellerin, finden Sie nicht auch? Und damit ist sie sehr erfolgreich. Und sehr unglücklich. Die Begegnungen mit Lesern und ihren sexuell aufgeladenen Wünschen beim Signieren ärgern und frustrieren Ylvie. Sie macht einen Cut. Schneidet ihre Haarmähne ab, bringt den Hund zur Freundin und fährt recht kurz entschlossen nach Island, um dort zu schreiben. Das zu schreiben, was zu schreiben ihr notwendig ist: Die Geschichte ihres Bruders. Im Laufe des Buches setzt sich das Puzzle um Tom, den jüngeren Bruder Ylvies, zusammen – immer kränklich, immer gehätschelt, von ihr als Kind und Jugendliche oft als nervig empfunden. Dieser Tom hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Drei Jahre vor Beginn der Handlung. Was ist schief gelaufen? Was ist in dieser Familie an Verletzungen passiert?

So ungefähr kann ich mir den Inhalt des Buches, an dem Ylvie im Laufe der Handlung schreibt, zusammenreimen. Erfahren tu ich nichts Konkretes. Aber ich erfahre, wie sie ihr Schreiben erlebt. Was es mit ihr macht, was sie dafür braucht. Ich erlebe ihre Sicht auf die Dinge – genau wie Tom, der ihr auf der Fähre begegnet. Ein Isländer, der mit Bustouren sein Geld verdient und vorhat, was anderes zu machen. Ein Pessimist? Die Mücken, die Ylvie im Kopf herumschwirren, sitzen bei ihm still an der Wand – er bekommt den Hintern nicht wirklich hoch, fühlt sich von seiner Schwester immer übertrumpft. Eine Gesprächssituation ist mir besonders haften geblieben: Ylvie und Tom sitzen in Ylvies Kabine auf der Fähre und trinken Wasser. Es geht um “halbvoll oder halbleer”. Dann fragt Ylvie ihn, was wohl passiere, wenn er das Glas fallen ließe. Sofort zählt Tom all’ die Folgen auf: Scherben, die zusammengefegt werden müssen, Pfützen, trockengelegt werden müssen. Alles so negativ, belastend, unnötig. Und sonst?, hakt Ylvie nach. Tom ist irritiert. Ylvie gibt die Antwort selber: Dann hast Du beide Hände frei.

Dieser Satz erweist sich als handlungsförderlich – immer wieder kommen die beiden darauf zurück.

Neben Tom und Ylvie hat Ruth Frobeen noch mindestens zwei weitere spannende Figuren erschaffen.

  • Toms Schwester – eine mystisch angehauchte Person, perfekt freundlich und als Mittlerin zwischen Elfen und Menschen tätig – ja, der Großteil der Handlung spielt in Island und da ist das so.
  • Margret, die Enkelin des Krämers vor Ort – mit einem geheimen Leben und einer großen Leidenschaft.

Und dann ist da Island selber. Ruth Frobeen schildert eine Landschaft, die ich mir gar nicht vorstellen kann (optische Vortstellungen sind nicht meins, grundsätzlich), aber ich bekomme die Gefühle mit, die sie bei Ylvie auslöst.

Können Sie nach dem kurzen Abriss verstehen, dass mich dieser Debutroman in den Bann gezogen hat? Ich kann Ihnen das Buch nur wärmstens  ans Herz legen.

Ruth Frobeen: Mücken an der Wand. Alles ist möglich, Vielleicht, Ruth Frobeen, 2017, ISBN: 9783981940015

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German Glück von Sabine Eichhorst

“Reise durch ein unerwartet glückliches Land” lautet der Untertitel der Sammlung, die Sabine Eichhorst hier vorlegt. Der Titel spielt auf “German Angst” an – als Gegenpol. In ihrem Buch zeigt Sabine Eichhorst, wie unterschiedich glücklich Menschen in Deutschland sind. Sie zeigt es auf überzeugendere Weise, als es Titel und Cover vermuten lassen. Differentiert und zugewandt porträtiert sie sehr verschiedene Menschen – wie die Mittvierzigerin, die ihr Leben noch mal völlig auf den Kopf stellt und nach jahrelanger Schreibtischtätigkeit im Journalismus ein Geschäft für Wolle eröffnet – dabei kann sie gar nicht stricken. Doch in ihrer Schilderung macht Sabine Eichhorst diese Entscheidung nachvollziehbar und lässt mich als Leserin optimistisch zurück.

Auch der Pfarrer, der an MS erkrankt ist und dessen Einstellung in einer Gemeinde dort nun Entscheidungen in Richtung Barrierefreiheit verlangt, weil er nach einer gewissen Zeit im Rollstuhl sitzen muss. Auch Gedanken darüber werden mir abverlangt, wie wir mit Menschen umgehen, die sichtbar “ein Leiden” tragen – und dabei, so stelle ich mir den Mann vor, eine große Gelassenheit und Zufriedenheit ausstrahlen, weil das nun mal sein Leben ist und er das so annimmt.

Happy Planet

Dieser Glücksatlas stammt von 2007 – Deutschland hatte auch da schon viel Glück 😉


Was das Buch von Sabine Eichhorst so besonders macht, ist die Art, wie sie ihre Gesprächspartner zu Wort kommen lässt. Mit kleinen, sehr sparsam gesetzten Schilderungen von Gesten und Gesichtsausdruck holt sie mich als Leserin in die Gesprächssituation hinein, lässt mich teilnehmen. Sich selber bringt sie ähnlich sparsam ein – formuliert aber eben auch die Fragen, die mir in den Kopf kommen, wenn ich von jemandem lese, der oder die das Glück gefunden hat, obwohl so vieles – Krankheit, Verlust, Scheitern – dagegen zu sprechen scheinen. Die Antworten auf solche Fragen kommen auch nicht schnell, sondern nach Pausen fürs Nachdenken und Abwägen – das wird immer wieder deutlich. So entsteht nie der EIndruck, da mache sich jemand was vor. Die unangenehmen, die belastenden Seiten ihrer Biographie leugnen die Personen in Sabine Eichhorsts Buch nicht. Sie lügen sich nicht was in die Tasche – das kann ich ihnen abnehmen. Und manche Strategie finde ich so nachahmenswert, dass ich sie selber ausprobieren werde.

Mach ich ja selten, aber Weihnachten steht vor der Tür, deshalb meine Empfehlung: Wennn Sie jemandem was Gutes tun wollen, können Sie dieses Buch verschenken.

Sabine Eichhorst: German Glück. Reise durch ein unerwartet glückliches Land, Ludwig Verlag, München, 2017, ISBN: 9783453280892

Das Buch steht auch in der Stadtbibliothek Köln bereit.

 

Mit Klick auf den Link können Sie das Buch direkt bestellen – über LChoice. Und es gibt dann eine kleine Provision für mich.



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Ausmalbücher zu Jane Austen

Ja, so was gibt es auch … Szenen à la Jane Austen als Ausmalbücher für Erwachsene, analog zu den ganzen anderen Malbüchern für Erwachsene, die der Entspannung dienen sollen. Im Rahmen von “Beloved Jane” konnte ich nicht widerstehen und hab mir so was mal zugelegt. Nun ist diese Ausmalerei nicht so ganz meins – aber ich habs mal versucht …

Jane Austen Ausmalbuch, Szene mit Buntstift

Mal hab ichs mit Buntstift versucht …

Jane Austen Ausmalbuch Anfang

… mal mit Aquarellfarben

 

Jane Austen AUsmalbuch Einzelszenen Medaillons

Auf der anderen Seite gibt es einzelne Szenen – mit erläuterndem Text! – als Medaillon

Insgesamt handelt es sich um ein Leporello mit ineinander übergehenden Szenen. Im “Buchdeckel” finden sich dann mögliche Rahmen für die Medaillons – es ist für alles gesorgt 😉

Wer für sowas mehr Geduld hat als ich  – vielleicht ist das ja eine Anregung für lange Herbst- und Winterabende. Viel Vegnügen.

Mit lag hier – antiquarisch erworben – vor:

Jane Austens Welt, Colour in Art, Ill. v. I. Gilbert aus dem Ravensburger Verlag. ISBN: 9783473558780

Da gibts aber noch mehr:

  • Colour me – Jane
  • Solz und Vorurteil – das Ausmalbuch
  • Classic Colouring – Jane Austen

Die Vorstellung gehört in meine Reihe “beloved Jane” zum 200. Todestag von Jane Austen in diesem Jahr.