Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch

Liebe Blogleserinnen und -Leser,

ich wünsche Ihnen allen frohe Weihnachten und für 2017 ein gutes und friedvolles Jahr.

Verkündigungsengel einer afrikanischen Krippe

Verkündigungsengel einer afrikanischen Krippe

Hier ist jetzt bis Anfang Januar Pause. Ich freue mich auf ein Wiederlesen im neuen Jahr.

Ihre Heike Baller

Gedicht zum Tag – Vorfreude auf Weihnachten von Joachim Ringelnatz

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Ein Kind – von einem Schiefertafel-Schwämmchen
Umhüpft – rennt froh durch mein Gemüt.

Bald ist es Weihnacht! – Wenn der Christbaum blüht,
Dann blüht er Flämmchen.
Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt
Uns mild. – Es werden Lieder, Düfte fächeln. –

Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt,
Wird dann doch gütig lächeln.

Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes
Alle unfeindlich sind – einmal im Jahr! –
Uns alle Kinder fühlen eines Baumes.

Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.

Joachim Ringelnatz

Blogwichteln 2016 – Maria Al-Mana mit 7 Tipps zu Köln und Lesen

Von kölschen Damen und evangelischen Orten, Menschen, Begegnungen und Island

7 Tipps vom Wichtel für die Kölner Leselust

Hier finden Sie als Vorschau schon mal alle Buchtitel versammelt, die Maria Al-Mana heute vorstellt

Hier finden Sie als Vorschau schon mal alle Buchtitel versammelt, die Maria Al-Mana heute vorstellt

Das Leben hält doch immer noch die schönsten Überraschungen bereit. Und das Internet auch! Wenn es um das Lesen geht, sind sogar alle Grenzen zwischen diesen beiden Welten weitestgehend aufgehoben – darum freue ich mich ganz besonders, dass es mich zum Blogwichteln ausgerechnet in die Kölner Leselust zu Heike Baller verschlagen hat!

Tipp 1: (Evangelische) Kirche, Köln und Literatur passen sehr gut zusammen!

Heike und mich verbindet schon lange ziemlich viel. Zum Teil ohne, dass wir davon wussten. Die Liebe zu den Büchern ist das eine. Dann habe ich 15 Jahre lang die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region gemacht, Heike ist in ihrer Heimatgemeinde Köln-Dellbrück/Holweide mit der hübschen Christuskirche aktiv [bitte die Versöhnungs- und Pauluskirche nicht vergessen, liebe Maria – auch in den beiden Bezirken gibt es eine Menge kultureller Veranstaltungen; Tipp an den Wichtel ;-)]  – wo ja auch schon mal Lesungen, gern mit Musik, stattfinden. Aktuelles immer hier.  Das war Tipp Nummer 1. Weiterlesen

Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage II

Karl MayWahrscheinlich wissen Sie, dass es Bücher gibt, in denen Karl May als Ich-Erzähler figuriert und solche, die in der Er-Perspektive geschildert werden. Woran das liegt?

Wie letzte Woche schon erwähnt, hat Karl May  eine Zeitlang für Jugendzeitschriften geschrieben. Das sind die Geschichten vom Silbersee, vom Ölprinz und vom Sohn des Bärenjägers. Obwohl Old Shatterhand hier vorkommt, hat May die Außenperspek­tive gewählt. Die Winnetou-Bände sind erst deutlich danach enstanden.

Aber auch in der Frühphase gab es Geschichte aus der Ich-Perspektive, z. B. „Old Firehand“ von 1875 – hier war an Old Shatterhand noch nicht zu denken. Der Ich-Erzähler bleibt namenlos.

Auch andere Figuren aus der Wild-West-Welt Mays treten in diesen und noch frühe­ren Geschichten auf. Zum Beispiel Sam Hawkens, eine ganz wichtige Figur in Karl Mays Wild-West-Kosmos.

Sam Hawkens

In „Old Firehand“von 1875, steht Sam vor der Burg des Titelhelden Posto:

Bei dem letzten Worte theilte sich dasselbe und ließ einen Mann hindurch, bei dessen Anblicke ich mich eines leisen Lächelns nicht erwehren konnte.

Unter der wehmüthig herabhängenden Krämpe eines Filzhutes, dessen Alter, Farbe und Gestalt selbst dem schärfsten Denker einiges Kopfzerbrechen verursacht haben würde, blickte zwischen einem Walde von verworrenen, schwarzgrauen Barthaaren eine Nase hervor, welche fast von erschreckenden Dimensionen war und jeder belie­bigen Sonnenuhr als Schattenwerfer hätte dienen können. In Folge des gewaltigen Bartwuchses waren außer diesem so verschwenderisch ausgestatteten Riechorgane von den übrigen Gesichtstheilen nur die zwei kleinen, klugen Augen zu bemerken, welche mit einer außerordentlichen Beweglichkeit begabt zu sein schienen und mit einem Ausdrucke von schalkhafter List von Einem zum Andern von uns Dreien sprangen.

Diese Oberparthie ruhte auf einem Körper, welcher uns bis auf das Knie herab vollständig unsichtbar blieb und in einem alten, bockledernen Jagdrocke stak, wel­cher augenscheinlich für eine bedeutend stärkere Person angefertigt worden war und dem kleinen Mann vor uns das Aussehen eines Kindes gab, welches sich zum Ver­gnügen einmal in den Schlafrock des Großvaters gesteckt hat. Aus dieser mehr als zu­länglichen Umhüllung guckten zwei dürre, sichelkrumme Beine hervor, welche in ausgefransten Leggins staken, die so hochbetagt waren, daß sie das Männchen schon vor einem Jahrzehnt ausgewachsen haben mußte und dabei einen umfassenden Blick auf ein Paar Indianerstiefel gestatteten, in welche zur Noth der Besitzer in voller Person hätte Platz finden können.

In der Hand trug der Mann eine alte Rifle, die ich nur mit der äußersten Vorsicht angefaßt hätte, und als sich so mit einer gewissen Würde auf uns zu bewegte, konnte ich mir keine größere Carricetur [sic!]eines Prairiejägers denken, als ihn. –

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Gedicht zum Tag – Magnificat von Rainer Maria Rilke

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Sie kam den Hang herauf, schon schwer, fast ohne
an Trost zu glauben, Hoffnung oder Rat;
doch da die hohe tragende Matrone
ihr ernst und stolz entgegentrat

und alles wußte ohne ihr Vertrauen,
da war sie plötzlich an ihr ausgeruht;
vorsichtig hielten sich die vollen Frauen,
bis daß die junge sprach: Mir ist zumut,

als wär ich, Liebe, von nun an für immer.
Gott schüttet in der Reichen Eitelkeit
fast ohne hinzusehen ihren Schimmer;
doch sorgsam sucht er sich ein Frauenzimmer
und füllt sie an mit seiner fernsten Zeit.

Daß er mich fand. Bedenk nur; und Befehle
um meinetwillen gab von Stern zu Stern -.

Verherrliche und hebe, meine Seele,
so hoch du kannst: den HERRN.

Rainer Maria Rilke

Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage I

Karl MayFreunde und Gefährten bei Karl May sind für seine Ich-Helden Old-Shatterhand und Kara Ben Nemsi völlig unerlässlich. Heute und in den folgenden Beiträgen möchte ich Ihnen einige dieser Figuren vorstellen und schauen, was es mit ihnen auf sich hat:

  • Welche Typen gibt es?
  • Welche Funktion haben sie?

Karl May war ja mehr als nur ein Jugendschriftsteller – er hat im Laufe seines Lebens für unterschiedliche Medien geschrieben, bevor er ein ergolgreicher Schriftsteller wurde: katholische Zeitschriften, Heimatblätter, Jugendzeitschriften – ja auch das – und für den Kolportage-Verlag Münchmeyer. Auch wenn die Freunde und Gefährten, die wir heute noch mal betrachten werden, vor allem aus den Reiseer­zählungen und den explizit für Jugendliche geschriebenen Geschichten stammen, sollten wir das nicht aus den Augen verlieren.

Der junge Karl May als Redakteur

Der junge Karl May als Redakteur

Was erwartet Sie nun?

Die Freunde und Gefährten, die May in seinen Büchern einführt, haben unterschied­liche Positionen zum Ich-Erzähler – mal sind sie näher dran, mal begleiten sie ihn in verschiedenen Geschichten, mal sind es Randfiguren. Und viele von ihnen haben eine komische Seite oder sind gar komische Figuren.

Ich beginne mit den nahestehenden, mit denen, die öfter vorkommen. Das sind vor allem drei: Im Orient ist es Halef – der ist heute dran -, im Wilden Westen Sam Hawkens einerseits (nächste Woche) und Winnetou sowieso – dazu kommen wir übernächste Woche.

Dann folgt in drei Wochen der ernstzunehmende Gefährte, der aber nur in einer Geschichte vorkommt – Old Surehand. Und in vier Wochen kommen die anderen: komische Gestalten, Freunde im Doppelpack und spleenige Engländer. Weiterlesen

Scepter und Hammer, Die Juweleninsel – noch zwei Fortsetzungsromane von Karl May

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgWenngleich diese Romane eine ähnliche Mischung von Kitsch und Abenteuer aufweisen, wie die Münchmeyer-Romane, gehören sie eigentlich nicht in diese Reihe, denn sie erschienen in der Zeitschrift „Für alle Welt!“ in der Zeit von 1879-80, bzw. 1880-82. Neben den beiden Fortsetzungsromanen hat Karl May in dieser wöchentlich in Stuttgart erscheinenden Zeitung auch andere Texte veröffentlicht, insgesamt vier Jahre lang. Aufgrund der strukturellen Verwandtschaft zu den Münchmeyer-Romanen möchte ich diese beiden meiner Reihe anschließen.

Der Inhalt

In „Scepter und Hammer“ betreten wir zuerst norländischen Boden, lernen Doktor Max Brandauer, den Sohn des Hofschmieds, Prinzessin Asta von Süderland, den Prinzen von Raumburg und die Zigeunerin Zarba kennen. Die spricht dann eine Prophezeiung aus, in der die beiden Titelworte des Buches vorkommen. Max Brandauer erweist sich nicht nur als tüchtiger Schmied, sondern im Laufe der verwickelten Geschichte auch als Vertrauter des Königs von Norland, als geschickter Spion und talentierter Diplomat. Dass er tapfer und stark ist, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Weiterlesen

Gedicht zum Tag – Wenn’ s Winter wird von Christian Morgenstern

Wenn’ rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x15011111111111111.jpgs Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so dass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirrrrr …
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen –
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.

Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch so sehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wieder holen.

Christian Morgenstern

Gedicht zum Tag – Dezemberlied von Franz Grillparzer

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Harter Winter, streng und rauch,
Winter, sei willkommen!
Nimmst du viel, so gibst du auch,
Das heißt nichts genommen!

Zwar am Äußern übst du Raub,
Zier scheint dir geringe,
Eis dein Schmuck, und fallend Laub
Deine Schmetterlinge,

Rabe deine Nachtigall,
Schnee dein Blütenstäuben,
Deine Blumen, traurig all
Auf gefrornen Scheiben.

Doch der Raub der Formenwelt
Kleidet das Gemüte,
Wenn die äußere zerfällt,
Treibt das Innere Blüte.

Die Gedanken, die der Mai
Locket in die Weite,
Flattern heimwärts kältescheu
Zu der Feuerseite.

Sammlung, jene Götterbraut,
Mutter alles Großen,
Steigt herab auf deinen Laut,
Segenübergossen.

Und der Busen fühlt ihr Wehn,
Hebt sich ihr entgegen,
Lässt in Keim und Knospen sehn,
Was sonst wüst gelegen.

Wer denn heißt dich Würger nur?
Du flichst Lebenskränze,
Und die Winter der Natur
Sind der Geister Lenze!

Franz Grillparzer