Sommerpause

Foto A. Laudensack

Im Grunde war es ja im Juni schon zu spüren – es ist Sommerpause im Blog. Die zwei Rezensionen dieser 30 Tage habe ich bereits auf der Rezensionsliste ergänzt. Den nächsten Beitrag gibt es nicht vor Ende Juli.

Bis dahin wünsche ich Ihnen allen eine schöne Zeit – genießen Sie den Sommer.

Ihre Heike Baller

Junges Buch für die Stadt 2018 startet

Am Sonntag geht es los mit der Aktion “Junges Buch für die  Stadt”. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als diese Aktion zum ersten Mal stattfand, ist es dieses mal ein Sachbuch. Und das finde ich schade. Dazu gleich mehr – erst mal ein paar Worte zum fraglichen Buch.

“Alles lecker” ist das junge Buch für die Stadt 2018

Ein Sachbuch mit witzigen Informatioen rund ums Essen aus aller Welt und in allen Kulturen – was bei uns bekannt ist, ist anderswo ungewöhnlich und was dort normal ist, ruft bei uns Erstauen oder vielleicht sogar erst einmal Ekel hervor. Oder was denken Sie bei Vogelspinnen auf dem Teller, bei Fingern als Besteck? Weiterlesen

Ans Meer von René Freund

Ein richtiges Sommermärchen hat er da geschrieben – René Freund mischt munter Zutaten verschiedener Epochen und Genres, um sein Märchen bunt und spannend zu erzählen.

Was erzählt René Freund?

EIn Roadmovie der anderen Art – mit diesem Personal:

  • Anton, Busfahrer, von einer Helikoptermutter bedrängt aus einer Zeit, als es das Wort noch nicht gab – wächst über sich hinaus
  • Doris, Antons Nachbarin, hat den schüchternen Mann in die Flucht geschlagen und versucht, ihn wieder einzufangen
  • Carla, Mutter von Annika, dem Tode nahe und mit der Sehnsucht nach dem Meer in ihrer Heimat – sie setzt alles in Gang
  • Annika, elf Jahre alt, weiß, dass sie ihre Mutter bald verlieren wird
  • Eva, 17 Jahre alt, fürsorglicher Gruftie
  • Ferdinand, 17 Jahre alt, von Verantwortungsbewusstsein zerfressen gegenüber seiner kleinen Schwester – macht anfangs nur widerwillig mit
  • Frau Prenosil, völlig dement und nur zufällig mit von der Partie
  • Helene, Ferdinands Schwester und Annikas Freundin, ein Mädchen mit Durchsetzungsvermögen
  • Totti,ein Kaninchen

Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare zu René Freund "Ans Meer"

Carlas Bucht an der Adria ist kleiner und unverbauter – auch etwas aus der Zeit gefallen. Foto: Lokyam, Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare, CC BY-SA 3.0

Das ist die Reisegruppe auf dem Weg nach San Marco in der Nähe von Duino – die sterbende Carla überredet Anton, den klapprigen gelben Linienbus an diesem Tag nach Italien zu chauffieren. Für mich als Beinahe-Nordlicht ist der Gedanke befremdlich, innerhalb von 5 Stunden an der Adria sein zu können – aber von Österreich aus …?

Hier haben wir schon so eine Vermischung: René Freund kann erklären, wie es kommt, dass ein so vorsintflutliches Gefährt die Straßen Österreichs durchjuckelt – es belibt dabei: Der Bus ist nicht aus dieser Zeit. Seine techische Ausstattung ebenfalls nicht. Dafür aber die der Menschen: Handys mit Ortungssystem und den verschiedensten Klingeltönen spielen mindestens eine so große Rolle wie das gelbe Ungetüm. Ach ja, und das andere Gefährt in der Geschichte ist voll aus unserer Zeit: 410 PS …

Die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe bietet jede Menge heitere und nachdenkliche Kleinstgeschichten; bei einer Gruppe von Schulkindern nicht verwunderlich, spielt gerade das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern eine große Rolle. Und davon ist Anton nicht ausgenommen. Dorie ebensowenig, übrigens.

René Freund erzählt zudem die vorsichtige Annäherung zwischen Anton und Doris in deren Rückblicken.

Auf die ein oder andere Weise findet dieser Geschichte eine Menge Emanzipation statt. Ist doch klar, dass sich Eva um Frau Prenosil kümmert, oder? Helene kommandiert ihren Bruder rum – Freundin Annika geht vor und wenn die nach Italien fahren muss, gibt’s kein Vertun, da muss sie mit. Ferdinand seinerseits macht so ein paar Entdeckungen an sich selbst. Annika erweist sich als erfahrene Pflegerin ihrer Mutter. Also einige Elemente von Entwicklungsgeschichten haben wir hier, daneben die – unglückliche? – Liebesgeschichte von Anton und Doris. Für jeden was dabei 😉

Und dann sind da noch die Hippies – ein bisschen aus der Zeit gefallen, wie der Bus. Und die italiensiche Polizei …

Wie erzählt René Freund?

In der Perspektive wechselt er zwischen Anton und Doris. Er startet mit Doris‘ unerklärtem hastigen Aufbruch mit einem 410-PS-Auto. Erst danach lerne ich Anton kennen, mitsamt seinen Gedanken rund ums Busfahren:

Seinen Kindheitstraum, Busfahrer zu werden, hatte die Realität dieses harten Berufes an die Wand gefahren. (S. 9)

René Freund schildert detailliert, liebevoll und illusionslos, was so ein Busfahrer machen und beachten muss. Genauso schildert er das Engagement Antons, seinen schulpflichtigen Fahrgästen ein Mindestmaß an Manieren abzufordern – wer nicht grüßt, muss den Fahrausweis vorzeigen. Immer wieder finden sich in der stetigen Erzählung kleine sprachliche Schmuckstücke.

Schön find ich diese Schilderung (ich muss mich ja leider beschränken):

Hinter dem Steinwall, der den Strand abgrenzte, sahen sie zwei Gesichter auftauchen, mit blau-weißen Kappen. Und unter den Kappen wuchsen langsam die beiden Uniformen in den Himmel, (…) (S. 134)

Eine wirklich schöne Urlaubslektüre, ein Sommermärchen halt.

René Freund: Ans Meer, Deuticke Verlag, Wien, 2018, ISBN: 9783552063631

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Es ist WM 2018

Nein, nicht, was Sie jetzt denken – ich meine die Kultur-WM 2018:

Jeden Spieltag posten Menschen zu den an der Fußball-WM 2018 teilnehmenden Ländern Tipps zur Kultur bei Twitter – der Hashtag: #KulturWM. Und weil ja nicht alle bei Twitter sind, gibt es eine “Wall”, also eine ständig aktualierierte “Mauer” mit den Tweets und Links Bitte hier entlang.

Wall zur Kultur-WM 2018

Diese Ansicht ist eine vorübergehende – mit jedem neuen Tweet verändert sich das – die Wall zur Kultur-WM 2018 kann man also die ganze Zeit offen lassen …

Das Ganze ist ein Projekt der Herbergsmütter (hier mit ihren Twitternamen zum Direkt-Folgen; als Herbergsmütter sind auch so bei Twitter zu finden: @herbergsmuetter):

  • Wibke Ladwig aka @sinnundverstand
  • Ute Vogel aka @frauvogel
  • Anke von Heyl aka @Kulturtussi

Wir hatten schon bei den Pantwitterspielen viel Spaß miteinander 🙂

Gedicht zum Tag – Lob der schwarzen Kirschen von Anna Louisa Karsch

Lob der schwarzen Kirschen

Des Weinstocks Saftgewächse ward

Von tausend Dichtern laut erhoben;

Warum will denn nach Sängerart

Kein Mensch die Kirsche loben?

 

O die karfunkelfarbne Frucht

In reifer Schönheit ward vor diesen

Unfehlbar von der Frau versucht,

die Milton hat gepriesen.

 

Kein Apfel reizet so den Gaum

Und löschet so des Durstes Flammen;

Er mag gleich vom Chineser-Baum

In echter Abkunft stammen.

 

Der ausgekochte Kirschensaft

Gibt aller Sommersuppen beste,

verleiht der Leber neue Kraft

Und kühlt der Adern Äste.

 

Und wem das schreckliche Verbot

Des Arztes jeden Wein geraubet,

der misch ihn mit der Kirsch rot

dann ist er ihm erlaubet;

 

Und wäre seine Lunge wund

Und seine ganze Brust durchgraben:

So darf sich doch sein matter Mund

Mit diesem Tranke laben.

 

Wenn ich den goldnen Rheinstrandwein

Und silbernen Champagner meide,

Dann, Freunde, mischt mir Kirschblut drein

Zur Aug- und Zungenweide.

 

Dann werd ich ebenso verführt

Als Eva, die den Baum betrachtet,

So schön gewachsen und verziert,

Und nach der Frucht geschmachtet.

 

Ich trink und rufe dreimal Hoch!

Ihr Dichter singet im Ernst und Scherze

Zu oft die Rose, singet doch

Einmal der Kirsche Schwärze.

 

Anna Louisa Karsch (1792)

LitBlogConvention die dritte

I did it again – am Samstag war ich auf der LitBlogConvention.

Sie fand am 9.6.2018 bereits zum dritten Mal in Köln statt – und ich war zum dritten Mal dabei.  🙂 Dieses große bunte Treffen von Bloggerinnen und Bloggern, Verlagen und anderen Buchmenschen hat mir bisher jedes Mal viel Freude bereitet, unabhängig davon, wie gut die einzelnen Workshops waren. Aber da habe ich dieses Jahr wirklich großes Glück gehabt.

Tipps zu Lesekreisen auf der LitBlogConvention

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich die ersten Jahre verschiedene Literaturkreise geleitet habe – zwei beim Katholischen Bildungswerk und einen hier in „meiner“ Buchhandlung. Da mir die Vorbereitung und Verantwortung im Laufe der Zeit über den Kopf wuchsen, habe ich sie abgegeben. An der LitBlogConvention gab es nun einen Workshop zu diesem Thema, geleitet von Kerstin Hämke und Jacqueline Böttger. Beide sind auf diesem Gebiet erfahren. Von Kerstin erscheint September sogar ein Handbuch zum Thema – mit Tipps zur Gründung, Leitung und Gestaltung von Lesekreisen und der Vorstellung einiger geeigneter Bücher. Weiterlesen

Die Pflanze, die gern … von Ewald Weber

… Purzelbäume schlägt” – was für ‘ne Pflanze stellen Sie sich da vor? Ewald Weber hat ein kunterbuntes Sammelsurium an einheimischen Pflanzen zusammengestellt, die mit ihren Eigenschaften und Fähigkeiten staunen lassen. Und Purzelbäume schlägt: das Salzkraut. Es gehört zur Familie de Steppenroller. Meistens begegnen die uns in Westerfilmen. Damit die vertrockneten Bündel vom Wind übers Land getrieben werden können, müssen sie bestimmte Eigenschaften mitbringen:

  • eine Sollbruchstelle
  • fest sitzende Samenkapseln
  • bruchfeste Zweige, die sich inheinader verhaken.

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