Falsches Zeugnis von Birgit Ebbert

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgBirgit Ebbert hat ihre Karina Bessling mal wieder auf eine Spur gesetzt; der Erfolg ihres Buches – also das von Karina 😉 – über die Postkarten ihrer Tante Katharina hat der jungen Bauingeneurin nicht nur Lesungstermine, sondern auch Anfragen anderer Art gebracht, z. B. die Mitgliedschaft in einer Jury.

Aber der Reihe nach. Birgit Ebbert beginnt nämlich nicht mit Karina, sondern mit der Innensicht einer Person, die gleich auf den ersten Seite ein äußerst gesetzwidriges Verhalten an den Tag legt. Das Thema: Briefe, die von Anne Frank stammen könnten und zwar aus der Zeit nach ihrer Verhaftung und Deportation. Also genau die Zeit und der Themenkomplex, in denen sich Birgit Ebbert bestens auskennt. Diese – fiktiven! – Briefe schieben sich immer wieder zwischen die beiden zeitgenössischen Handlungsstränge, den von Karina und den der lange namenlos agierenden anderen Person. Weiterlesen

Madame Merckx trinkt keinen Wein von Lisa Graf-Riemann

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgWas für eine schöne Gegend – das Languedoc. Und Lisa Graf-Riemann beschreibt es so, dass man sofort dorthin will. Dabei ist es gar kein Reiseführer, sondern ein Krimi, und zwar ein  Südfrankreichkrimi, so stehts unter dem Titel ;-).

Gleich zu Anfang bekommt man eine Kostprobe von ländlicher Frömmigkeit – Isa wandert zur Kapelle von Saint Martin des œufs und erlebt mit, wie die Küsterin Mado mit dem Heiligen verhandelt: Sie will als Mitglied eines Reiseclubs im Oktober verreisen, doch ihr Mann Jean ist der Meinung, dass das nur rausgeschmissenes Geld sei. Ob Staint Martin da nicht was deichseln könne?

Nächstes Kapitel, nächster Schauplatz: Jean ist mit Laurent auf Mufflon-Jagd. Am Ende muss er Laurent den ganzen beschwerlichen Weg ins verlassene Dorf tranportieren und dann noch die Ambulanz rufen, denn Laurent hat sich selber in die Schulter geschossen. Jean ist stinkesauer und verkrümelt sich in sein Refugium, eine alte Hütte auf seinem ehemaligen Weinberg. Dort hängt er seinen Gedanken nach, übernachtet dort, wärmt sich früh am nächsten Tag mit einem Schnäpschen auf und macht sich auf den Heimweg. Weiterlesen

Historische Krimis aus dem Gmeiner Verlag

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgBereits drei Krimis aus dem Gmeiner Verlag habe ich hier vorgestellt:

Die beiden ersten sind historische Krimis, der dritte nicht. Der Gmeiner Verlag hat sich auf Spannungsromane, wie es auf der Website heißt, aus dem deutschsprachigen Raum spezialisiert. Hier erscheinen also viele Krimis und sie spielen alle in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Zeitspanne reicht von heute bis ins Mittelalter. Für mich waren besonders die Titel interessant, die zu meinem “Thema 1914” passten – der Verlag hat da eine große Anzahl Bücher im Programm. Mondjahre gehört auch in diese Serie meines Blogs. Ich interessiere mich aber auch für weitere historische Themen und habe folgenden Bücher des Verlags gelesen: Weiterlesen

Thema 1914: Der eiserne Sommer von Angelika Felenda

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x150.jpgMünchen im Sommer 1914 – Angelika Felenda schickt Kommissär Sebastian Reitmeyer in einen komplizierten Fall, seinen ersten, wie der Untertitel verrät.

Fast wäre er Jurist geworden; nun arbeitet er bei der Kriminalpolizei und muss sich mit einer Leiche befassen. Als Leserin habe ich im Gegensatz zu Reitmeyer schon zuvor ein paar Impressionen serviert bekommen: Tagebucheintragungen und die Erlebnisse des Mannes, der ihn später als Leiche beschäftigen wird.

Der Kommissär arbeitet mit unterschiedlichen Kollegen zusammen: dem loyalen Steiger, dem von Sherlock Holmes inspirierten Polizeischüler Korbinian Rattler und dem brummigen Wachtmeister Brunner. Außedem sind da noch ein paar Vorgesetzte. Das mit den Vorgesetzten ist erwartungsgemäß die größte Schwierigkeit für einen selbständig denkenden Mann. Noch dazu im München von 1914. Noch dazu, wenn Militär in dem Fall eine Rolle spielt. Da dürfen die Polizisten nämlich rein gar nichts – wehe, ein schlechtes Licht fällt aufs Militär. Gerade in dieser Zeit. Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo wird immer wieder von Krieg gesprochen. Also gilt die Unantastbarkeit militärischer Personen in verschärfter Form.

Charles Vetter Blick auf den Marienplatz in München 1912

Autos und Pferdekutschen auf dem Marienplatz 1912 – dieses Gemälde von K. Vetter zeigt München als eine mdoerne Großstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Aber auch ein Privatleben hat der Kommissär: Er lebt seit dem Tod seiner Eltern mit seiner Tante zusammen, die ihn gern gut verheiratet wissen will – Hildegard heißt ihre für ihn Auserwählte.

Alte Freunde tauchen wieder auf: der Jurist Dr. Sepp Leitner, die Ärztin Dr. Caroline von Dohmbach und ihre Brüder Lukas und Franz.

Auf diesem Tableau hat Angelika Felenda nun ein Stück inszeniert, in dem es um Gier und Angst und um insgesamt rund ein halbes Dutzend Leichen geht.  Ich will jetzt inhaltlich nicht zu viel verraten. Angelika Felenda lässt anhand des Krimigeschehens die Zeit im Sommer 1914 lebendig werden: Da gab es das Attentat und dann hat sich für die Bevölkerung erst einmal längere Zeit nichts getan, es gibt Diskussionen über einen dritten Balkankrieg, es gibt Versammlungen nationalistischer Verbände; Reitmeyer bekommt verschiedene Positionen mit, aber eine tragende Rollte spielt der drohende Krieg erst einmal nicht. Das ändert sich im Laufe der Ermittlungen schlagartig und Reitmeyer sieht sich auf einmal in einer sehr gefährlichen Situation.  Das Zusammenspiel verschiedener Mächte und Kräfte mit dem Militär ist – schon damals – hoch brisant. Da kollidieren die poitisch motivierten Vorgaben der Vorgesetzten mit dem Drang nach Aufklärung.

Es ist ein handwerklich gut gearbeiteter Kriminalroman mit Zeitkolorit – ich bin gespannt, wie es mit Sebstian Reitmeyer und seinen Gefährten und Gefährtinnen weitergeht; schon vor oder erst nach 1918?

Angelika Felenda: Der eiserne Sommer, Suhrkamp Verlag, Berlin 2014, ISBN: 9783518465424

Thema 1914: Mondjahre von Eva-Maria Bast

Zemanta Related Posts ThumbnailFrüher Sommer 1914 am Bodensee – Sophie lernt in Friedrichshafen Pierre, einen französischen Journalisten, kennen. Die folgenden Ereignisse  – Attentat in Sarajewo, Juli-Krise, Kriegsausbruch – verhindern die Hochzeit, denn Pierre hat nun als Feind zu gelten und verlässt Deutschland. Der heimliche Verlobte von Johanna, Sophies Nichte, muss genau wie andere junge Männer in den Krieg ziehen; Johanna sitzt mit ihrer Mutter Helene und ihrer Tante Sophie bei deren Eltern in Überlingen – der Vater hat sie aus Sicherheitsgründen dorthin geschickt.

Später taucht noch Luise auf, eine junge Frau aus Ostpreußen, die im Krieg ihre Eltern und Großmutter verloren hat – Siegfried, der Bruder von Helene und Sophie hat sie zu seinen Eltern geschickt. Weiterlesen

Hendlmord von Ida Ding

Ob ich mich mit Muck Halbritter unterhalten könnte, weiß ich ja nicht – so lange denkt er rp_Bild-Krimis-300x2681-150x150.jpgdarüber nach, wie er sich für Hochdeutsch anstrengen muss. Ich hingegen verstehte kein Bayrisch  – also jedenfalls nicht die Hardcorevariante, die ich dem Helden von Ida Ding so zutraue. Gut, dass sie die Geschichte erzählt – ein Glossar gibt’s außerdem. Weiterlesen

Süß ist der Tod von Emma Conrad

Carlotta bonbon

Mit einer Praline kam der Tod in die Kanzlei …

Die Journalistin Constanze Freitag interviewt für eine neue Reihe in der Morgenpost den Steuerberater Dietmar Molitor. Kurz nachdem sie das Zimmer verlasssen hat, findet ihn eine Kanzleimitarbeiterin tot auf – vergiftet mit einer belgischen Praline aus der Fülle seiner Gebrtsagsgeschenke. So gerät die Journalistin in eine Morduntersuchung, denn mit nach Hause gehen und schreiben ist es erst mal vorbei. Chefredakteur Mike Schmitz wittert eine große Story und beauftragt sie, an der Sache dran zu bleiben – nicht journalistisch sondern quasi als Detektivin. Kurz darauf kommt derselbe Auftrag von der Witwe des Opfers – jetzt muss Constanze wirklich ran. Ihr Mann, als Archäologe in der Wüste unterwegs, meldet per E-Mail sein Unbehagen. Tante Doro Jungbluth, die im selben Haus wohnt, meldet ebenfalls Interesse an der Geschichte an. Der als völlig unsympathisch geschilderte Sohn des Ehepaars Molitor betraut Constanze am Ende auch noch mit der Aufklärung. Chaos perfekt? Zemanta Related Posts Thumbnail

Constanze hat also zu tun – und bekommt zudem noch unerwartet und erfreulicherweise neue Kolumnenaufträge für Zeitschriften; über Langeweile kann sie nicht klagen. Weiterlesen

Viviane Élisabeth Fauville von Julia Deck

Irritierend setzt die Erzählung ein – es scheint, als spräche Julia Deck ihre Leserinnen an. Doch die sind nicht gemeint. Es geht um Viviane, die ihren zweiten Vornamen nur Bild zu Unterhaltung von Christian Ballergelegentlich einsetzt. Viviane erzählt – sich selber schildernd, dabei mit den unterschiedlichen Personalpronomen jonglierend. Kurz vor ihrem Zusammenbruch liest sich das so:

Vergeblich versuchen Sie, sich zu konzentrieren, so tief wie möglich einzuatmen, die Luft gelangt nicht mehr in Ihre Lunge. Sie strömt nur dumm zurück und weigert sich, eingeatmet zu werden. Sie wenden Ihre ganze Energie auf, um den Sauerstoff zu zwingen, den Weg Ihrer Luftröhre einzuschlagen, aber er weigert sich standhaft, und Sie erinnern sich nicht, je etwas Unangenehmeres erlebt zu haben.

Ist es nun ein Krimi oder eine psychologische Studie? Es ist doch klar, dass Viviane die Mörderin ist – oder? Weiterlesen

Agatha Raisin und der tote Richter von M. C. Beaton

Klingt juritistischer als es ist, denn der Richter hier beurteilt die Erzeugnisse, die bei ländlichen Dorfwettbewerben eingereicht werden – in diesem Fall eine für ihn tödliche Quiche. Die von Agatha Raisin eingereicht wurde.

Agatha Raisin ist keine sympathsiche Frau, nein, wirklich nicht. Sie hat sich in London als Werbeagenturbetreiberin bis ganz oben durchgeboxt. Immer busy, immer auf der Suche nach dem besten Coup und immer bereit, alle auszubooten oder auszunutzen, die irgendwie ins Bild kommen. Nun geht sie langsam auf die 60 zu und erfüllt sich einen Traum: ein Cottage in einem hübschen Dorf in den Cotswolds. Gekauft ist es, eingerichtet wird es und nach ihrem letzten Arbeitstag zieht Agatha ein. Doch irgendwie läuft die Sache nicht wie gedacht. Die Dorfbevölkerung ist höflich, aber distanziert – Kontakte fallen Agatha nicht einfach in den Schoß. Um das zu ändern, nimmt sie am Dorfbackwettbewerb teil. Da sie aber nicht backen kann …  Weiterlesen

Der dritte Mann von Graham Greene

Filmliebhaberinnen unter Ihnen kennen sicher den Film „Der dritte Man“, der auch heute noch gern in Programmkinos oder spätabends im Fernsehen gezeigt wird. Ich bin cineastisch eher ignorant. Dafür aber hab ich jetzt das Buch zum Film gelesen …

Im Vorwort erläutert Graham Greene quasi das Making Of des Films. Weiterlesen