Alte Bekannte – neue Liebschaften von Sybil G. Brinton

Alte Bekannte – neue Liebschaften von Sybil G. Brinton

Den Anfang ihres Buches hat Sybil G. Brinton , bzw. ihr Übersetzer Dominik Fehrmann, als ein Art Zitat gestaltet:

Man darf wohl sagen, dass nahezu alle glücklich verheirateten Paare eines gemeinsam haben: Sie alle wünschen, ihre jungen Freunde in ebenso glücklichen Ehen zu sehen. (S. 11)

Ergebnis dieses Wunsches ist eine zu Beginn des Buches bereits stattgefundene Verlobung, die sich aber als nicht so glückverheißend erweist, wie erhofft. Es geht um Geogiana Darcy und ihren Cousin Robert Fitzwilliam. Gegen den anfänglichen Wunsch ihres Manns Darcy, sorgt Elizabeth Darcy, geborene Bennet, dafür, dass die Verbindung wieder gelöst wird. Der Einstieg ist mir damit etwas schwer gefallen, weil ich natürlich „Death comes to Pemberley“ im Kopf hatte, wo ebenfalls eine Verbindung der beiden Figuren im Raum steht. Nachdem diese Episode aber abgespielt war, konnte ich mich unbefangen an die weitere Lektüre begeben.

Statt nun Bruder und Schwägerin mit dem Cousin auf ihrer Reise nach Bath zu begleiten, darf Georgiana zu Jane und Charles Bingley, während die drei anderen eben nach Bath reisen, wohin die gebieterische Tante Lady Catherine de Bourgh sie beordert – ihre einzige Chance, ihnen was zu befehlen, denn Elizabeth hat sich streng dagegen verwahrt, dass die Tante nach eigenem Gutdünken in Pemberley auftaucht. Jedes Jahr ist dieses Treffen und jedes Jahr macht Lady Catherine neue Bekanntschaften; als Darcy, Fitzwilliam und Elizabeth dieses Mal kommen, hat sie gerade einen Narren an Mrs. Robert Ferrars und ihrer Schwester Miss Anne Steele gefressen. Bei einem musikalischen Abend tritt Miss Mary Crawford als Harfenistin in Erscheinung und bezaubert Robert Fitzwilliam. Andere Bekannte aus früheren Jahren sind Mr. und Mrs. Wentworth und Lord und Lady Portincale, letztere eine geborene Tilney. Für den ersten Aufruhr sorgt Mr. Yates mit seinen Kenntnissen zu Miss Mary Crawford – es kommt zum Eklat (kann man sich ja denken, wenn Lady Catherine de Bourgh mitspielt).

Sybil G. Brinton ist so nett, am Anfang ihres Buches eine Liste der Personen und ihrer „Herkunft“ aus den verschiedenen Romanen zur Verfügung zu stellen – ein beeindruckendes Verzeichnis. Und durchaus hilfreich.

Almack's Assembly Rooms inside
Gut, Pemberley mag keine Galerie für Musiker besitzen, aber sonst wird der dort stattfindende Ball wohl ähnlich ausgesehen haben.
Aufgrund der verschiedenen, schon bei Jane Austen eindeutig angelegten, Charaktere, ergeben sich Verwicklungen und neue Bekanntschaften. So viel sei verraten: Nach schweren inneren Kämpfen, einem Unfall und einigen Enttäuschungen gibt es am Ende drei neue Paare: Sowohl Georgiana Darcy, als auch ihre Schwägerin Kitty Bennet und Miss Mary Crawford finden ihren Partner. Wie es dazu kommt, das zu verfolgen, macht wirklich Freude. Sybil G. Brinton hat nicht die Pointiertheit ihres Vorbilds, verfällt logischerweise auch in Sprachgewohnheiten ihrer Zeit kann aber ebenfalls sehr charmant die Untiefen im gesellschaftlichen Umgang zeigen.

Das Buch von Sybil G. Brinton ist im Grunde klassische Fan-Fiction – nur eben schon über 100 Jahre alt 🙂 Die ansonsten völlig unbekannte Autorin hat 1913 diese Sammel-Fortsetzung der Romane von Jane Austen veröffentlicht – jedefalls dankt sie ihrer Freundin in einer  Vorbemerkung sehr herzlich dafür.

Leider gibt es ein paar Mängel im Lektorat, die das Lesen an einigen Stelle erschweren – es erschließt sich nicht immer, ob ein „sie“ nicht eigentlich doch groß geschrieben gehört; doch mehr als ein Stutzen und kurzes Nachdenken erfordert es nicht – das Lesevergnügen wird nur geringfügig geschmälert.

Da Sybil G. Brinton über 70 Jahre tot ist, gibt es den Originaltext frei im Netz. Der parthas Verlag in Berlin hat eine schöne Ausgabe in deutscher Sprache vorgelegt. Ich hatte große Freude daran.

Sybil G. Brinto: Alte Bakennte – neue Lieschaften, übersetzt von Dominik Fehrmann, parthas Verlag, Berlin, 2017, ISBN: 9783869641096

Der parthas Verlag in Berlin gehört zu den unabhängigen Verlagen, so dass diese Rezension zu „We read indie“ passt.

Und auch wenn das Buch selbst nicht von Jane Austen stammt, startet mit ihm meine kleine Blogreihe „Beloved Jane“ – am 18. Juli 2017 jährt sich ihr Todestag zum 200. Mal. Auf Twitter: #belovedJane.

2 Comments

  • Maike

    16. Februar 2017 at 17:00 Antworten

    Oh, das klingt nach einer schönen neuen Blogreihe! Und dass es dieses Buch gibt, wusste ich gar nicht, aber es hört sich witzig an.

    • Heike Baller

      16. Februar 2017 at 17:31 Antworten

      Das ist auf Deutsch auch gerade erst herausgekommen 🙂

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