Berufsziel römischer Kaiser von Stephan Berry

Berufsziel römischer Kaiser von Stephan Berry

Was brauchts, um als römischer Kaiser zu reüssieren? Stepahn Berry hat einen amüsanten Bewerbungsratgeber geschrieben, der keine Fragen offen lässt: Garderobe, Fremdsprachen, Herkunft, soft skills, die Erwartungen der Arbeitgeber – Senat und Volk von Rom – und noch einige Aspekte mehr werden in heiterer Ratgebersprache erörtert. Bevorzugt, indem Stepahn Berry auf die Vorgänger im Amt verweist. Und schwupps hat man nach wirklich unterhaltsamer Lektüre einen Überblick über die römische Kaiserzeit gewonnen.

Das Buch beginnt mit einer klassichen Stellenanzeige, wie Sie sie Tag für Tag in Ihrer Tageszeitung sehen. Der erste Satz allerdings stimmt bedenklich: „Die Stelle ist nach dem gewltsamen Tod des bisherigen Amtsinhabers vakant geworden.“ Auch die Rücksendung der Unterlagen ist berücksichtigt – nur wenn das Porto zu Ihren Kosten geht; abgesehen davon ist in der Winterpause der gesamte Schiffsverkehr auf dem Mittelmeer lahmgelegt – da gibt es keine Unterlagen zurück. Das mit den langen Wegen gehört dann auch in Kapitel 3 „Der optimale Führungsstil: Delegieren ist alles?“ – wenn Memos mehrere Wochen bis Monate unterwegs sind, ist ein Laissez-faire-Stil angesagt. Hobbys sind ein heikles Thema: Ihre Vorlieben als römischer Kaiser sind nie „rein privat“ – außer Sie frönen ihnen hinter wohl verschlossenen Türen. Kaiser, die sich als Gladiatoren oder Künstler der Öffentlichkeit stellten, werden von Stephan Berry als warnende Beispiele genannt – kein Wunder, wenn Sie die Namen lesen: Nero, Caligula, Caracalla. Eindringliches Fazit: „Ein Kaiser produziert sich nicht in der Öffentlichkeit.“ (S. 108)

Bewerbungen sind auf Pergament oder Papyrus einzureichen – Kupfer und Marmor verbieten sich als zu kostspielig, Kupferplättchen und Tonscherben als zu schäbig. Als „Bildmaterial“ wird eine Statue empfohlen – bitte bei einem Künstler seines Fachs in Auftrag gegeben, also in Rom, Rhodos oder Athen. Und nie, nie, nie eine Nacktstatue. Nicht wegen der Prüderie der potentiellen Arbeitgeber, sondern wegen der Hybris: Nackt werden Götter , Halbgötter und Heroen dargestellt. Das erläutert Stephan Berry im Kapitel 5 “ Der Dresscode: Mit kurzen Hosen ins Büro?“.

Unter der Überschrift „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ erfahren Sie etwas über die rechtliche Stellung der Frau, die als Normalbürgerin durchaus einen eigenen Beruf ausüben kann, als Kaiserin eher nicht, außer sie verwaltet ihre landwirtschaftlichen Güter. Die Themenpalette ist breit und umfasst dabei auch einen längeren Zeitraum – von Augustus bis Konstantin; die Rückbezüge auf die Zeit der Republik vermitteln aber eben auch Kenntnisse über diese Zeit.

Ich finde, Stephan Barry ist da ein sehr unterhaltsames und informatives Buch gelungen. Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen. Sein Literaturverzeichnis am Ende ist informativ, die Tabellen über Kaiser und Gegenkaiser wirklich klasse – da hat jemand mit fundierten Kenntnissen etwas gut Lesbares geschaffen.

Stephan Berry: Berufsziel römischer Kaiser. Ausbildung, Bewerbung, Karriere, Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt 2013, ISBN: 9783805345545 , als E-Book (PDF): 9783805347068 , als E-Book (epub): 9783805347075

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