Licht aus dem Osten von Peter Frankopan

“Eine neue Geschichte der Welt” verspricht mir der Untertitel. Peter Frankopan will die uns bekannte Weltgeschichte aus der Perspektive des Orients zeigen. Das tut er auch – aber in meinen Augen fehlt da was.

Was im Klappentext am Anfang steht:

Peter Frankopan lehrt uns die Geschichte neu zu sehen – indem er nicht Europa, sondern den Nahen und Mitlleren Osten zum Ausgangspunkt macht. Er erzählt von den ersten Hockulturen und den drei monotheistischen Weltreligionen (…)

löst er in meinen Augen zu kurz ein. Bereits das 11. Kapitel “Wo das Gold lockt – die Eroberung der Neuen Welt” hat seinen Schwerpunkt bei den entstehenden Kolonialmächten. Und ab dem 13. Kapitel “Herrscher der Meere – die Handelsmächte des Nordens” liegt der Schwerpunkt dann doch wieder auf vertrautem Terrain; je später desto mehr auf England. Es folgen noch 2/3 des Buches – Peter Frankopan schildert besonders die Zeiten ab dem 19. Jahrhundert in großer Ausführlichkeit. Und das ist spannend – in dieser Zusammenstellung habe ich über die einzelnen Entwicklungen, besonders Englands, noch nicht wirklich was gelesen; das kann an meiner Interessenslage bei historischen Themen liegen. Auch die detaillierten Ausführungen zu den politischen Entwicklungen im 20. Jahrhundert, die Wichtigkeit der Ölreserven im Persischen Golf und die Konsequenzen der “westlichen” Politik über mehr als 100 Jahre mit ihren verheerenden Folgen bis heute – da habe ich eine Menge gelernt.

Doch mein Interesse war eben genau die Zeit, die etwas kurz wegkommt – die Hochkulturen in, ich sach mal “biblischer” Zeit und die Hochzeit der islamischen Welt mit ihren Errungenschaften in Kultur und Wissenschaft. Der Titel “Licht aus dem Osten” hat mich da wohl etwas gebelendet 😉 Der Blick auf den Originaltitel macht – wie so oft – einiges verständlicher: “Silk Roads” heißt  das Buch – es geht in der Hauptsache um Handelswege. Der Begriff “Seidenstraßen” kommt dann gerade fürs 20. und 21. Jahrhundert wiederholt in Anwendung – Peter Frankopan meint, dass die Verlagerung des Schwerpunkts des Weltgeschehens und -handels wieder gen Osten geht.

Lunar eclipse al-Biruni in Peter Frankopan: Licht aus dem Osten

Die Mondphasen, erklärt vom persischen Gelehrten al-Biruni. DasBild findet sich auch im Buch von Peter Frankopan

Aber zurück zu Mittelalter und Co: Auch wenn ich wusste, dass es “im Osten” wesentlich mehr Luxus und Annehmlichkeiten gegeben haben muss als bei unseren Vorfahren, fand ich es spannend, Peter Frankopans Ausführungen dazu zu folgen. Die große Angst vor den Hunnen und Mongolen – völlig unbegründet, sagt er, denn die hatten an diesem unterentwickelten Europa überhaupt kein Interesse. Es gab keine wertvollen Handelsgüter, die Menschen lebten unter vergleichsweise primitiven Bedingungen; da war nix zu holen. Tatsächlich hat sich das Bild der “unterentwickelten” Orientalen erst viel später ausgebildet – bis in die frühe Neuzeit war der Orient die Gegend mit den verfeinerten Lebensformen, die Quelle für Seide, Gewürze und andere Luxusartikel. Außerdem standen bis in die Zeit kurz vor der Renaissance im Westen Bildung und Künste im Osten in hohem Ansehen.

Peter Frankopan erzählt – er nutzt keine hochgestochene Wissenschaftssprache; klar, er ist ja auch Engländer. Gerade in späteren Teilen des Buches habe ich den Eindruck, dass auch mehr eigene Meinung, ja, politische Statements vorkommen. Ich entnehme diesen Teilen den Wunsch, die aktuelle Lage, die Beziehungen zwischen Ost und West erläutern zu wollen und vor Fallen zu warnen, die diese Beziehungen weiter gefährden können.

Für mich war, trotz der Enttäuschung über den zu kurz gekommenen Teil Mittelalter & Co., das Buch von Peter Frankopan lehrreich und durchaus auch unterhaltsam. Jedes der angerissenen Themen hätte sicher mehr Aufmerksamkeit verdient – eine Weltgeschichte, die noch lesbar sein will, kann das nicht leisten; schon so sind die knapp 750 Seiten plus Anhang (Anmerkungen und Literaturverzeichnis) nichts für mal eben zwischendurch. Insagesamt hätte ich eine größere Ausgewogenheit bei den Zeiträumen – konkret: weniger 19. und 20. Jahrhundert – begrüßt.

Peter Frankopan: Licht aus dem Osten. Eine neue Geschichte der Welt, übersetzt von Michael Bayer und Norbert Juraschitz, Rowohlt Verlag, Belin 2016, ISBN: 97838713448334

Ich hab das Buch aus der Stadtbibliothek Köln entliehen.

Tea with Jane Austen von Pen Vogler

Ist Ihnen mal aufgefallen, was in Jane Austens Büchern so auf den Tisch kommt? Ich hab bisher auch nicht so darauf geachtet – aber seit ich in dem Rezeptbuch von Pen Vogler gestöbert habe, bin ich da aufmerksamer geworden.

Schön finde ich den Satz aus einer Besprechung zu der anderen Rezeptsammlung, dass im Umgang mit Essen auch die sozialen Unterschiede und die Charaktere der Figuren deutlich werden, einfach durch ihr So-Sein. Erwähnt wird hier Mrs. Norris, die sich in ihrem Geiz  und in ihrer Selbstsucht ihr Augenmerk auf den Verbrauch von Nahrungsmitteln richtet (und ihre Schäflein ins Trockene, resp. die Gläser in ihren Vorrat bringt), statt auf die zwischemenschlichen Geschehnisse.

Glasse Art of Cookery 1758 Signature

Hannah Glasses Unterschrift auf dem ersten Kapitel ihres erfolgreichen Kochbuchs, das 1758 in 6. Auflage erschien – ein Klassiker.

Mir lag jetzt “nur” das Büchlein mit den Rezepten zum Tee vor; Pen Vogler hat aber auch “Dinner mit Mr. Darcy” verfasst, wo es um Hauptmahlzeiten geht. Das Prinzip ist bei beiden Büchern dasselbe: Pen Vogler siebt aus dem Text alle Hinweise auf Essen heraus und notiert die Rezepte. Dazu greift sie auf zeitgenössische Kochbücher zurück und modernisiert deren Anweisungen dann. Die Auswahl ihres Büchleins reicht von  “Bath Buns”  – so eine Art Milchbrötchen – über Ratafia Cakes – Mandelmakronen, die mit Amaretto gewürzt werden (im Original sind bittere Mandeln enthalten) – bis hin zu “Toasted Cheese”, der auch Anchovis enthält. Zu jedem Rezept gibt es Hinweise darauf, in welchen Situationen die genannten Sachen bei Jane Austen vorkommen.  Vor allem die Äußerungen von Mr. Woodhouse zitiert sie gern 😉 Im Vorwort gibt es die Erläuterungen zu den unteschiedlichen Mahl”zeiten”  – Tee gab es nach dem Dinner. Dinner gab es noch bei Tageslicht – zumindest in ländlichen Gebieten. Je vornehmer man war, desto später wurde diniert. Das hat einiges mit den Kosten für die kerzen zu tun … Nach dem Dinner trennte sich die Gesellschaft in Männer udn Frauen auf – die Männer tranken Portwein im Speieraum, die Damen zogen sich in den Salon zurück. Waren alle wieder beisammen – was von den Männern abhing -, wurde der Tee serviert.

Pen Vogler rekurriert auf Mrs. Rundell, Hannah Glasse und andere, deren Originalrezepte in kursiver Schrift eingefügt sind. Da bin ich dann für die Modernisierung dankbar, denn die Art, Rezepte zu notieren, hat sich sehr verändert.

Mrs Rundell Gravy to make Mutton eat like Venison

Ich könnte nach diesen Angaben nichts Gutes zubereiten …

Ich habs bisher noch nicht geschafft, etwas aus dem Buch nachzubacken, bin aber fest entschlossen – die Ratafia-Cakes klingen gut …

Pen Vogler: Tea with Jane Austen. Recipes inspired by her novels and letters, CICO Books, London, 2016, ISBN: 9781782493426

Die Besprechung gehört in meine Reihe “Beloved Jane” anlässlich des 200. Todestags von Jane Austen in diesem Jahr.

Thema 1914: Krieg nach dem Krieg von Anton Holzer

Als der Krieg zu Ende war, gab es – keinen Frieden. Das gilt wohl für die meisten Kriege. Auch für den ersten Weltkrieg, wie Anton Holzer in seiner Bild-Text-Sammlung noch mal deutlich macht.

Wie schon in dem Buch “Die letzten Tage der Menschheit” collagiert Anton Holzer historische Fotos mit Texten. In diesem Buch sind es nicht die Texte von Karl Kraus, sondern Tagebucheintragungen und andere eher private Äußerungen verschiedener Personen, u. a.:

  • Käthe Kollwitz
  • Kurt Tucholsky
  • Thea Sternheim
  • Harry Graf Kessler
  • Erich Mühsam

Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG

So sah es 1919 in München aus – alles andere als friedlich, auch wenn das hier eine Pose ist. Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG, CC BY-SA 3.0 DE

Auch wenn die Revolutionen gefühlt erst nach dem Krieg ausbrachen, die die Räterrepubliken nach Deutschland brachten – die Ursachen liegen schon in der Kriegszeit selbst, u. a. in der mangelhaften Versorgungslage sowohl an den Fronten als auch “zu Hause”. Deshalb umfasst der Zeitrahmen, den Anton Holzer absteckt bereits die Zeit ab Mai 1916 und geht dann bis 1925.

Anhand der Kapitelüberschriften wird das mit der Versorgung schon deutlich: Allein zwei Überschriften thematisieren den Hunger:

  • Erschöpfung und Hunger – Verbitterung über den Krieg
  • Hunger, Not und Verzewiflung – Der erste Winter nach dem Krieg

Es ist kein Buch zum Hintereinanderweglesen – es ist ein Buch zum Stöbern. Welcher Aspekt interessiert mich gerade? Dann schlag ich z. B. “Der erstickte Aufruhr” auf und sehe Bilder von 1919, die aussehen wie Krieg in der Stadt – Soldaten, Gewehre, Geschütze  – und lese die Erlebnisse von Harry Graf Kessler, Viktor Klemperer oder Käthe Kollwitz.

Jedem Abschnitt stellt Anton Holzer eine kurze Darstellung der Ereignisse voraus, so dass ich die Bemerkungen der Zeitgenossinnen “einordnen” kann (was sie nicht weniger erschreckend macht …). Sein Einführungsessay “Jahre der Gewalt” umfasst den gesamten Zeitraum. Einige der Zeitzeugenaussagen, die später den Bildern gegenübergestellt werden, zitiert er bereits hier. Hier findet er auch Platz, um Aussagen Einzelner zu kommentieren, z. B. den Satz von Ernst Troeltsch,

Das Ringen von fünf furchtbaren Jahren und, wenn man die Vorgeschichte hinzunimmt, eines Jahrhunderts, ist vorläufig und scheinbar zu Ende. (S. 19)

den Anton Holzer dahingehend interpretiert, dass die Unsicherheit mit dem gerade unterzeichneten Freidensvertrag nicht schwindet und die Demokratie, bis sie in Deutschland 1933 untergeht, vielfachen Angriffen ausgesetzt sein wird: Putschverscuhe und poltische Gewalt nennt er dabei.

Die Kombination von Bildern und persönlich gehaltenen Texten lässt, wie Anton Holzer es ja auch beabsichtigt ;-), das Geschehen dieser Jahre näher heranrücken, als es nackte Daten und Faktenaufzählungen können. Leider haben die Bilder eine beklemmende Aktualität – in anderen Regionen der Welt als in Deutschland, aber schließlich ist die Welt im Laufe der letzten 100 Jahre auch noch mal “kleiner” geworden.

Anton Holzer (Hrsg.): Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch 1918/19, Theiss Verlag, Darmstadt, 2017, ISBN: 9783806235609

Auch dieses Buch finden Sie in der Stadtbibliothek Köln.

Ratgeber à la Jane Austen

Zugegeben, diese Bücher gehören nicht zu meinen Favoriten. Aber im Laufe der Zeit, die ich mich mit “beloved Jane” befasst habe, habe ich so viele kuriose Titel zu Jane Austen gesehen, dass ein paar davon auch hier ihren Platz finden sollen.

Ein Date mit Mr. Darcy

Dass dieses Buch und ich nicht zusammen passen, liegt vielleicht an meiner Lebenssituation – wer die Silberhochzeit schon eine Weilche hinter sich hat, braucht keinen Datingratgeber mit dem Untertitel „Mit Jane Austen den Mann fürs Leben finden“. Hinzu kommt aber auch eine andere kulturelle Schwelle: Dieses Buch ist ein amerikanischer Dating-Ratgeber. Wie schon „Katie in Amerika“ feststellen konnte, gibt es da andere Regeln dies- und jenseits des großen Teiches. Eine andere Form der möglichen Lektüre ist es, das Buch als einen weiteren Zugang zu den Romanen von Jane Austen zu begreifen. Da Lauren Henderson als Beispiele für ihre Argumentation auf die Beziehungen in den Romanen zurückgreift, analysiert sie diese auch. Ich muss da nicht immer mit ihr übereinstimmen. Im Großen und Ganzen tut sie das amüsant. Wenn auch das Frauenbild der Laura Henderson in gewisser Hinsicht dem von Jane Austen entspricht – bescheiden, höflich, geduldig, nachgiebig –, finde ich es doch für unsere Zeit nicht angemessen. Viele der Tipps, mit deren Hilfe eine Beziehung stabiler gemacht werden kann, beziehen sich auf „Fehler“ der Frauen. Sorry, wo bleiben die der Männer? Ja, die gibt es schon, aber Laura Henderson empfiehlt: Geduld. Von Seiten der Frau, natürlich! Weiterlesen

Jane Austens Romane von Christian Grawe

Dieses Buch ist für mich eine Mischung aus Frank Schätzings “Nachrichten aus einem unbekannten Universum” und “Thomas Mann. Ein Porträt für seine Leser” von Hermann Kurzke. Zum einen kann Christian Grawe hier voll in seine große Wissenskiste rund um Jane Austen, ihre Zeit und englische Literatur greifen; das ist der Bezug zu Schätzings Buch. Das Ganze listet er dann in Stichworten alphabetisch sortiert auf – das ist der zu Kurzke, der ja Stichwörter benutzt, um das Werk Manns zu erschließen..

Ich habe ja nun immer mit Gewinn die ganzen Nachworte und Anmerkungen in den Reclam-Ausgaben der Jane-Austen-Romane von Christian Grawe gelesen. Also dachte ich, ich kenn’ das alles. Also, entweder habe ich Details vergessen (was nicht auszuschließen ist) oder Christian Grawe hat hier tatsächlich noch mal ein paar Informationen oben drauf gepackt. Weiterlesen

Besprechung von Buch und Ausstellung „Die Zisterzienser“

Ausstellung Die Zisterzienser Bonn

Gleich geht es los – mit eienr Führung durch die Ausstellung “Die Zisrterzienser” in Bonn

Einen Ausstellungskatalog, bzw. das „Begleitbuch zur Ausstellung“, zu besprechen, ohne die Ausstellung gesehen zu haben, ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. So habe ich mich also auf den Weg nach Bonn gemacht und mir die Ausstellung „Die Zisterzienser“ angeschaut. Sie lohnt sich wirklich.

Die Ausstellung “Die Zisterzeinser”

Neben einem kurzen – stummen – Film über die Ausbreitung der Zisterzienserklöster im Mittelalter besteht der Einstieg ins Thema aus einem Puzzle im Eingangsbereich: Eine Fensterrosette der Klosterkirche in Altenberg liegt auf dem Boden und gewährt Einblicke in die Steinmetzarbeiten des Mittelalters. Kleine Suche: Steinmetzzeichen finden, mit deren Hilfe die Arbeiter abrechnen konnten

In der ersten Etage heißt das Thema zum Einstieg „Kirche“. Dazu gehören in erster Linie die Ausstattungsgegenstände:

  • Vortragekreuz
  • Statuen
  • Reliquiengefäße
  • Altarbilder

Und vieles mehr. Die ursprüngliche Idee einer sehr schlichten Ausstattung war bereits nach knapp zwei Jahrhunderten Geschichte. Allerdings nicht ohne plausible Argumente. 😉 Da Maria ja die Himmelskönigin ist, ist eine Darstellung in moderner höfischer Kleidung geboten – so erklärt sich die Darstellung der schönen „Madonna auf der Mondsichel“ aus dem Kloster Eberbach, die um 1415 entstand.

Die “Klausur”

Der nächste Klosterbereich, der in der Ausstellung vermittelt wird, ist die „Klausur“  Und da bietet die Ausstellung dem Buch gegenüber tatsächlich einige Vorteile. Die Baugeschichte des Klosters Altenberg wird in einer Animation dargestellt. Im Buch fidnet sich dazu ein – natürlich ausführlicherer – Abschnitt Text mit Bebilderung. Was die Animation aber besonders ansprechend und hübsch macht, ist die Idee, die Fundstücke, die in der Animation farblich herausgestellt werden, mittels wandernder Lichter vom Bildschirm zu den Ausstellungsstelen hervorzuheben.

Während im Katalog vor allem die Ausstellungsgegenstände detailliert vorgestellt werden, gibt es in der Ausstellung selber Exponate, die im Buch nicht erwähnt werden, die aber das Klosterleben anschaulich machen. So ist in einer Nische ein Tisch gedeckt, auf dem das übliche Essen zu sehen ist: Getreide und Hülsenfrüchte, je nach Saison auch Obst und Gemüse. Zur Regel gehört: Kein Fett! Es war eine karge Kost und die Mönche erreichten nur selten ein Alter über 35 Jahre. Auch ein Bett, wie es im Dormitorium, dem Schlafsaal, gestanden haben mochte, ist zu sehen: ein Holzgestell mit einem Brett, darüber eine dünne, mit Stroh gefüllte Matratze. Geschlafen wurde im Habit – auch das ist ausgestellt -, denn schließlich war die Nachtruhe kurz. An der Wand wird der Tagesablauf der Mönche mit einem Kreisdiagramm dargestellt, unterschieden nach Sommer und Winter, Arbeitszeiten, Gebetszeiten, Ruhezeiten, Mahlzeiten – alles durchgetaktet und ziemlich gleichbleibend in der wenigen Ruhezeit, die ihnen gewährt wurde. Schlafmangel und Mangelernährung als Kennzeichen klösterlichen Lebens werden hier fühlbar.

Natürlich gibt es eine ganze Menge interessanter Gegenstände, die mithilfe der Schilder, des Begleitheftes oder eben auch des Begleitbuchs zur Ausstellung erkundet werden können.

Die Zisterzienserinnen

Ausstellung Die Zisterzienser Kreuzigungsrelief Frauengruppe Nonnen

Ausschnitt aus dem Kreuzigungsrelief – der Konvent

Eindrucksvoll ist auch die Darstellung der zisterziensischen Frauenklöster. Deren absolute und lebenslange Klausur wird durch ein Minimum an Privatsphäre, wie es eine Einzelzelle zu bieten hat, etwas gemildert (die Mönche schlliefen dagegen alle im Schalfsaal – das konnten schon mal mehr als 100 sein …). Auch ein wenig Privatbesitz war die Nonnen vergönnt – eine der dazu dienenden Truhen findet sich in der Ausstellung. Gerade der Gedanke der absoluten Klausur der Nonnen ließ mich mit Faszination auf das Kreuzigungsrelief von 1530 schauen – sehen Sie so wie ich die neugierigen Blicke einiger der Nonnen hinaus in die Welt?

Das “Skriptorium”

Besonders schön gemacht ist auch das „Skriptorium“; in einem nur gering beleuchteten Raum liegen die kostbaren Originale in den Vitrinen – Graduale, Evangelien und das korrektur-Buch – hierin wurden alle Änderungen der Regel notiert und bei der jährlichen Zusammenkunft musten die Abgeordneten nachschauen, ob in ihren Exemplaren Fehler enthalten oder sonstige Änderungen zu erledigen sind. Doch es besteht die Möglichkeit, sich die Buchkunst der Zisterzienser näher zu betrachten, denn im Nebenraum finden sich Faksimiles zum Blättern.

Das Begleitbuch zur Ausstellung bietet nicht nur die Beschreibungen der ausgestellten Kunstwerke und Alltagsgegenstände, sondern auch Berichte aus der aktuellen Forschung sowie Essays zu den Themen rings um das Phänomen der weißen Mönche. Auch sie sind mit Bildmaterial aus der Ausstellung illustriert. Insgesamt bieten diese wissenschaftlichen Texte zu den unterschiedlichsten Aspekten der Zisterzienser gute Einblicke.

Ausstellung Die Zisterzienser Faksimile

Eins der als Faksimile ausliegenden Bücher – was für Handschrifte!

Ausstellung die Zisterzeinser Faksimile, Graduale

Auch “Gesangbücher” werdenn gezeigt – ein Graduale

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der letzte Abschnitt des Buches ist den Klöstern gewidmet, aus denen die Ausstellungsgegenstände stammen. E sind kurze Porträts, die die Geschichten der einzelnen Abteien von der Gründung bis heute nachzeichnen.

Dieses Begleitbuch zur Ausstellung ist auf jeden Fall auch noch lange nach Ende der Ausstellung eine spannende Quelle für die, die sich für die Geschichte des Mönchtums, besonders der Zisterzienser, interessieren.

Die Zisterzienser, hrsg. vom LVR-LandesMuseum Bonn, Darmstadt, 2017, ISBN: 9783806234923

Die Ausstellung können Sie noch bis zum 28.1.2018 in Bonn besuchen. Auf der genannten Seite können Sie auch das Begleitheft und das Kinderheft zur Ausstellung als PDF herunterladen; beide sehr gelungen. Wenn Sie die Eintrittskarte online kaufen, haben Sie auch gleich einen Fahrausweis für den VRS.

Jane Austen von Holly Ivins

“Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt” ist der nette Untertitel des Buchs von Holly Ivins. Der Originaltitel des Büchleins ist bei weitem weniger zahm: “The Jane Austen Pocket Bible” – das wummst ganz anders.

Die ersten drei Abschnite befassen sich mit Janes Leben und der Gesellschaft mit ihren Regeln, die ihre Umwelt bildete. Dazu gehören dann z. B. Anmerkungen zum Rang von Persönlichkeiten – und da Jane Austen über die Gesellschaft schrieb, in der sie lebte und die sie kannte, gelten diese Regeln sowohl für Realität wie Fiktion: Weiterlesen

Jane Austen. 100 Seiten von Christian Grawe

Nun habe ich schon so vieles von Christian Grawe über Jane Austen gelesen – und da schafft er es doch mich noch mal zu überraschen 🙂 Klar, einige Fakten und auch die Nacherzählungen ändern sich inhaltlich nicht. Aber allein der Anfang – sehr persönlich, seine eigene erste Begegnung mit “Pride and Prejudice”. Die sofort aufkommende Begeisterung gerade für den berühmten Anfang vermittelt er in ein paar Absätzen – auch als alte Häsin in Sachen Jane Austen habe ich sie noch mal als so eine Art Augenöffner erlebt. Und schon so am Anfang: Erstaunlich, wie viele Informationen Christian Grawe auf so wenigen Seiten zusammenträgt.

Man kann es sich heute gar nicht vorstellen, wie unbekannt Jane Austen vor 50 Jahren in Deutschland war. Christian Grawe macht das an der Reaktion von Verlegern deutlich; einer meint, Chrstian Grawe wolle mit einer Biographie

einer noch lebenden jungen Autorin zu unverdientem frühen Ansehen verhelfen. (S. 5)

Ziel des Bändchens ist eine Einstiegshilfe in die Lektüre von Jane Austens Büchern. Deshalb gibt es eine kurze Inhaltsangabe zu allen Romanen und auch zu den Jugendwerken, mit ein paar besonders typischen Zitaten als Schmakerln garniert. Es fehlt auch nicht der kurze Abriss zum Leben und zur Gesellschaft vor 200 Jahren. Und zu guter Vorletzt geht Christian Grawe noch etwas ausführlicher auf das Besondere in Jane Austens Stil ein. Um die Leseeinladung perfekt zu machen, gibt es eine Liste zur empfohlenen Einstiegsdroge – äh, pardon, -lektüre.

CassandraAusten-JaneAusten(c.1810) hires lebenjunge Autorin à la Christian Grawe

Hier haben wir die “lebende junge Autorin” gezeichnet von ihrer Schwester Cassandra

Ach ja, und zu den Verfilmungen äußert er sich auch – für alle, die “das Buch zum Film” suchen 😉

Für mich ist klar – ich glaub, ich hatte es an anderer Stelle schon erwähnt: Ich muss mich noch mal an “Emma” machen. Und “Sense and Sensibility” noch mal lesen – Christian Grawe bezeichnet das Buch als Jane Austens bitterstes Werk …

Christian Grawe: Jane Austen. 100 Seiten, Reclam-Verlag, Stuttgart, 2016, ISBN: 9783150204177

Das Buch gibt’s auch in der Stadtbibliothek Köln.

Die Besprechung gehört in meine Reihe “Beloved Jane”, die ich anlässlich des 200. Todestags am 18.7.2017 in diesem jahr begonnen habe.

Oh ein Tier von Felix Bork

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgMan sollte doch die Angaben zu Umfang und Größe eines Buchs lesen – als mich das Paket mit dem Buch von Felix Bork erreichte, war ich erst mal baff: ein Monstrum! Okay, übertrieben, aber Größe und Gewicht von einem Museumskatalog mittlerer Größe hat das Werk schon.

Und wie siehts drinnen aus?

Bunt 🙂

Viele der illustrationen von Felix ork sind ebenso korrekt wie ein Foto - allerdings käme bei ihm der Rosenkäfe ohe das Blatt darunter daher. Foto: Heike Baller

Viele der Illustrationen von Felix Bork sind ebenso korrekt wie ein Foto – allerdings käme bei ihm der Rosenkäfe ohne das Blatt darunter daher. Foto: Heike Baller

Und durchaus informativ, auch wenn bei manchen der kindlich anmutenden Bilder was anderes zu erwarten wäre. Felix Bork stellt auf diese unkonventionelle Weise alle möglichen Tiere vor, die in unseren Breiten leben. Jedem Abschnitt ist ein offensichtlich von Hand bearbeiteter informativer Text vorangestellt – unverständliche Wörter werden ersetzt (teils mit den drastischen Ausdrücken der Alltagssprache 😉 : Abdomen = Arsch), es gibt Seitenangaben, um die entsprechenden Informationen im Buch zu finden und Verweise innerhalb des Textes, damit man nicht frustriert zu lesen aufhört. Weiterlesen

Urban Yoga von Amiena Zylla

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgAlso hier fühle ich mich absolut nicht als Zielgruppe – mittleren Alters und weder rank noch schlank, wie ich nun mal bin. Aber Amiena Zylla hat trotzdem 😉 ein gutes Anleitungsbuch für Yoga-Interessierte geschrieben, die sich von einem Yoga in Form von, wie sie etwas spöttelt “Sitzen im Rauchqualm von Räucherstäbchen, “Om” singen, indische Flatterklamotten und Wollsoscken” nicht angesprochenn fühlen. Hippe Namen kommen ins Spiel – Yoga-Menschen wie Madonna, Lady Gaga z. B.; was sie vermittelt ist hip und in und klamottentechnisch als andere als altbacken. Und die Fotos haben was – urbane Umgebung als Übungs”raum”. Es gibt aber auch immer die Option, das Ganze zu Hause zu machen (meine Option 😉 ) Weiterlesen