Die Geschichte vom Prinzen Genji von Murasaki Shikibu

rp_Bild-Klassiker-300x1992.jpgSeit der Buchmesse 2014 liegt dieses bibliophile Prachtwerk bei mir rum und wartet auf seine Besprechnung. Aber dieser klassische japanische Roman, verfasst von der Hofdame Murasaki Shikibu (naja, ob die Hofdame so hieß, ist fraglich; da sie unbekannt ist, hat man den Namen der Protagonistin zum Autorinnennamen gemacht) so um das Jahr 1000 u. Z. hat ja schon ein gewisses Alter – da kann auch die Besprechung im Blog ein wenig warten. Es ist halt kein Buch “für mal eben zwischendurch”; die beiden Bände aus dem Manesse Verlag umfassen rund 1800 Seiten und da die Handlung a) weit weg und b) vor langer Zeit spielt, sind die Anmerkungen durchaus hilfreich (erfreulicherweise stehen sie als Fußnoten direkt unter dem Text – hier wäre ständiges Nach-hinten-Blättern echt umständlich).

Im Vorwort erläutert Oscar Benl, der Übersetzer und Fachmann für japanische Literatur, schon mal ein paar Hintergründe, einschließlich solcher Spezialinformationen wie über appretierte und nicht-appretierte Stoffe, über die Kleidung – mehrschichtiges System – und das Farbempfinden, über die Hofgesellschaft, die Anlage des Palastes und vieles mehr. Zu Glück tauchen die Informationen an passenden Stellen noch mal in den Fußnoten auf, denn  man kann sich das unmöglich beim ersten Lesen alles merken.

Die Übersetzung von Oscar Benl stammt aus den 60er Jahren – den Roman um den Prinzen Genji zu übersetzen hat aus dem Original kein weiterer deutscher Übersetzer versucht; die einzige andere Übersetzung ins Deutsch ist eine aus dem Englischen  aus den 50er Jahren …

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Handgeschrieben Seiten des Genji Monogatari der Papierrolle aus dem 12. Jahrhundert

Wie schwierig die Überlieferungsgeschichte ist, ist ebenfalls Thema in der Einleitung zum Buch – es hat verschiedene Abschriften des Buches gegeben; mich hat diese Situation an die Überlieferung des Nibelungenliedes erinnert. Den jeweils verwendeten Textkorpus könnte man also auch noch diskutieren. Tanizaki Jun’ichirō, dessen 50. Todestag letztes Jahr war, hat seinerseits versucht, den Text in modernes Japanisch zu übertragen.

Erzählt wird die Geschichte des Prinzen Genji, dem Sohn eines Kaisers mit seiner vor allen anderen Frauen bevorzugten Konkubine, die früh stirbt – die Reaktion des Kaisers auf den Tod der geliebten Frau ist detailliert beschrieben, sein Kummer ist groß und berichtenswerrt. Der Sohn wird nicht sein Nachfolger – die reguläre Thronfolge setzt der Vater nicht zugunsten seines Lieblingssohns außer Kraft. So lebt der junge Prinz ohne wirtschaftliche Probleme, widmet sich den schönen Künsten und besonders den Frauen. Eine Zeitlang geht er in die Verbannung, kommt aber an den Hof zurück; er hat zahlreiche Geliebte, sein Innenleben wird detailliert geschildert und gedeutet. Es ist ein Roman, der in Hinblick auf psychologische Schilderungen einen modernen Touch hat. Ihn zu verstehen, ist schon schwieriger; sprachliche Eigentümlichkeiten der Heian-Zeit – aus Höflichkeit keine Namen zu verwenden, beispielsweise –  oder die Verwendung sehr vieler Gedicht-Zitate erschweren schon für den modernen japanischen Leser die Lektüre, wie sehr erst für uns. Andererseits – wenn ich die Gedichte einfach nur als Gefühlsausdruck nehme, kann ich die Zartheit der Gefühle nachempfinden.  Auch wenn die Geschichte so alt ist, lässt sie sich besser lesen als manch europäischer Klassiker – zumindests in der Übersetzung; wie es Japanern damit geht, weiß ich nicht. Ein Teil des Reizes für mich liegt darin, dass ich einen Einblick in einen historischen Teil derGesellschaft eines meiner Sehnsuchtsländer bekomme.

Die Neuauflage aus dem Jahr 2014 – ich erwähnte es im ersten Satz – ist ein haptisches und optisches Vergnügen. Der Einband aus Leinen sieht seidig aus und fühlt sich auch so an, das Papier ist edel, der Schuber für die beiden Bände zeigt einen Teil einer historischen Handschrift des Romans. Eine Ausgabe mit “Hach!”-Faktor 😉

Murasaki Shikibu: Die Geschichte vom Prinzen Genji. Altjapanischer Liebesroman, übersetzt von Oscar Benl, mit einem Nachwort von Eduard Klopfenstein, 2 Bände im Schuber, Manesse Verlag, Zürich, 20014, ISBN: 9783717523642

Gedicht zum Tag: Ewige Ostern von Klabund

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 Als sie warfen Gott in Banden,
als sie ihn ans Kreuz geschlagen,
ist der Herr nach dreien Tagen
auferstanden.

Felder dorren. Nebel feuchten.
Wie auch hart der Winter wüte:
Einst wird wieder Blüt’ bei Blüte
leuchten.

Ganz Europa brach in Trümmer,
und an Deutschland frißt der Geier, –
doch der Frigga heiliger Schleier
weht noch immer.

Leben, Liebe, Lenz und Lieder:
Mit der Erde mag’s vergehen.
Auf dem nächsten Sterne sehen
wir uns wieder.

Klabund (Alfred Henschke)

 

Heute ist Indiebookday – hier ist meine Neuerwerbung

Header_ibd_2016_rgbPassend zu Karsamstag (oder Ostersamstag 😉 ) habe ich mir einen Roman gewählt, der mit biblischen Motiven spielt. Die Protagonistin in Monique Schwitters Roman “Eins im Andern” behandelt anhand von 12 Männern ihres Lebens das Thema Liebe – die Namen der Männer sind die der Apostel. So stehts im Klappentext und das war mein Entscheidungskriterium für den heutigen Indiebookday.

Erschienen ist das Buch im Literaturverlag Droschl, einem Verlag, der seit 1978 Gegenwartsliteratur vertreibt.

Ich bin gespannt. Wenn ich das Buch gelesen haben werde, erzähle ich Ihnen gern von meinem Eindruck.

Hier ist sie nun, meine Neuerwerbung für den #Indiebookday2016

Hier ist sie nun, meine Neuerwerbung für den #Indiebookday2016

Die bibliographischen Daten:

Monique Schwitter: Eins im Andern, Literaturverlag Droschl, Graz, 2015, ISBN: 9783854209690

Die Schmuggler von Josep Pla

rp_Bild-Klassiker-300x1992.jpgLetztes Jahr habe ich beim Wagenbach Verlag einen schmalen Band von Josep Pla gewonnen. “Die Schmuggler” klingt ja erstmal nach einer Abenteuergeschichte. Doch letztlich läuft es auf eine Betrachtung hinaus. Der Ich-Erzähler schildert die Fahrt mit einem Segelboot, das einst ihm gehörte. Sinn und Zweck der Reise ist Schmuggel – aber dazu kommt es nicht.

Das Schiff mit Namen “Mestral” gerät in einen solchen Mistral-Sturm. Josep Pla beschreibt detailliert die mit dem Sturm einhergehenden Naturerscheinungen. Er lässt mich als Leserin förmlich mit eintauchen in die Fahrt durch Wellentäler, über Untiefen hinweg. Überhaupt sind solchen präzisen Schilderungen ein wichtiger Teil des Textes. So nimmt Josep Pla mich auch mit in seiner Erinnerung an den Bau des Schiffs – so nah dran bin ich da noch nie gewesen ;-).

259 Josep Pla a la plaça del Repòs, Sant Miquel del Fai

Das Denkmal des populären katalanischen Autors in Sant Miquel del Fa. Enric, 259 Josep Pla a la plaça del Repòs, Sant Miquel del Fai, CC BY-SA 3.0

Die Frage nach dem Abenteuer wird angesichts dieser Beschreibungen hinfällig. In gewisser Weise ist es ein Abenteuer, das Josep Pla schildert – und dann eben auch wieder nicht. Ich hatte nach dem Titel etwas völlig anderes erwartet, kann aber nicht sagen, ich sei enttäuscht ;-).

Die Handlung spielt in Katalonien, in den frühen 40er Jahren; Schmuggel war damals etwas sehr Übliches. Eberhard Geisler, der Übersetzer, berichtet im Nachwort, dass Josep Pla selbst sich ebenfalls als Schmuggler versucht habe und gescheitert sei.

Josep Pla schrieb in katalanischer Sprache und hat so zu Erhalt und Weiterverbreitung seiner Muttersprache beigetragen.

Josep Pla: Die Schmuggler,übersetzt von Eberhard Geisler, Wagenbach Verlag, Berlin, 2014, ISBN: 9783803113047

Blogger schenken Lesefreude 2016

Wie jedes Jahr ist am 23. April der Welttag des Buches. Seit einigen Jahren gibt es nun die Aktion “Blogger schenken Lesefreude”, bei der die Leselust ja auch schon mitgemacht hat. Das habe ich auch für dieses Jahr vor. Steht schon im Kalender.rp_blogger2015-300x156.png

Jetzt haben die Initiatorinnen für dieses Jahr die Idee ausgeheckt, dass es neben einer Buchverlosung noch andere Aktionen geben können müsste, um Lesefreude zu verbreiten. Hm. Da ist sicher was dran. Aber ich habe noch keine Idee. Dabei bietet es sich dieses Jahr tatsächlich an, was zu machen, denn der 23.4.2016 fällt auf einen Samstag. Mal schauen, vielleicht fällt mir ja was ein. Oder haben Sie eine Idee für mich?

Eine Buchverlosung wird es auf jeden Fall auch geben. Dazu nach Ostern mehr.

Hieronymus von Thé Tjong-Khing

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Das linke Panel aus der Versuchung des Antonius

Sie kennen doch sicher die mysteriösen Gestalten, die die Bilder von Hieronymus Bosch bevölkern? Fratzenhaft, dämonisch, beängstigend. Thé Tjong-Khing hat in seinem Bilderbuch  ohne Worte “Hieronymus – Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch” einen kleinen Jungen mit Rucksack, Ballnetz und Mütze in diese Welt stürzen lassen. Er verliert seine Sachen und macht sich auf den Weg, sie wiederzufinden. Rings um ihn Wesen aus der Welt des Hieronymus Bosch. Seine Reise ist gefährllich. Er erlebt aber auch Solidarität und Freundschaft. Und so nach und nach bekommt er seine Sachen wieder. Und kommt auch wieder aus dieser Welt heraus.

Ein Bilderbuch zum Blättern und Schauen, zum Entdecken und Drüberreden hat Thé Tjong-Khing da gemalt. Es gibt neben der Hauptgeschichte des Jungen zahlreiche andere Geschichten zu entdecken – man muss halt ein bisschen hin- und herblättern, um sie  zu entdecken. Thé Tjong-Khing hat hier eine spannende Geschichte geschaffen, die vielleicht nicht für kleine Kinder geeignet ist, die aber Menschen, die sich gern über Bilder(bücher) unterhalten jede Menge Anregung gibt. Ich war ziemlich fasziniert. Eine tolle Idee zum 500. Todestag des Malers.

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgThé Tjong-Khing: Hieronymus – Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch, Moritz Verlag, Frankfurt/Main, 2016, ISBN: 9783895653216

 

Sie sehen, das Rubrikenbild für “Kinder” mach ich hier nur ganz klein rein ….

Indiebookday 2016

Am Karsamstag, dem 26.3.2016, ist es wieder so weit: Es ist Indiebookday! Da hab ich ja schon mal mitgemacht – Sie erinnern sich vielleicht. Auch dieses Jahr möchte ich an diesem Tag ein Zeichen setzen und bewusst ein Buch aus einem unabhängigen Verlag kaufen. Leider habe ich noch so gar keine Idee … Aber vielleicht hat ja jemand von Ihnen eine Idee für mich – ich freu mich über Tipps in den Kommentaren.

Übrigens hat Wibke Ladwig in diesem Jahr eine Liste von Indie-Verlagen zusammengestellt, die gern ergänzt werden kann.

Indiebookday-Logo

 

 

PS: 2013 ging die Leselust ja erst im Mai online – mein Beitrag zum Thema Indiebookday findet sich in diesem ersten Jahr dieser Aktion also noch auf Profi-Wissen 😉

Die Golden-Backlist-Challenge – mach ich mit oder nicht?

Simone Dalbert von Papiergeflüster hat die Golden-Backlist-Challenge ausgerufen – die Herausforderung besteht darin, in diesem Jahr ein Buch  – oder auch mehrere – zu lesen und zu rezensieren, das vor mindestens 5 Jahren erschienen ist.

Bei uns steht so ein wunderbarer offener bücherschrank - Sie ahnen gar nciht, wie viel alte Schätzchen ich da schon gefunden habe; kein Wunder, nicht wahr, dass mir das Futter für "Noch mal aus dem Regal genommen" nicht ausgeht ;-)

Bei uns steht so ein wunderbarer offener Bücherschrank – Sie ahnen gar nicht, wie viele alte Schätzchen ich da schon gefunden habe; kein Wunder, nicht wahr, dass mir das Futter für “Noch mal aus dem Regal genommen” nicht ausgeht 😉

Ich war erst mal begeistert und habe mich in den Kommentaren von papiergeflüster angemeldet. Und so gesehen kann mein Beitrag zu “Scalet Pimpernel” ja schon als Beitrag zur #GoldenBacklist (das ist der Hashtag zur Aktion) gewertet werden, nicht wahr?

Andererseits frage ich mich, ob ich als Teilnehmerin “zuzulassen” bin, da ich ja extra eine Rubrik dafür habe – “Noch mal aus dem Regal genommen”. Eine Herausforderung sind für mich solche Besprechungen eher nicht, sondern Bestandteil der Kölner Leselust von Anfang an; allein 2015 habe ich drei Bücher, die vor 2010 erschienen sind, besprochen. Im Jahr 2014 lag der Schwerpunkt dieser Rezensionen bei Kinderbüchern – vier alte Schätzchen habe ich besprochen; dazu noch drei Bücher für Erwachsene. Und auch im Startjahr der Leselust – 2013 im Mai gings hier los – habe ich vier Bücher besprochen, die die Challenge-Bedingungen erfüllen.

Ich werde mal sowohl diesen Beitrag, als auch meinen Scarlet-Pimpernel-Beitrag bei der Golden-Backlist-Challenge von Papiergeflüster melden und schauen, was passiert 😉

Nachtrag vom 18.3.2016: Es gibt ein Storify zur GoldenBacklist-Challenge – ein Auflistung aller Beiträge mit Bild.

Janosch wird 85!

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgWer kennt sie nicht – die Tigerente, Bär und Tiger oder den Kastenfrosch? Klar, die sind von Janosch.

Aber wer kennt noch die hier: Böllerbam, Hannes Strohkopp oder den Raben Josef?  Auch sie sind Janosch-Figuren.

Mein erster Kontakt mit Janosch war das Bilderbuch „Böllerbam und der Vogel“ – ein vor allem in Blautönen und so richtig bunten Farben gehaltenes Bilderbuch, in dem ein kleiner Vogel mit seinem Nestbau in der Kanone von Böllerbam den Ausbruch des Kriegs verhindert. Ein anderes Kinderbuch, das ich besonders schätzte, hieß „Das Mäusehaus“; erst viel später verstand ich, dass die schwarz-weißen Illustrationen von Janosch stammten. Ich kann mich auch noch an eine Hörbuchversion von  Lari Fari Mogelzahn erinnern – eine Geschichte, die mich teilweise mehr genervt als erfreut hat; trotzdem habe ich sie mehrfach gehört.

1978 kam dann der große Durchbruch mit „Oh wie schön ist Panama“; bereits 1979 erhielt Janosch dafür den Jugendliteraturpreis. Die Geschichten rund um Bär und Tiger, später dann auch die Tigerente, verhalfen Janosch zu einer ungeahnten Popularität. Schon früh gab es verschiedene Produkte rund um die beliebten Figuren: Tapeten, Plüschtiere, Frühstücksdosen, Holzspielzeug und vieles mehr. Dieser Trend hat angehalten wie man auf der Seite des Janosch-Shops deutlich sehen kann.

Janosch erfand nicht nur eigene Geschichten, sondern bearbeitete auch welche, zum Beispiel die Märchen der Brüder Grimm. Außerdem bearbeitete er auch seine eigenen Geschichten. Aus „Hannes Strohkopp und der unsichtbare Indianer“ wurde so „Du bist ein Indianer, Hannes“. In solchen Bearbeitungen machte sich auch der Wandel des Zeitgeistes bemerkbar; der in der ersten Fassung autoritär und brutal auftretende Lehrer – schon zum Zeitpunkt der Ersterscheinung ein Anachronismus – bekommt in der zweiten Fassung sympathische Züge und versteht sich am Ende mit Hannes.

Neben seinen vielen Werken für Kinder hat Janosch auch für Erwachsene geschrieben und gemalt. Neben eigenen Romanen wie „Polski Blues“, „Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm“ oder Schäbels Frau  gehörten dazu auch Illustrationen der Texte von Charles Bukowski oder dem Marquis de Sade – ein heute nahezu vergessener Tatbestand.

Ein Blümschen als Geburtstagsgruß ;-)

Ein Blümchen als Geburtstagsgruß 😉

Man macht sich das heutzutage gar nicht mehr bewusst, dass Janosch bereits in den frühen sechziger Jahren mit seinem Werk begonnen hat. Seine letzten Werke sind inzwischen zehn Jahre alt, die meisten verkaufen sich aber nach wie vor ausgezeichnet. Von den Merchandisingprodukten ganz zu schweigen.

Im Leben des Janosch, der eigentlich Horst Eckert heißt, gab es etliche Tiefpunkte, auch nachdem er bereits erfolgreich war. In dem Interviewbuch „Reden Sie Tacheles, Herr Janosch“ schildert der Autor und Illustrator seinem Interviewer Jörg Merk, wie er sich in den mehr als 40 Jahren seiner damaligen Berufstätigkeit durchgeschlagen hat.

Nun wird Janosch 85 Jahre alt und es bleibt nichts, als ihm dazu zu gratulieren und ihm für die vielen Geschichten, Figuren und Bilder zu danken. Happy Birthday, Janosch!

Köln im Hochmittelalter von Hugo Stehkämper und Carl Dietmar

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150.jpgLetzte Woche war ich bei der Buchpräsentation des dritten Bandes der Kölner Stadtgeschichte – Köln im Hochmittelalter. Das erste Mal in meinem Leben in der Ulrepforte, dem Heim der Roten Funken 😉 Professor Werner Eck führte in das Werk von Hugo Stehkämper und Carl Dietmar ein. Die Geschichte dieses Bandes selber ist schon recht umfangreich, denn Hugo Stehkämper konnte vor seinem Tod nur knapp neun Kapitel verfassen – dabei handelte es sich um rund 900 unlektorierte Seiten. Werner Eck als Herausgeber musste nun einen Nachfolger finden, der nicht nur die restlichen Kapitel verfasste, sondern auch den Text seines Vorgängers einer stilistischen Revision unterzog – durchaus in dessen Sinne. Der Nachfolger wurde Carl Dietmar, der als promovierter Mediävist bereits einschlägige Werke verfasst hat und lange Jahre als Journalist beim Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet hat.

Herausgekommen ist ein beeindruckender Band (er umfasst über 400 Seiten) mit vielen gut reproduzierten Abbildungen. Als erstes fiel mir das kleinteilig strukturierte Inhaltsverzeichnis auf, das eine gute Orientierung im Band ermöglicht. Ich habe also erst einmal darin gestöbert und mir einzelne Abschnitte ausgewählt, die mich besonders interessierten, zum Beispiel:

  • den Abschnitt über die Rolle der Frau in der städtischen Gesellschaft
  • die Erläuterungen zum Kölner Pfennig und zur Kölner Mark
  • den Abschnitt über die Wasserver- und -entsorgung der Stadt

Natürlich war es mir bisher nicht möglich, das Werk in seiner Gesamtheit zu lesen aber die einzelnen Appetithäppchen haben mir bereits spannende Einblicke gewährt, die zum Weiterlesen verführten. Ich freu mich schon auf die weitere Lektüre.

Battle of Worringen 1288

Die Schlacht von Worringen in einer Darstellung aus dem 15. jahrhundert

Will man den Inhalt des Bandes von Hugo Stehkämper und Carl Dietmar zusammenfassen, läuft es darauf hinaus, dass in der Zeit zwischen 1074 und 1288 die Stadt Köln ihren Charakter gründlich veränderte: Von einer Bischofsstadt wandelte sie sich zu einer Kommune mit bürgerlicher Selbstverwaltung. Und das zu eienr Zeit, in der die herrschende Ständeordnung von “Beter, Kämper und (lad)Arbeiter” städtischen Berufen und Rollen keinen Platz einräumte.

Den Anfang dieser Entwicklung bildete der Aufstand gegen den Bischof Anno II – eine spontane Reaktion auf eine unrechtmäßige Einschränkung verbindlicher Freiheiten; Anno II wollte das Schiff eines Kaufmanns für die Rückfahrt des Bischofs von Münster beschlagnahmen. Den Endpunkt dieser Entwicklung stellt die Schlacht von Worringen dar. Am Ende der Zeit ist Köln zwar immer noch eine Bischofsstadt, hat sich aber Freiheiten  – unter anderem die Wehrhoheit – erkämpft, die die Herrschaft des Erzbischofs über die Bürger der Stadt stark einschränkten.

Sowohl in der Präsentation letzte Woche als auch im Vorwort kommt zur Sprache, dass Hugo Stehkämper als Historiker und Archivar einen eher vorsichtigen Schreibstil pflegte. Carl Dietmar, der ja auch als Journalist gearbeitet hat, formuliert da deutlich pointierter; in diesem Sinne hat er die neun Kapitel von Hugo Stehkämper bearbeitet. So liegt nun eine gut lesbare, wissenschaftlich fundierte Darstellung vor.

Die Kölner Stadtgeschichte ist insgesamt auf 13 Bände angelegt. Mit dem nun erschienenen Band sind in den letzten 20 Jahren sechs Bände erschienen. Das Ziel des Greven Verlags und der Historischen Gesellschaft, die als Herausgeberin der Reihe fungiert, ist es, die noch ausstehenden Bände im Jahresabstand zu publizieren. Somit müsste, ein paar Unwägbarkeiten „eingeplant“, im Jahre 2025 die Geschichte der Stadt Köln von der Römerzeit bis heute erschienen sein.

Hugo Stehkämper und Carl Dietmar: Köln im Hochmittelalter. 11074/75-1288, in der Reihe: Geschichte der Stadt Köln, Bd. 3, herausgegeben von Werner Eck, Greven Verlag, 2016, ISBN: 9783774304420 (Ausgabe in Halbleder ISBN: 9783774304437 )