Jane Austen. 100 Seiten von Christian Grawe

Nun habe ich schon so vieles von Christian Grawe über Jane Austen gelesen – und da schafft er es doch mich noch mal zu überraschen 🙂 Klar, einige Fakten und auch die Nacherzählungen ändern sich inhaltlich nicht. Aber allein der Anfang – sehr persönlich, seine eigene erste Begegnung mit “Pride and Prejudice”. Die sofort aufkommende Begeisterung gerade für den berühmten Anfang vermittelt er in ein paar Absätzen – auch als alte Häsin in Sachen Jane Austen habe ich sie noch mal als so eine Art Augenöffner erlebt. Und schon so am Anfang: Erstaunlich, wie viele Informationen Christian Grawe auf so wenigen Seiten zusammenträgt.

Man kann es sich heute gar nicht vorstellen, wie unbekannt Jane Austen vor 50 Jahren in Deutschland war. Christian Grawe macht das an der Reaktion von Verlegern deutlich; einer meint, Chrstian Grawe wolle mit einer Biographie

einer noch lebenden jungen Autorin zu unverdientem frühen Ansehen verhelfen. (S. 5)

Ziel des Bändchens ist eine Einstiegshilfe in die Lektüre von Jane Austens Büchern. Deshalb gibt es eine kurze Inhaltsangabe zu allen Romanen und auch zu den Jugendwerken, mit ein paar besonders typischen Zitaten als Schmakerln garniert. Es fehlt auch nicht der kurze Abriss zum Leben und zur Gesellschaft vor 200 Jahren. Und zu guter Vorletzt geht Christian Grawe noch etwas ausführlicher auf das Besondere in Jane Austens Stil ein. Um die Leseeinladung perfekt zu machen, gibt es eine Liste zur empfohlenen Einstiegsdroge – äh, pardon, -lektüre.

CassandraAusten-JaneAusten(c.1810) hires lebenjunge Autorin à la Christian Grawe

Hier haben wir die “lebende junge Autorin” gezeichnet von ihrer Schwester Cassandra

Ach ja, und zu den Verfilmungen äußert er sich auch – für alle, die “das Buch zum Film” suchen 😉

Für mich ist klar – ich glaub, ich hatte es an anderer Stelle schon erwähnt: Ich muss mich noch mal an “Emma” machen. Und “Sense and Sensibility” noch mal lesen – Christian Grawe bezeichnet das Buch als Jane Austens bitterstes Werk …

Christian Grawe: Jane Austen. 100 Seiten, Reclam-Verlag, Stuttgart, 2016, ISBN: 9783150204177

Das Buch gibt’s auch in der Stadtbibliothek Köln.

Die Besprechung gehört in meine Reihe “Beloved Jane”, die ich anlässlich des 200. Todestags am 18.7.2017 in diesem jahr begonnen habe.

Oh ein Tier von Felix Bork

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgMan sollte doch die Angaben zu Umfang und Größe eines Buchs lesen – als mich das Paket mit dem Buch von Felix Bork erreichte, war ich erst mal baff: ein Monstrum! Okay, übertrieben, aber Größe und Gewicht von einem Museumskatalog mittlerer Größe hat das Werk schon.

Und wie siehts drinnen aus?

Bunt 🙂

Viele der illustrationen von Felix ork sind ebenso korrekt wie ein Foto - allerdings käme bei ihm der Rosenkäfe ohe das Blatt darunter daher. Foto: Heike Baller

Viele der Illustrationen von Felix Bork sind ebenso korrekt wie ein Foto – allerdings käme bei ihm der Rosenkäfe ohne das Blatt darunter daher. Foto: Heike Baller

Und durchaus informativ, auch wenn bei manchen der kindlich anmutenden Bilder was anderes zu erwarten wäre. Felix Bork stellt auf diese unkonventionelle Weise alle möglichen Tiere vor, die in unseren Breiten leben. Jedem Abschnitt ist ein offensichtlich von Hand bearbeiteter informativer Text vorangestellt – unverständliche Wörter werden ersetzt (teils mit den drastischen Ausdrücken der Alltagssprache 😉 : Abdomen = Arsch), es gibt Seitenangaben, um die entsprechenden Informationen im Buch zu finden und Verweise innerhalb des Textes, damit man nicht frustriert zu lesen aufhört. Weiterlesen

Urban Yoga von Amiena Zylla

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgAlso hier fühle ich mich absolut nicht als Zielgruppe – mittleren Alters und weder rank noch schlank, wie ich nun mal bin. Aber Amiena Zylla hat trotzdem 😉 ein gutes Anleitungsbuch für Yoga-Interessierte geschrieben, die sich von einem Yoga in Form von, wie sie etwas spöttelt “Sitzen im Rauchqualm von Räucherstäbchen, “Om” singen, indische Flatterklamotten und Wollsoscken” nicht angesprochenn fühlen. Hippe Namen kommen ins Spiel – Yoga-Menschen wie Madonna, Lady Gaga z. B.; was sie vermittelt ist hip und in und klamottentechnisch als andere als altbacken. Und die Fotos haben was – urbane Umgebung als Übungs”raum”. Es gibt aber auch immer die Option, das Ganze zu Hause zu machen (meine Option 😉 ) Weiterlesen

Geniale Störung von Steve Silberman

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgWieder so ein Aha-Erlebnis: Steve Silberman geht in seiner Geschichte zum Autismus auch auf die unterschiedlichen Therapieansätze im 20. Jahrhundert ein, darunter auch dem, das Kind festzuhalten, anzuschauen und ihm zu sagen, wie man sich fühlt – so eine Szene gibt es auch in “Erst grau, dann weiß, dann blau” von Margriet de Moor und sie hat mich ziemlich irritiert. Das tut die Therapievorstellung, die dahinter steht auch, aber Steve Silberman bettet die verschiedenen Therapieformen in die Geschichte rund um Entdeckung und Erforschung des Autismus ein. Weiterlesen

Diese wunderbare Bitterkeit von Christoph Peters

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgEingebettet in die eigenen Erfahrungen von Christoph Peters bekomme ich hier eine kurzweilige Kulturgeschichte des Tees in aller Welt und streckenweise einen ebenso unterhaltsamen Rückblick in meine Jugendzeit. Was musste ich bei den Schilderungen von Teesitten und -sorten grinsen, an die ich mich so gut erinnere. Ich sag nur: 80er Jahre, aromatissierte Tees, Teenetz …

Der schmale Band umfasst neun Kapitel und folgt dem beliebten Getränk durch die Welt: angefangen in der niederheinischen Heimat von Christoph Peters über Japan, den vorderen Orient, China, England und Ostfriesland. Immer ist das, was der Autor erlebt, der Aufhänger für seine kleinen Geschichten. Dabei nimmt er sich auch selber auf die Schippe, erzählt launig – ich bin im auf seiner Reise gern gefolgt. Und überlege, ob ich an meinen Teezubereitungsmethoden was ändern soll 😉 Denn das ist ein großes Thema: Wie wird Tee am besten zubereitet. Der großen Auswahl an Gefäßen – Kannen und Schalen -, die der Autor sein eigen nennt, werde ich aber nicht folgen.

Christoph Peters: Diese wunderbare Bitterkeit, Arche Verlag, Zürich, 2016, ISBN: 9783716027561

Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahren Protestanten in Köln von Klaus Schmidt

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgErschreckend, dass hier in Köln zu Zeiten der Reformation Menschen ihrer Überzeugung wegen hingerichtet wurden. Klaus Schmidt schildert in den ersten Abschnitten seines Buches diese eher dunkle Zeit des Protestantismus in Köln anhand kurzer, prägnanter Porträts. Dass es Protestanten in Köln schwer hatten, war mir natürlich schon bekannt; auch Mühlheim als protestantischer Nachbar war mir bekannt, doch dass in Frühzeiten der Reformation Erzbischöfe mit diesem Projekt liebäugelten, war mir unbekannt.

Klaus Schmidt legt in seinem rund 150 Seiten umfassenden Buch die Geschichte der Protestanten in Köln sowohl mit der Schilderung der allgemeinen Ereignisse, als auch mit der einzelner Persönlichkeiten dar. Sie bietet damit einen überschaubaren knapp umrissenen Überblick. Bei manchen der historischen Ereignisse, gerade in der Frühzeit, wird entweder ein grundlegendes Wissen oder die Bereitschaft, sich Kenntnisse anzulesen, vorausgesetzt. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr Dokumente liegen vor und desto breiter wird die Schilderung. Da finden die quasi zeitgleich auftretenden Laura Oelbermann und Carl Jatho ebenso Raum, wie die kolonialen Bestrebungen des Kaiserreichs. Und natürlich ist auch die Haltung der evangelischen Kirche in der Nazi-Zeit Thema: Verhältnismäßig breiten Raum nehmen Kritikerinnen wie Georg Fritze und Ina Gschlössl ein; aber auch die willfährigen Helfer stellte Klaus Schmidt vor – beesonders tragisch im Fall des Theologen Ernst Flatow, der als konvertierter Jude durch den Stadtobermedizinalrat Carl Coerper nicht nur aus seinem Amt entfernt, sondern dessen Aufenthaltsort offiziell bekannt gegeben wurde – Ernst Flatow starb im Warschauer Ghetto.

Da Klaus Schmidt, inzwischen fast 81-jährig, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur Beobachter, sondern auch Akteur war – besonders im Rahmen der Politischen Nachtgebete mit Dorothee Sölle -, ist verständlich, dass die kirchliche Aufbruchsituation dieser Zeit – und bis heute –  breiten Raum einnimmt. So entsteht besonders gegen Ende des Buches ein breites Panorama kirchlichen Engagements, das durchaus eine persönliche Note trägt.

Adolf Clarenbach war der bekannteste der "Blutzeugen" der Reformation - 1529 wurde er mit Peter Fliestden zusammen verbrannt. Das bild stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon

Adolf Clarenbach war der bekannteste der “Blutzeugen” der Reformationin Köln  – 1529 wurde er mit Peter Fliestden zusammen verbrannt. Das Bild stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon

Insgesamt schreibt Klaus Schmidt einen angenehm lesbaren, teilweise lockeren Stil. Die Darstellungsweise erinnert an ein Mosaik, denn das Buch besteht im Großen und Ganzen aus den kurzen Schilderungen einzelner Gestalten und Ereignisse.

Ein gründlicheres Lektorat hatte diesem Band aus der Reihe „Kirchengeschichte regional“ jedoch gut getan um beispielsweise Uneinheitlichkeiten in den Zeitformen entgegenzuwirken oder die Textdoublette von S. 27 und 33 zu vermeiden. Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine kompakte und informative Zusammenstellung der Geschichte der Protestanten in Köln. Ein Jahr vor dem Reformationsjubiläum eine interessante Neuerscheinung.

Klaus Schmidt: Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahren Protestanten in Köln von Klaus Schmidt, in: Reiner Albert und Reiner Bendel (Hg): Kirchengeschichte regional, Band 6, Lit Verlag, Berlin, 2016. ISBN: 9783643133618

Wie der Dom nach Köln kam von Barbara Schock-Werner, Christoph Baum und Johannes Schröer

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgEin richtig gutes Team, bestehend aus Barbara Schock-Werner und Johannes Schröer für den Text und Christoph Baum für die Illustrationen, hat ein Buch zum Kölner Dom gemacht, das “für alle” geeignet sein soll – für Junge und Alte, für Imis und Kölsche, und das den Dom in der Stadt thematisieren soll. Dieser Anspruch, den Dom in der Stadt zu inszenieren, war der Grund, dass Christoph Baum bei der Buchpräsentation einen Entschuldigungsbrief an den Dom verlas – er musste auf die Türme in seiner Darstellung verzichten, weil sie ein Format verlangt hätten, das in kein Regal mehr passt. Aber schließlich sollte auch das Drumherum des Doms mit ins Bild.

So ist es logisch, dass ein Buch über den Dom ohne den Dom beginnt – die erste der 14 Doppelseiten mit den großformatigen, kleinteiligen Bildern schildert den Bau der römischen Stadtmauer unter Kaiser Domitian. Die auf die Bilder folgenden Doppelseiten bringen im Text die Erklärungen – das veranlasst zum Zurückblättern, um die genannten Einzelheiten im Bild zu suchen (und dann noch andere zu finden). Von der römischen Stadtmauer geht es über die Blütezeit des römischen Köln direkt zu Erzbischof Anno und seiner Flucht und dann zum ersten Bauabschnitt.

Heutzutage hängt dieser Arbeitsplatz im Dachstuhl - früher schwebte man damit draußen an der Fassade ...

Heutzutage hängt dieser Arbeitsplatz im Dachstuhl – früher schwebte man damit draußen an der Fassade …

Hier ist der Freisitz aus dem Buch

Hier ist der Freisitz aus dem Buch

Die Texte auf den Erklärseiten sind leicht verständlich geschrieben, so dass das Buch dazu einlädt, es zusammen mit Kindern anzuschauen (die sehen noch viel mehr witzige Szenen und Figuren) – Barbara Schock-Werner wies darauf hin, dass das Format genau dazu passt, es über zwei Paar Beine zu legen 😉  Die Geschichte des Doms in Köln und die Geschichte Kölns wird bis heute geschildert – da der Dom jedoch die Hauptrolle spielt, sind viele, viele Jahre nicht berücksichtigt, denn die Baustelle ruhte über mehrere Jahrhunderte. So springt die Geschichte von 1300 bis 1700 und von dort direkt nach 1860. Die Frequenz der Darstellung im 20. Jahrhundert ist da sehr viel dichter: die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die Zeit zwischen den beiden Kriegen, das zerbombte Köln, die Jahre des Aufbaus, Papstbesuch 1980 und der bislang letzte Umbau der Domumgebung sind die Themen.

Ein einladendes Buch, um sich mit dem Dom und seiner Stadt zu beschäftigen. Neben der großformatigen Hardcoverausgabe, gibt es auch eine broschierte Ausgabe – die ist für Mitglieder (auch werdende …) des Zentral-Dombau-Vereins: Wer bis zum Jahresende Mitglied wird, erhält ein solches Exemplar. Ziel des Dombau-Vereins ist, im Jubiläumsjahr 2017 – der Verein wird 175 Jahre alt  – 17.500 Mitglieder zu haben.

Christoph Baum (Illustration), Barbara Schock-Werner, Johannes Schröer (Text): Wie der Dom nach Köln kam, herausgegeben vom Zentral-Dombau-Verein zu Köln von 1842, Greven Verlag, Köln, 2016, ISBN: 978-3-7743-0673-8

in dem Kasten (unterer Kreis) ging es zu einer Plankenbrücke (oberer Kreis), die dann in den Dachstuhl führt

in dem Kasten (unterer Kreis) ging es zu einer Plankenbrücke (oberer Kreis), die dann in den Dachstuhl führt

Und es soll keiner sagen, ich gäbe für dieses Blog nicht alles: Für die Vorstellung dieses Werks über den Kölner Dom hab ich mich in luftige Höhen begeben – sie fand im Dachstuhl des Doms statt. Und ich hab Höhenangst …

72 Tage von Thankmar von Münchhausen

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgWas genau geschah 1871 bei der Pariser Kommune? Thankmar von Münchhausen ist dem Geschehen minutiös nachgegangen. Er beginnt nicht erst mit den ersten Barrikaden, sondern holt aus, um die historische Gemengelage – politisch und sozial – in Paris darzustellen, denn hier liegen die Ursachen für den blutigen Bürgerkrieg in und um Paris.

„Die Pariser Kommune 1871 – die erste >Diktatur des Proletariats<“ lautet der Untertitel des umfangreichen Werks – aber um die Ereignisse dieser 72 Tage zu verstehen, ist es nötig, die Situation der Stadt am Vorabend des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 darzulegen. Dazu gehört die Situation der Arbeiter und Arbeitslosen – die große Masse derer, die von der Hand in den Mund leben und beispielsweise durch die Baumaßnahmen des Barons Haussmann ihre angestammten Wohnungen verloren. Thankmar von Münchhausen nutzt Zeitungsartikel und Polizeiprotokolle, um die angespannte Stimmung in der Stadt deutlich zu machen. Überhaupt ist die umfangreiche Arbeit mit Quellenmaterial ein Kennzeichen dieses Buches. So komme ich als Leserin nah an das Geschehen heran, fühle mich aber gelegentlich im Lesefluss etwas gehindert, weil ich viele Namen, Daten und auch Ausdrucksformen „verarbeiten“ muss.

Commune de paris prisonniers à l'orangerie de Versailles

Willkürliche Gefangennahmen von verschiedenen Akteuren und Gruppen waren an der Tagesordnung

Thankmar von Münchhausen bietet einen detaillierten Einblick in ein Geschehen, das in meiner Wahrnehmung immer nur ein Schattendasein führte. Die Einbindung in das Geschehen rund um die zweite Republik, die Herrschaft Napoleons III, den deutsch-französischen Krieg, die beginnende Industrialisierung und die daraus resultierenden sozialen Umbrüche macht deutlich, dass diese Episode eine größere Aufmerksamkeit verdient, als ihr gemeinhin zuteil wird. Ein gut lesbares Buch, detailfreudig, schlüssig und gut erzählt.

Thankmar von Münchhausen: 72 Tage. Die Pariser Kommune 1871 – die erste „Diktatur des Proletariats“, Deutsche Verlagsanstalt, München, 2015, ISBN:9783421044402

Linksammlung

In der Stadtbibliothek Köln gibt es den Titel als Print- und als E-Book-Exemplar:

Heftromane schreiben und veröffentlichen von Anna Basener

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgNa, das war ja ein Spaß! Als Teeny in einer bayrischen Pension habe ich – aus Not, da alle Bücher schon ausgelesen waren – meine erste, bisher einzige und intensive Bekanntschaft mit Heftromanen gemacht – was anderes war nicht zu bekommen. Den  Titel des Buchs von Anna Basener fand ich interessant und habe mich reingeschmissen.

Was ich bekam, war erst mal eine Regelpoetik: So funktioniert ein Heftroman, Kategorie Liebe (also Arzt-, Heimat- und Fürstenroman):

  • A und B lernen sich kennen und verlieben sich
  • Es gibt ein Problem C
  • D hilft, das Problem zu überwinden
  • A und B kommen endgültig zusammen

Das Ganze dann bitte in rund 160000 Zeichen, beziehungsweise 90 Normseiten, chronologisch erzählt, immer mal wieder die Perspektive wechselnd, insgesamt in 20 bis 30 Abschnitte unterteilt und dann noch bitte beachten, dass gravierende Probleme in der heilen Welt nichts zu suchen haben.

Also im Grunde genau das, was man erwartet, wenn man “Heftroman” hört..

Anna Basener, die sich ihr Studium selbst mit Heftromanschreiben verdiente, beschränkt sich aber nicht darauf, solche theoretischen Schreibregeln auszustellen,, sondern wird in ihren Tipps sehr konkret:
So empfiehlt sie dringend, ein “Treatment” zu erstellen, in dem  – wesentlich kleinteiliger als im Exposé – die Handlung für jeden Abschnitt festgelegt wird und bringt ein Beispiel aus ihrem eigenen Wirken gleich mit rein: Am Ende des Buches finden sich Exposé, Treatment und ein Probekapitel aus einem ihrer Romane, den man sich dann auch gleich mit einem anderen ihrer Romane als PDF runterladen kann. Denn schließlich ist für eine Heftromanautorin nichts wichtiger, als das Genre zu kennen 😉

Das Buch ist sehr praxisorientiert; es gibt Tipps für die Präsentation als neue Autorin bei einem Verlag und auch Zahlen zu Honoraren – da das Buch schon ein paar Jahre alt, können die wohl nur als Hausnummer dienen.

San Martin de Tor - Seres

Bergidylle pur – für den Heftroman gehören aber Bilder von jungen schönen Menschen in Tracht mit aufs Bild Noclador, San Martin de Tor – Seres, CC BY-SA 3.0

So weit, so unterhaltsam.

Kritische Punkte

Leider sind mir an dem Buch sehr viele Fehler aufgefallen, die die Lesbarkeit nicht erleichtern – “sie” und “Sie” mit allen Verwandten wirbeln regellos durcheinander. Anna Basener schreibt auch den Ratgeber nach dem Motto “Wiederholung festigt” – ein paar Schleifen weniger hätten dem Buch gut getan. Ich weiß nicht, wie es mit dem Lektorat im Autorenhaus-Verlag aussieht – da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Und die Romane selber?

Ja, ich habe nicht nur die beiden von Anna Basener zur Verfügung gestellten Romane gelesen,, sondern mir selber auch welche gekauft – und dabei festgestellt, dass die Fehler in ihrem Ratgeberbuch denen entsprechen, die ich in den Romanen finden kann: jede Menge fehlende Kongruenz, sowohl grammatikalisch als auch inhaltlich, “sie” und “Sie” immer wieder mal falsch angewendet,dazu Rechtschreibfehler (“Stil” statt “Stiel”, wenn es um eine Blume geht …). Dazu dann eine wirklich einfache Sprache. Das muss man erst mal können (und das mein ich nicht ironisch! Einfach zu schreiben, ist nicht einfach! Oder haben Sie schon mal versucht, fast ohne Fremdwörter auszukommen? Nur maximal zweiteilige Sätze zu nutzen? Na eben.) Meine Lieblingslektüre werden solche Romänchen also auch mit fast 40 Jahren Abstand nicht. Aber Anna Basener hat mir eine Ahnung davon verschafft, was es braucht, um so was zu verfassen und das find ich interessant.

Anna Basener: Heftromane schreiben und veröffentlichen, Autorenhaus Verlag, Berlin, , ISBN:  9783866710740

PS: Ach ja, eine Sache, die mich persönlich immer wieder ärgert: In dem Zusammenhang werden gern E. Marlitt und H. Courths-Mahler in einen Topf geworfen – Anna Basener macht das auch an einer Stelle. Für mich sind die beiden Autorinnen nicht vergleichbar. Soll ich mal in einem eigenen Artikel darlegen, warum? Antworten gern in den Kommentar.

PPS: Übrigens spannend, was Anna Basener sonst so zu Heirat meint … (Ich habe übrigens nicht nur meinen Namen behalten, sondern ihn auch an meine Kinder weitergegeben 😉 )

Nachklapp vom31.7.: Wer das Buch in Köln entleihen will, kann dies bei der Stadtbibliothek tun: Signatur HCM Basener

Blutiges Zeitalter von Lauro Martines

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgDamit man nicht ins Rätseln verfällt, welche Epoche Lauro Martines meint, .erscheint im Untertitel die Zeitspanne 1450-1700. „Europa im Krieg“ lautet dieser Untertitel. Gestatten Sie mir bitte eine Frage: Wissen Sie welche Kriege in diesen zweieinhalb Jahrhunderten stattfanden, möglichst noch in ganz Europa? Ich jedenfalls weiß das nicht.

Lauro Martines rückt dem Thema Krieg von verschiedenen Seiten zu Leibe. Schon im Vorwort wird deutlich, dass nicht die großen Schlachten und deren Schlachtenlenker im Zentrum stehen, sondern die Umstände und Entwicklungen, unter denen Kriege stattfanden. So war mir nicht bewusst, wie verbreitet fehlende Soldzahlungen waren – und welche Auswirkungen sie hatten. Wirtschaftliche, steuerrechtliche und andere Faktoren beeinflussten nicht nur das Kriegsgeschehen an sich, sondern waren auch maßgeblich bei der weiteren Entwicklungen von Staaten. Weiterlesen