Auf phantastischen Pfaden von Thomas Le Blanc herausgegeben

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpg2016 sind im Karl-May-Verlag einige “phantastische” Bücher erschienen, zu denen auch diese von Thomas Le Blanc herausgegeben Anthologie zählt. 20 Autorinnen und Autoren haben Figuren Karl Mays in magische oder phantastische Szenarien gesetzt. Wollte Karl May heute faszinieren, müsste er Fantasy schreiben, da die von ihm beschriebene, damals unbekannte, unerreichbare Welt so bekannt geworden ist – Unbekanntes bieten nur noch Magie und Phantastik. Das ist die Grundannahme, die Thomas Le Blanc im Vorwort ausführt.

Karl May

Hm, ob ihm Fantasy gelegen hätte? Thomas Le Blanc und die anderen Autorinnen des Bandes meinen: Ja.

Nun bin ich ja eher die Wild-West-Geschichten-Leserin und deshalb froh, dass trotz des Reihennamens “Karl May magischer Orient” auch Indianer vertreten sind – die zweite Hälfte des Buches widmet sich Old Shatterhand & Co. Und gleich die erste Geschichte, die aufschlug, hat mich wirklich begeistert: Tanja Kinkel schildert in “Lehrmeister”, wie Klekhi-Petra zu den Apatschen kam. Weiterlesen

Wo die Liebe hinfliegt von Tanja Brandt

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgJa, kitschfrei ist das nicht – aber die Fotos von Tanja Brandt haben mir mehr als ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Sie ist Falknerin und Fotografin und verbindet beides miteinander – sie fotografiert ihre Tiere: Steinkauz Poldi, Schäferhund Ingo und die anderen Vögel: Schnee-Eule Uschi, die sibirische Uhu-Dame Bärbel, die Weißgesichtseule Gandalf und den Wüstenbussard Phönix.

Tanja Brand erzählt in ihrem Buch die Geschichte der Freundschaft zwischen Poldi und Ingo – in erster Linie. Da wird durchaus gemenschelt – na gut. Es ist auch klar, dass die Tiere die Kamera gewohnt sind – kein Wunder, wenn man sich die Fülle der Fotos auf der Website anschaut. Die Inszenierung vieler Bilder ist auch sehr deutlich. Letzten Endes sind aber so viele Bilder dabei, die einfach nur schön oder auch sehr witzig sind – mir ist da echt das Herz aufgegangen.

Anrührens sind besonders die Bilder, die eine vertrauensvolle Nähe zwischen so unterschiedlichen Tieren zeigen - der Verlag ha tmir das Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Anrührend sind besonders die Bilder, die eine vertrauensvolle Nähe zwischen so unterschiedlichen Tieren zeigen – der Verlag ha tmir das Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Neben den Geschichten und Anekdoten rund um ihre tierische Familie vermittelt Tanja Brandt auch Infos zu den einzelnen Gattungen, so dass dem (oder soll ich sagen “meinem”?) Informationsbedürfnis Rechnung getragen wird 🙂

Tanja Brandt: Wo die Liebe hinfliegt. Ingo und Poldi – Die Geschichte einer Freundschaft, Bastei Lübbe Verlag, Köln, 2016, ISBN: 978343109696

E-Book zu den Münchmeyer-Romanen

So sah Karl Mays Arbeitstag bei Münchmeyer aus, als er 1875 dort als Redakteur tätig war

So sah Karl Mays Arbeitstag bei Münchmeyer aus, als er 1875 dort als Redakteur tätig war

Meine Beiträge zu den Münchmeyer-Romanen aus dem letzten Jahr habe ich – leicht bearbeitet – als E-Book zusammengestellt. Der Titel ist denkbar schlicht 😉 :  “Die Münchmeyer-Romane von Karl May. Eine persönliche Vorstellung von Heike Baller

Sie finden es hier. Sie können es aber auch unter Angabe der ISBN 978-3-9614-2335-4 im Buchhandel bestellen. Es kostet 3,99 €.

Gedicht zum Tag: Winter von E. Marlitt

Winterrp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x150111111111111111.jpg

Die Bäume glitzern rings im Eise,
Unheimlich lautlos rieselt Schnee.
Die weichen Flocken decken leise
Der Blumen letztes Todesweh.

Nur zwischen starren Zweigen hangen
Noch rote Beeren, frisch und licht,
Ein täuschend Leben! Rosenwangen
Auf einem Leichenangesicht.

Die gold’ne Sonne strahlt wie immer,
Doch wärmt sie nicht das öde Land.
An Menschenaugen mahnt ihr Schimmer,
Die falsch und treulos man erkannt.

E. Marlitt*

*Ja, ich weiß , dass es sich bei E. Marlitt um ein Pseudonym handelt – aber wer kennt schon die ehemalige Opersängerin und Hofdame Eugenie John?

Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage V

Karl MayDie komischen Figuren Mays waren mir immer sehr sympathisch, Ihnen auch?

Im Grunde gehören Sam und Halef auch dazu – vom Äußeren her, mit einer Sprachmarotte versehen, wenn ich mich nicht irre, hihihi und bei Halef kommt der religiöse Zwiespalt immer wieder zum Ausdruck mit seinem Satz „Ich werde dich bekehren, Du magst wollen oder nicht!“

Andere Vertreter sind Hobble Frank und Neger Bob, die kuriosen grau-karierten Engländer, die immer wieder auftauchen mit ihren Spleens oder – eher unbekannt – der Diener Hassan aus der Erzählung „Die Gum“, der den Spiritus aus dem Fässchen mit den Tierpräparaten säuft und meint, damit nicht gegen Mohammeds Gebot zu verstoßen. Nach ein paar gemeinsam erlebten Abenteuern heißt es von ihm:

Hassan

 Ich hatte Hassan wirklich als einen ausgezeichneten Führer kennen gelernt, ein Umstand, welcher mich mit seinem Mangel an Mut zur Genüge aussöhnte. Er kannte nicht nur die Wege genau, sondern verstand es, alle seine Vorkehrungsmaßregeln so zu treffen, daß wir bisher nicht den geringsten Schaden oder Mangel zu leiden hatten. Seine Anhänglichkeit an mich hatte sich nach und nach zu einer ganz erfreulichen Stärke entwickelt, und ich hätte ihm gern mein vollständiges Vertrauen geschenkt, wenn mir nicht eine außerordentliche, beängstigende Aufregung aufgefallen wäre, an welcher er seit einiger Zeit, und zwar nur des Morgens, zu leiden schien. Er saß dann auf seiner Matte, von welcher er nicht aufzubringen war, weinte und schluchzte, lach­te und jubelte in einem Atem, nannte sich bald einen Helden und bald eine Memme, bald einen guten Moslem und bald einen Ungehorsamen, der in die Tschehenna fah­ren müsse. Es war eine Art Wahnsinn, der ihn erfaßt haben mußte und dessen Ursache ich gar zu erfahren hätte.

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Winnetou I-Film – ein paar Anmerkungen

Karl May

Ob er gerne Diplom-Ingenieur gewesen wäre?

Wie bereits gesagt: Ich bin keine besonders große Cineastin – Film als Medium liegt mir nicht so. Trotzdem habe ich jetzt mal in die Verfilmung der Winnetou-Geschichten von RTL reingeschaut.

Dass die Story so gut wie nichts mit dem Buch zu tun hat – geschenkt. Das war bei den Klassikern aus dern 60ern auch in vielen Teile so. Nicht so extrem, aber auch die waren nur an Karl Mays Geschichte angelehnt. Es gibt aber ein paar Sachen, die mich echt gestört haben:

  • In einem Gespräch mit Nscho-tschi sagt Karl May, er glaube nicht an Götter, sondern an die Vernunft. Das widerspricht Karl Mays Selbstdarstellung in allen seinen Büchern diametral (ob er nun tatsächlich so fromm war …? Immerhin hat er auch geistliche Musik geschrieben (ich hab davon 2012 mal was im Chor gesungen))
  • Die als gebrochen rüberkommende Sprechweise von Winnetou, Intschu-tschuna und Nscho-tschi lässt besonders Winnetou gegenüber Karl May als unterlegen erscheinen – und gerade das ist er ja nicht. Auch der Boxunterricht passt nicht in das Original-Muster von Karl May, der sich als Schüler Winnetous verstand (zumindest am Anfang) und später einen Freund auf Augenhöhe

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Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage IV

Karl MayHalef, Sam und natürlich erst recht Winnetou, sind Gefährten des Ich-Erzählers, die immer wieder auftreten.

Sam und Halef vereinen dabei zwei Funktionen auf sich: Einerseits sind sie ernstzunehmende Freunde, auf die sich die Ich-Figur im Großen und Ganzen verlassen kann – na gut, ihnen passieren gelegentlich Fehler aufgrund von Selbstüberschätzung; dann müssen sie von Old Shatterhand/Kara Ben Nemsi befreit werden und alles ist wieder in Ordnung. Aber sonst sind sie verlässlich und selbständig

Andere Figuren tauchen nur in einer Geschichte auf, z. B. Old Surehand. Im Grunde ein ernst zu nehmender Westmann, kommen er und Old Shatterhand zuerst in Kon­takt, weil Old Surehand befreit werden muss – er ist in der unterlegenen Position. Der Erzähler schildert eine beeindruckende Persönlichkeit:

Ich hatte bald Licht genug, meinen neuen und berühmten Bekannten zu betrachten.

Da lag er jetzt vor mir, ruhig schlafend, ein wahrer Riese von Gestalt. Seine mäch­tigen Glieder waren ganz in Leder gekleidet, doch so, daß die von der Sonne gebräunte Brust unbedeckt blieb. Sein langes, braunes, seidenweiches Haar lag wie ein Schleier bis auf den Gürtel herab, und selbst im Schlafe, während dessen doch sonst das geistige Leben aus den Zügen zurückgetreten zu sein pflegt, lag auf seinem Gesichte der Ausdruck jener Energie, ohne welche ein guter Westmann undenkbar ist. Grad so, wie ich ihn hier liegen sah, hatte ich ihn mir vorgestellt, allerdings, weil er mir so beschrieben worden war; denn es ist keineswegs richtig, sich jeden namhaften Westläufer als eine solche Figur vorzustellen. Wer das thut – und das geschieht aller­dings sehr häufig -, der fühlt sich dann später, wenn er den Betreffenden zu sehen bekommt, meist sehr enttäuscht. Berühmte Jäger von so riesiger Gestalt habe ich nur zwei gesehen, Old Firehand und Old Surehand. Man macht ja oft die Erfahrung, daß körperliche Hünen ein wahrhaft kindliches Gemüt besitzen und aller Kampfeslust und Kampfesfertigkeit ermangeln, während dürftiger gebaute Menschen sich lieber zerreißen als in die Flucht schlagen lassen. Doch soll dies natürlich keineswegs als Regel gelten. Das Leben im wilden Westen ist der Bildung voller Körperformen nicht günstig, doch schafft es eiserne Muskeln und Sehnen wie der Stahl.

Es war Zeit, die Schläfer zu wecken; ich that es, und als Old Surehand sich aufrich­tete, konnte ich erst richtig sehen, in welcher Harmonie die einzelnen Teile und Glie­der seines Körpers zu einander standen.

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Rückblick aufs Lesejahr 2016

Hm, wenn ich meine Liste der rezensierten Bücher für 2016 anschaue, ist da doch ein Schwerpunkt bei den Sachbüchern zu entdecken – 25 Sachbücher gegenüber 20 belletristischen Werken, so sieht’s aus:

sachbuecher-belletristikDas gilt allerdings nur, wenn man die Reihe über die Münchmeyer-Romane als “Nicht neu gelesen” interpretiert … ;-), was großenteils ja auch stimmt.

Wenn man die Sachbücher aufschlüsselt, ergibt sich folgendes Bild:

sachbuecher

Bei der Belletristik sieht es grob eingeteilt so aus:

belletristik

 

 

 

 

Immer gibt es Bücher, die mich mehr beeindruckten als andere.

Meine Favoriten für 2016 sind:

Roman: Herr Müller, die verrückte Katze und Gott

Kinderbuch: Hieronymus von Thé Tjong-Khing

Bei den Sachbüchern habe ich zwei Favoriten, die nicht aus dem Bereich der historischen Werke stammen, was mich selbst erstaunt, denn eigentlich bin ich ein Fan von Geschichte:

Biographie: Brel von Jens Rosteck

Literatur: What matters in Jane Austen von John Mullan

Die Bezauberin von Ghita Gothóni

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgAm Anfang bin ich über das Titelwort “Bezauberin” gestolpert – Ghita Gothóni setzt offensichtlich auf die Irritation, die durch die ungewohnte Substantivierung entsteht.

Worum geht es? Ein Finne, Erik, der als Übersetzer in Köln lebt (Ghita Gothóni stammt aus Finnland und lebt in Köln 😉 ) reist in seine Heimat, um dort abzuschalten. Eine unglücklich verlaufene Liebesgeschichte seiner Jugend macht den Besuch bei Freunden nicht einfach – er war früher der Partner von Hanna; als sie von ihm schwanger wurde, hat sie das Kind abtreiben lassen und später Kari geheiratet, seinen Freund, der nicht weiß, dass die beiden mal ein Paar waren. Von Kari hat er eine Hütte im Wald gemietet, um dort abzuschalten, resp. in Ruhe zu arbeiten. Spannung liegt in der Luft. Aber nein, Hanna ist nicht (mehr) bezaubernd. Weiterlesen

Poetica 3 – Lyrikfestival mit Tradition in Köln

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x150111111111111111.jpgSo ist das in Köln: Beim 3. Mal ist es eine Tradition. Und deshalb ist auch das Lyrikfestival Poetica nun eine Kölner Tradition. Es findet vom 9. bis 14.Januar 2017 statt, Orte sind die Zentralbibliothek am Neumarkt, das Depot 2 vom Schauspiel Köln, die Universität und das Wallraff-Richartz-Museum.

Thema dieses Jahr: Die Seele und ihre Sprachen

Die Auftaktveranstaltung mit den Autorinnen der Poetica findet am 9.1.2017 um 18 Uhr in der Aula II der Universität Köln statt.

Das Programm reicht von Veranstaltungen mit Diskussionsanteil über Lesungen bis zu Lehrangeboten für Studierende. Und auf diese Autorinnen und Autoren dürfen Sie sich freuen: