The Late Scholar von Jill Paton Walsh

Erst jetzt bin ich dazu gekommen, die zweite eigenständige Fortsetzung der Peter-und Harriet-Wimsey-Geschichten von Jill Paton Walsh zu lesen. Das Buch ist bereits 2013 erschienen und genau wie das über die Attenbury-Smaragde nicht auf Deutsch. Schade.

Jill Paton Walsh lässt Harriet und Peter nach Oxford zurückkehren. Peter hat, ohne vorher davon zu wissen, mit dem Titel des Herzogs von seinem Bruder Gerald auch das Ehrenamt des „Visitors“ am St. Severin’s College geerbt. Davon erfährt er in einem Brief, in dem er gebeten wird, das College aufzusuchen. Die Bitte wird dringlicher noch von zwei Personen vorgetragen, die ihn persönlich aufsuchen. Unabhängig voneinander tauchen zwei Mitglieder des Kollegiums auf, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Das College steckt tief in den roten Zahlen. Nun wurde ihm von anonymer Seite ein Stück Land am Rande der Stadt angeboten. Es zu erwerben, ist kein Geld da. Es zu haben, hieße für die Zukunft große Chancen zu erlangen, denn Oxford expandiert. Damit wäre die finazielle Zukunft des Colleges gesichert. Nun steht die Überlegung im Raum, ein mittelalterliches Manuskript zu verkaufen. Es handelt sich um eine Ausgabe eines Textes von Boethius De consolatione philosophiae – mit einem interlinear gesetzten Glossar in Anglo-Sächsisch.

Jill Paton Walsh The Late Scholar Boethius Inkunabel

Eine Inkunabel – also ein Erstdruck – des genannten Werks von Boethius mit handgemalten Illustrationen.

König Alfred war der Herrscher, der im 9. Jahrhundert diesen Text seinen Untertanen empfahl. Er hat selbst an der Übersetzung mitgewirkt. Es gab zu seiner Zeit eine große Anzahl von Kopien dieses Textes. Das Exemplar des Colleges ist beschädigt, es gibt aber Theorien darüber, dass es trotzdem von Wert ein könnte – es gehört aufgrund seines Alters in die Regierungszeit Alfreds und es wird spekuliert, dass er es selbst benutzt haben könnte.

Noch während der erste von Peters Besuchern in Denver ist, gibt es die Meldung eines Todesfalls aus dem College. Für den Dozenten ist damit Peters Kommen obsolet. Der zweite Dozent, der später auf den Plan tritt, ist über den Tod des Kollegen in Oxford deutlich erschütterter als sein bereits abgereister Kollege. Im Kollegium des Colleges gibt es zwei streng geschiedene Fraktionen für und gegen den Verkauf des Manuskripts. Zwischen ihnen steht es unentschieden. Der Rektor, dessen Stimme entscheidend sein könnte, ist seit Monaten verschwunden. Das ist so irregulär, dass Peter und Harriet beschließen, dem Ruf zu folgen. Peter macht sich erst einmal alleine auf den Weg, Harriet folgt später nach.

Neben den Todesfällen – es bleibt nicht bei dem einen – kommen noch zwei weitere Anschläge zur Sprache, die nicht „erfolgreich“ verliefen. Allen Anschlägen ist eines gemeinsam: Sie entsprechen in ihren Methoden alten Fällen von Peter, die Harriet in ihren Büchern verwendet hat. So müssen sich die beiden auch wieder mit hrer gemeinsamen Vergangenheit auseinandersetzen.

Jill Paton Walsh schafft  auf diese Weise eine Ebene, in der ich als Leserin weiß, dass ich die Fälle durch die Romane von Dorothy L. Sayers kenne – die Figuren im Buch aber kennen sie durch Miterlebthaben oder durch die Romane von Harriet. Ein nettes Spiel mit Fiktionsebenen.

The Eagle and Child Pub in Oxford Handlungsort bei Jill Paton Walsh "The Late Scholar"

In diesem Pub sind Peter und Harriet dann auch mal – und Peter hat Gelegenheit, sich sein früheres Verhalten vorzuhalten; seine Selbstkritik ist nicht ohne.

Jill Paton Walsh entwickelt die Geschichte der Familie von Peter weiter: Peter und Harriet sind seit einiger Zeit Duke und Duchess. Ihre Söhne sind Teenager. Auch der Sohn von Mervyn und Hope Bunter muss seine Zukunft ins Auge fassen. Die unterschiedlichen Begabungen der jungen Leute führen zu erstaunlichen Entwicklungen. Peters Mutter ist alt geworden, in ihrer Rede so lebhaft und konfus wie immer, aber im Ablauf ihrer Tage sehr viel ruhiger. Das Gesamtszenario gibt, gerade auch nach einem Unfall der älteren Dowager Duchess (also Peters Mutter – ich mag aber das Wort so gern; Helen ist natürlich auch Dowager Duchess … 😉 ) Gelegenheit, die eigene (Familien-) Situation zu reflektieren.  Jill Paton Walsh folgt dabei der Tendenz von Dorothy L. Sayers, die besonders Peter im Laufe der Zeit “menschlicher” und nahbarer gemacht hatte. Insgesamt empfinde ich die Weiterentwicklung der bekannten Charaktere – von Peter und Harriet über Bunter und die Dowager Duchess bis hin zu Freddy und Rachel Arbuthnot – als sehr stimmig..

Ja, das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Handlung ist komplex und herausfordernd. Die Entwicklung der Familie ist nachvollziehbar und den geänderten Umständen – wir schreiben die Jahre 1952 und 53 und in England „herrscht“ wieder eine junge Königin – angemessen. Besonders hübsch finde ich im letzten Kapitel die Impressionen über das studentische Leben Oxfords, die Jill Paton Walsh liebevoll ausbreitet, bevor Peter als Visitor des Colleges seine letzte wichtige Amtshandlung ausübt. Ich kann das Buch allen Sayers-Fans empfehlen.

Über die Sprache kann ich nicht wirklich urteilen, da ich keine Fachfrau für Englisch bin – ich fand es aber trotz meiner nicht besonders tollen Sprachkenntnisse angenehm zu lesen und teilweise sogar witzig. Wenn auch vielleicht an anderen Stellen, als Jill Paton Walsh sich das gewünscht hätte. So fallen mir als Nicht-Native-Speaker ein paar Wörter auf, z. B. “browse” im Sinner von “stöbern” – die Seelenverwandtschaft von Peter und Harriet drückt sich dadurch aus, dass ihr Verhalten in der Buchhandlung Blackwell’s wie folgt geschildert wird:

Harriet spent the first part of her morning browsing happily in Blackwell’s (S. 89)

 

Peter strolled into Blackwell’s and browsed happily for a while. (S. 138)

Kann natürlich auch sprachliche Einfallslosigkeit sein – glaub ich aber nicht 😉

Jill Paton Wals: The Late Scholr. Peter Wimsey investigates, based on the characters of Dorothy L. Sayers, Hodder & Stroughton, London, 2013, ISBN: 9781444760873

Der irische Löwe von Annelie Wendeberg

„Der irische Löwe“ – was kann ich mir darunter vorstellen? Annelie Wendeberg steigt mit diesem historischen Krimi in die Slums von London Ende des 19. Jahrhunderts. Der männliche Part des Ermittlerduos ist ein irischer Einbrecher von hünenhafter Gestalt und mit roter Mähne. Er heißt Garret. Der weibliche Part heißt Anna, lebt im Slum, ist als Krankenschwester bekannt und birgt ein Geheimnis.

Der erste Kontakt der beiden ist dramatisch: Garret taumelt mitten in der Nacht schwer verletzt in Annas Wohnung, um sich verarzten zu lassen. Bei ihrer Arbeit im Slum begegnet Anna eine junge Prostituierte mit aufgeschlitzter Wange. Sie versorgt die Wunde des Mädchens und will wissen, wer ihr diese Verletzung zugefügt hat. Da das Mädchen kein Geld verdienen kann, fliegt es aus dem Puff – Anna macht sich Sorgen. Bei ihren Nachforschungen erfährt sie von einem vornehmen Freier mit merkwürdigen Gelüsten: Er pflegt die Prostituierten mit einem Messer zu „kitzeln“, fügt ihnen also Verletzungen zu – aber nur “leichte”. Außerdem bevorzugt er Frauen während ihrer Menstruation.

Mit ihren Nachforschungen begibt sich Anna auf gefährliches Gelände, was sie im direkten Kontakt mit diesem Freier auch zu spüren bekommt. Garret, der für die zierliche Frau Zuneigung empfindet, schwingt sich zu ihrem Beschützer auf. Immer wieder begegnen die beiden einander und Anna fasst nach und nach Zutrauen. Doch ist sie nicht bereit, ihr tiefstes Geheimnis mit ihnen zu teilen. Da führt auch der Klappentext ein wenig in die Irre, denn ihre Tätigkeit als vorgeblich männlicher Arzt in einer Klinik spielt im Roman selber nur diese Rolle: Annas großes Geheimnis.

Wentworth st, Whitechapel Wellcome L0000878

An solchen Szenen muss Anna jeden Tag vorbei – statt wegzuschauen, bringt sie Hilfe. (c) https://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0000878.html

Annelie Wendeberg entfaltet das Elend im Slum in vielen Facetten. Da sind die unterschiedlichen Kategorien von Prostituierten, die verwahrlosten Kinder, der Dreck und die schlechte Luft, das schlechte Essen und das wenige saubere Wasser. Anna und Garret sind die beiden Figuren mit Erfahrungen von außerhalb des Slums, die dieses Elend mit einem wünschenswerteren Leben vergleichen können. Sie beide und mit ihnen Annelie Wendeberg akzeptieren die Umstände im Slum sehr nüchtern. Auch wenn ich manchmal den Eindruck hatte, dass Annelie Wendeberg ein bisschen zu sehr ins Detail ging, hat sich in den meisten Fällen die Zusatzinformation als durchaus relevant erwiesen. Allzu detailliert möchte ich mir die Umstände, unter denen Anna und Garret leben und ermitteln, nicht vorstellen.

Im Grunde ist ein Großteil des Buches die Annäherung der beiden unterschieldichen  Menschen Anna und Garret – eine Liebesgeschichte. Und: Ja, es ist auch ein historischer Krimi. Deshalb werde ich über die Handlung weiter nichts verraten. Nur soviel: Als Leserin weiß ich mehr als Anna und Garret je erfahren. Und wirklich beruhigt kann ich am Ende nicht sein …

Mit gerade mal 200 Seiten ist diese Buch überschaubar – eine durchaus spannende und informative  Lektüre für zwischendurch (also “infomativ”, wenn man ws über die Elendsquartiere von London Ende des 19. Jahrhunderts wissen will und für Dickens’ Schmöker gerade nicht die rechte Muße hat 😉 )

Der Roman ist der erste einer Reihe.

Annelie Wendeberg: Der irische Löwe. Ein Anna Kronberg Krimi, übersetzt von Kathrin Bilefeldt und Jürgen Bürger, Kiepnehuer & Witsch Verlag, Köln, 2018: ISBN: 9783462047639

Das Buch ist in der Stadtbibliothek Köln vorhanden – ebenso wie weitere Bände dieser Reihe.

Jane Austens Geheimnis von Charlie Lovett

Bei dem Cover und überhaupt nach meiner Lektüreerfahrung mit Jane-Austen-Nachfolge- oder -Ergänzungsbänden erwartete ich eine Frau als Autorin – nix, da, Charlie Lovett ist Antiquar und tatsächlich männlich 😉 Sein Beruf spielt im vorliegenden Roman auch eine Rolle. Fazit gleich vorweg – es war eine Freude!

Der Klappentext ist zwar nicht falsch – aber sehr sehr irreführend! Denn obwohl Sophie Collingwood tatsächlich in einem Buchantiquariat arbeitet, ist das nicht ihre Haupteigenschaft. Weiterlesen

Bühlerhöhe von Brigitte Glaser

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgDieses Buch ist auf Empfehlung meiner Buchhändlerin mein erster Kontakt mit der Autorin Brigitte Glaser (ich hab mir das Krimi-Lesen ein bisschen abgewöhnt …) und ich habe Freude dran gehabt. Es ist eine gute Mischung aus Krimi, Spionage-Geschichte und Gesellschaftsbild.

Gerade die Erinnerungen der drei Frauen im Mittelpunkt der Geschichte:

  • Rosa, aus Deutschland nach Palästina geflohen, die gesamte Familie bis auf die Schwester in der Nazi-Barbarei verloren und nun überzeugte Israelin
  • Sophie Reisacher aus Straßburg, die einen Nazi geheiratet hat und nun als Hausdame des Hotels Bühlerhöhe nach Höherem strebt, wieder erhobenen Hauptes durch ihre Heimatstadt gehen will
  • Agnes, die Buchhalterin aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen, fromm und mit, wie wir sagen würden, einer posttraumatischen Belastungsstörung

Die Lebensgeschichten der drei bieten eine recht breite Palette an Erfahrungen mit der Nazi- und Nachkriegszeit – Verlust der Heimat, der Familie, Gewalterfahrungen und die Position als Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft. Wie kommt eine Frau wieder auf die Füße, die solches erlebt hat? Alle drei – und noch mindestens die Schwestern von Rosa und Agnes – bieten da sehr unterschiedliche Antworten. Weiterlesen

Der offene Sarg von Sophie Hannah

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgDen ersten Hercule-Poirot-Krimi von Sophie Hannah habe ich ja bereits rezensiert und war sehr gespannt auf den zweiten. Gleich vorweg: Er hat mich nicht enttäuscht 😉

Der Ort der Handlung könnte nicht typischer sein: Ein Landsitz (in Irland), eine etwas bejahrte Hausherrin mit erwachsenen Kindern und Schwiegerkindern, einem Sekretär und zwei Anwälten. Zusammen mit diesen Personen befinden sich an der entscheidenden Dinnertafel noch die Pflegerin des Sekretärs – bekanntermaßen ist er schwer krank – sowie Poirot und sein neuer Freund Catchpool von Scotland Yard. Im Gegensatz zu den meisten am Tisch weiß ich als Leserin schon, welche Bombe Lady Athelinda Playford gleich hochgehen lässt, denn im ersten Kapitel erzählt Catchpool (aus dessen Perspektive ich alles miterlebe) die Vorgeschichte: Die erfolgreiche Schriftstellerin hat ihr Testament zugunsten ihres Sekretärs geändert – er soll alles erhalten, die Kinder Athelindas sollen leer ausgehen.

Aufschrei, Tumult. Besonders die Schwiegertochter stellt die zwei Absurditäten heraus: Die eigenen Kinder für einen Sekretär zu enterben, das könne nur als Antipathie besonders ihr gegenüber verstanden werden. Und jemand Todkrankem etwas zuzusprechen, was er nicht erleben wird, sei geschmacklos.

Die Tischgesellschaft löst sich in dem Moment auf, in dem der Sekretär seiner Pflegerin einen Heiratsantrag macht und Poirot beginnt sofort zu arbeiten: Er und Catchpool müssen herausfinden, wer sich wo aufhält, ob die Hausherrin in Gefahr ist und ob der Kranke gut versorgt ist. Einige Personen haben das Bedürfnis nach frischer Luft, darunter auch die „glückliche Braut“. Währenddessen leidet der dicke Anwalt sehr und geht davon aus, er sei vergiftet worden – er hatte einen Mann und eine Frau im Laufe des Tages Geheimnisvolles reden gehört. Wie der Arzt im Hause – der Verlobte der Tochter – feststellt, hat sich der Gourmand einfach nur, pardon, überfressen und schnarcht nach der drastischen Behandlung durch den arroganten jungen Mann lautstark. Mitten in das Schnarchen hinein tönen entsetzte Schreie: Die Pflegerin ist von ihrem Spaziergang zurück und steht vor dem Wohnzimmer – dort liegt der Sekretär, tot, mit zerschlagenem Gesicht. Die Pflegerin behauptet hartnäckig, sie habe die Tochter des Hauses beim Zuschlagen beobachtet.

Einer dER hausbewohner zitiert ständig aus "King John" von Shakespeare - die korrekte Wiedergabe eines Zitats hilft Poirot weiter

Einer der Hausbewohner zitiert ständig aus “King John” von Shakespeare – die korrekte Wiedergabe eines Zitats hilft Poirot weiter

So weit die Krimisituation. Natürlich ist der mit der Aufklärung beauftragte Beamte nicht nur unfähig, sondern auch unfreundlich. Poirot und Catchpool versuchen nun, alles herauszufinden, was relevant ist. Letztlich führen die Lektüre eines der weniger bekannten Dramen von Shakespeare, die nicht zerschmetterte Kinnpartie des Opfers und ein Besuch Poirots in Oxford zur Auflösung. Sophie Hannah lässt Inspektor Catchpool dabei durchaus  einige Meriten selber verdienen – er wird nicht als ein Poirot intellektuell so unterlegener Freund geschildert, wie es Hastings war. Die Charakterisierung der mehr oder weniger adligen Gesellschaft neigt in manchen Fällen ein wenig zur Übertreibung, passt aber trotzdem zu Poirots Umfeld, auch wenn ich  nicht vergessen kann, dass es eine Autorin des 21. Jahrhunderts ist, die den Roman schrieb.

Ein bisschen schade finde ich, dass die Charakterisierung Catchpools, dem im ersten Roman ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit Probleme bereitete, hier etwas „glatter“ daherkommt. Insgesamt ist es wieder ein gelungener Genre-Krimi a la Agatha Christie mit einem glaubwürdigen Hercule Poirot.

Sophie Hannah: Der offene Sarg. Ein neuer Fall für Hercule Poirot, übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, , ISBN: 783455600537

Mörderwetter von Eva Gründel

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgMit zwei verschiedenen Elementen steigt Eva Gründel in ihren neuen Krimi ein: ein Labyrinth und ein Rhinozeroshorn. Besonders um das letztere kreisen am Anfang die Gedanken von Ilse Hubinek, der Mutter von Elena Martell. Doch bis wir ihm wieder begegnen, vergeht noch eine Menge Zeit. Da im Untertitel steht „Ein England-Krimi“, müssen alle Protagonisten erst einmal auf die britische Insel

 

  • Adele, eine Freundin von Ilse und Elena, veranlasst nicht nur die beiden, sondern auch ihren Freund Ludwig, an einer Gartentour in der Mitte Englands teilzunehmen; Reiseleiterin ist Feli, die bei dieser Premiere gern Elena, die professionelle Reiseleiterin, als Rückenstärkung dabei hätte
  • Giorgio Valentino, der Partner von Elena, fährt zu einem fachlichen Austausch mit Scotland Yard nach London.

Die Reise durch die schönsten Gärten in den Cotswolds in England fällt buchstäblich ins Wasser, denn Dauerregen macht die meisten Besichtigungen unmöglich. Mit den Augen von Elena und Ilse lernen wir die Gruppe kennen, die dann endlich auf dem Anwesen des Earl of Wharvedale die ersten Sonnenstrahlen erlebt. Doch leider auch die Leiche des Hausherrn findet.

James Tissot - In an English Garden

Englische Gärten sind schon früher Reiseziele gewesen

An diesem Punkt ist noch nicht einmal die Hälfte des Romans erreicht – die Ermittlungen gestalten sich allzu kompliziert. Und mittendrin: Elena Martell. Die couragierte Reiseleiterin hat bereits früher Mordfälle aufgeklärt – Eva Gründel hat um sie und Commissario Giorgio Valentino eine ganze Reihe von Reisekrimis entworfen. So nimmt es nicht Wunder, dass bei aller Polizeipräsenz vor allem die Laien auftrumpfen können. Ludwig und Elena sind diejenigen, die das wahre Geschehen aufdecken. Letztlich geht es nicht nur um den Mord an Richard Deverell, sondern um Waffenlobbyismus (gut, im Grunde ist diese Zeit schon passé, wirft aber ein Licht auf die Personen), Kunstfälschung im großen Stil, um Ehebruch und Erbrecht – ein schönes Bündel an Motiven und Gelegenheiten.

Eva Gründel wechselt geschickt die Handlungsorte, lässt mich als Leserin durch verschiedene Augen blicken und entwickelt neben der Krimihandlung noch weitere spannungsgeladene Szenen, die vor allem das Verhältnis von Elena und Giorgio betreffen.
Ganz offensichtlich orientiert sich Eva Gründel an den Vorbilder des klassischen englischen Kriminalromans – kein Wunder, dass ich mich gut unterhalten gefühlt haben.

Eva Gründel: Mörderwetter. Ein England-Krimi,Haymon Verlag, Innsbruck, Wien, 2014, iSBN: 97837099977880 (E-Book)

Die Monogramm-Morde von Sophie Hannah

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgHercule Poirot – der kleine Belgier mit dem markanten Schnurrbart ist eine Erfindung von Agatha Christie, die letzten Monat ihren 125. Geburtstag hatte. Sophie Hannah, selbst erfolgreiche Thrillerautorin, zollt mit einem neuen Fall für den belgischen Detektiv dem großen Vorbild ihren Respekt. Und das tut sie ziemlich gut.

Drei Menschen werden in einem Hotel ermordet aufgefunden – zwei Frauen und ein Mann. Alle haben einen mit einem Monogramm versehen Manschettenknopf im Mund. Alle sind an dem selben Gift gestorben. Alle liegen da wie aufgebahrt. Hercule Poirot, der gerade “Ferien” macht, in einer Pension schräg gegenüber von seiner eigenen Wohnung (was für eine nette Idee!), hat in dieser Pension nicht nur die Bekanntschaft eines jungen Scotland-Yard-Mannes, Edward Catchpool, gemacht, sondern auch ein neues Lokal gefunden, das ihm gefällt. Bevor Catchpool ihm von dem grausigen  Mord im Hotel berichtet, hat Poirot seinerseits eine beunruhigende Begegnung in diesem neuen Lieblingslokal: Eine offensichtlich sehr ängstlich erregte Frau vertraut ihm an, dass sie erwarte, ermordet zu werden. Und dagegen könne und dürfe man nichts tun. Dann läuft sie weg und lässt Poirot sehr besorgt zurück.

Dish monogram Louvre OA325-33

Monogramme sind ziemlich alt – dieser Teller stammt aus dem 13. Jahrhundert

Zu Catchpooles Missvergnügen verknüpft der eitle Belgier dann beide “Fälle”. Er mischt sich ein, schickt Catchpool auf Recherchereise und ergeht sich in Andeutungen. Alles wie gehabt. Catchpoole ist als Ich-Erzähler ein netter Nachfolger für Hastings, Poirots alten Freund.

Sophie Hannah trifft den Ton von Poirot sehr schön – diese leichte Arroganz, das Bedürfnis nach Symmetrie, die kleinen grauen Zellen – alles Poirot, wie man ihn aus  den Büchern von Agatha Christie kennt. Mit der Figur von Edward Catchpoole hat Sophie Hannah einen neuen Begleiter für Poirot zu schaffen versucht, der aber im Grunde dieselbe Funktion eines “Watson” hat, wenngleich mit beruflicher Verbindung zur Kriminalitätsbekämpfung. Mit einer traumatischen Kindheitserinnerung versehen, gibt es in diesem Fall für ihn eine große Hürde zu überwinden – da kommt die Hilfe Poirots gerade recht; der Stil des Freundes ärgert ihn aber auch. Aus dem Eigenleben Catchpooles kann sicher noch mehr gemacht werden, sollte Sophie Hannah eine Fortsetzung planen.

Wer einen handwerklich sauberen “Häkelkrimi” schätzt und gern mit Poirot seine Zeit verbringt, ist hier gut aufgehoben.

Sophie Hanna: Die Monogramm-Morde. Ein neuer Fall für Hercule Poirot, übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini, Atlantik Verlag, Hamburg, 2014, ISBN: 9783455600162

Törtchen-Mördchen von Petra Busch

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgPetra Busch hat bereits eine andere Sammlung  mit kleinen Krimis herausgebracht – “Mördchen fürs Örtchen“. Die Törtchen-Mördchen, die jetzt herausgekommen sind, bieten neben spannender Unterhaltung einen praktischen Zusatznutzen: Rezepte! Wenn Ihnen also ein “Törtchen” besonders lecker vorkommt – den teils grausigen Umständen zum Trotz – können Sie sich selbst daran versuchen, es herzustellen.

24 Kurzkrimis hat Petra Busch zusammengetragen – mal heiter, mal düster, mal skurril. Appetitthäppchen gefällig? Bitte sehr:

  • Muutzemandeln backt der eine, ein Muutzekopp ist der andere – ein Beichtgespräch der besonderen Art im Kölner Raum über zwei Brüder und ihre Geschichte.
  • Eine Trüffelpralinie mit exquisitesten Zutaten – Ursache für Einbruch, Mord und ABC-Alarm in Bamberg?
  • Prinzesssinentorte mit bitterem Beigeschmack in einer unglücklichen Nachkriegs-Patchwork-Familie.

In der ersten Gechichte vom naschhaften Mäuserich Willi werden, da sie quasi in einer Konditorei spielt, jede Menge leckerer Backwerke genannt – sie tauchen in den folgenden Geschichten wieder auf und dann gibt es das Rezept dazu. Laut Aussage von Petra Busch sind alle Rezepte getestet und garantiert giftfrei. Eine hübsche Sammlung für die Küche oder den Konditorei-Besuch, um die Wartezeit zu überbrücken 🙂

Petra Busch (Hrsg.): Törtchen-Mördchen, KBV-Verlag, Hillesheim, 2015, ISBN: 9783954412600

Ob es eine solche Sammlung mit Rezepten auch mal für die Liebhaberinnen herzhafter Genüsse geben wird? Hm?

Falsches Zeugnis von Birgit Ebbert

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgBirgit Ebbert hat ihre Karina Bessling mal wieder auf eine Spur gesetzt; der Erfolg ihres Buches – also das von Karina 😉 – über die Postkarten ihrer Tante Katharina hat der jungen Bauingeneurin nicht nur Lesungstermine, sondern auch Anfragen anderer Art gebracht, z. B. die Mitgliedschaft in einer Jury.

Aber der Reihe nach. Birgit Ebbert beginnt nämlich nicht mit Karina, sondern mit der Innensicht einer Person, die gleich auf den ersten Seite ein äußerst gesetzwidriges Verhalten an den Tag legt. Das Thema: Briefe, die von Anne Frank stammen könnten und zwar aus der Zeit nach ihrer Verhaftung und Deportation. Also genau die Zeit und der Themenkomplex, in denen sich Birgit Ebbert bestens auskennt. Diese – fiktiven! – Briefe schieben sich immer wieder zwischen die beiden zeitgenössischen Handlungsstränge, den von Karina und den der lange namenlos agierenden anderen Person. Weiterlesen

Madame Merckx trinkt keinen Wein von Lisa Graf-Riemann

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgWas für eine schöne Gegend – das Languedoc. Und Lisa Graf-Riemann beschreibt es so, dass man sofort dorthin will. Dabei ist es gar kein Reiseführer, sondern ein Krimi, und zwar ein  Südfrankreichkrimi, so stehts unter dem Titel ;-).

Gleich zu Anfang bekommt man eine Kostprobe von ländlicher Frömmigkeit – Isa wandert zur Kapelle von Saint Martin des œufs und erlebt mit, wie die Küsterin Mado mit dem Heiligen verhandelt: Sie will als Mitglied eines Reiseclubs im Oktober verreisen, doch ihr Mann Jean ist der Meinung, dass das nur rausgeschmissenes Geld sei. Ob Staint Martin da nicht was deichseln könne?

Nächstes Kapitel, nächster Schauplatz: Jean ist mit Laurent auf Mufflon-Jagd. Am Ende muss er Laurent den ganzen beschwerlichen Weg ins verlassene Dorf tranportieren und dann noch die Ambulanz rufen, denn Laurent hat sich selber in die Schulter geschossen. Jean ist stinkesauer und verkrümelt sich in sein Refugium, eine alte Hütte auf seinem ehemaligen Weinberg. Dort hängt er seinen Gedanken nach, übernachtet dort, wärmt sich früh am nächsten Tag mit einem Schnäpschen auf und macht sich auf den Heimweg. Weiterlesen