Gedichte hier – nur gemeinfreie Texte

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111.jpgIn der Advents- und Weihnachtszeit fiel mir auf, dass das Schlagwort “Fliege Frieda” sehr häufig angeklickt wurde – wahrscheinlich  in der Hoffnung, das beliebte Gedicht von James Krüss hier zu finden. Doch da James Krüss erst 1997 gestorben ist, sind seine Texte noch (über 40 Jahre) urheberrechtlich geschützt.

Sie zugänglich zu machen, dazu bedarf es einer Erlaubnis der Rechteinhaber. Da mir die nicht vorliegt, lass ich es lieber. Das gilt auch für jede Menge anderer Texte, die ich Ihnen gern präsentieren würde – besonders Gedichte von Mascha Kaléko, Erich Kästner und moderneren Autorinnen.

Ähnlich wie bei der Sache mit den Buchcovern  (hier gibt es inzwischen die Regelung, dass die Verlage meistens die Coverabbildungen für Bloggerinnen zur Verfügung stellen – aber ich bleib bei meinen Rubrikenbildchen 😉 ) ist die Gefahr groß, deswegen abgemahnt zu werden. Und so halte ich mich beim Verbreiten von Jahrezeit- und anderen Gedichten an die Formel “Sicher ist sicher” und verwende ausschließlich Texte von Menschen, die bereits 70 oder mehr Jahre tot und deren Texte somit “gemeinfrei” sind.

Übrigens gibt es eine Velagsseite, auf der das Gedicht zur Fliege Frieda als PDF einsehbar ist – bitte sehr, hier! Da es sich um einen Verlag handelt, gehe ich davon aus, dass die rechtliche Seite der Sache geklärt ist.

Interview mit Heike Abidi

Heike Baller: Liebe Heike, als Netzwerkkolleginnen aus dem Texttreff sind wir ja per Du – ich kann also ganz unbefangen drauflosfragen.

Du hast in den letzten wenigen Jahren eine ganze Reihe an Büchern veröffentlicht, die ich mit großem Vergnügen rezensiert habe; neben den Romanen übrigens auch noch Jugendromane. Sie alle sind bei verschiedenen Verlagen herausgekommen. Dein jüngstes Werk ist nun bei Amazon Publishing erschienen. Wie kam es dazu?

Heike Abidi: Amazon Publishing ist seit einiger Zeit auch in Deutschland als Verlag aktiv und hat in verschiedenen Städten Literaturagenten zu Kennenlern-Treffs eingeladen; so auch in Berlin, wo die Agentur Scriptzz ihren Sitz hat, die mich vertritt. Meine Agentin stellte dem Verlag mein Exposé zu „Ich sehe was, was du nicht liebst“ vor und die Verantwortlichen von Amazon Publishing waren sofort begeistert. Im Grunde kam der Vertrag zustande wie bei jedem anderen Verlag auch.

Heike Baller: Was ist der Unterschied zwischen Amazon Publishing und einem anderen – ich sach mal „normalen“ – Verlag; Du hast da ja inzwischen Vergleichsmöglichkeiten 😉 ?

Heike Abidi: Ein Hauptunterschied ist natürlich der Vertrieb. Die Bücher von Amazon Publishing sind nur über Amazon zu bekommen, denn der stationäre Buchhandel bietet sie nicht an. Noch nicht. Vielleicht ändert sich das ja irgendwann mal.

Ein weiterer Unterschied ist die Geschwindigkeit, in der ein Buchprojekt realisiert wurde. Die Zusage kam Anfang Juli, der Abgabetermin war Ende August, im September folgte schon das Lektorat, im Oktober wurde das Cover festgelegt, im November kam die Druckfahne zur Korrektur und Anfang Dezember war Veröffentlichungstermin.

Heike Baller: Puh, das ist ein rasantes Tempo! Wie sieht das denn sonst mit den Zeiten aus?

Heike Abidi: Zwischen Manuskriptabgabe und Veröffentlichung liegt normalerweise mehr Zeit, der Rekord lag einmal bei einem ganzen Jahr. Für mich war es eine tolle Überraschung – ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass dieses Jahr noch ein Roman von mir erscheinen würde. Umso schöner, dass es so schnell geklappt hat. Ansonsten bin ich da ganz leidenschaftslos, es dauert eben so lange, wie es dauert. Ich erfahre die Zeitpläne ja rechtzeitig und kann mich darauf einstellen.

Anders als bei anderen Verlagen habe ich als Autorin übrigens jederzeit Zugriff auf die aktuellen Verkaufszahlen, die Abrechnung erfolgt nicht jährlich oder halbjährlich, sondern monatlich. Es gibt also einiges, was Amazon Publishing anders macht als die Verlage, mit denen ich bisher zu tun habe, aber die Arbeitsweise ist ja überall ein bisschen unterschiedlich. Als Autorin erlebe ich das Team von Amazon Publishing vor allem als sehr professionell und kooperativ.

Was ich allerdings ein bisschen schade finde, ist, dass der Verlag selbst unter etablierten Buchbloggern noch relativ unbekannt ist, sodass viele glauben, ich sei nun plötzlich unter die Selfpublisher gegangen.

Heike Baller: Ich gestehe, dass es mir auch so ging …

 Sollte „Ich sehe was, was Du nicht liebst“ in erster Linie als E-Book erscheinen? Denn das ist es ja vor allem, auch wenn mir ein gedrucktes Exemplar vorliegt.

Heike Abidi: Der Roman erscheint ja als Taschenbuch und als E-Book. Ich bin gespannt, was bei den Lesern besser ankommt. Unterhaltungsromane werden ja gerne als E-Book gekauft, aber viele meiner Stammleser bevorzugen gedruckte Exemplare.

Heike Baller: Wie unterscheidet sich ein E-Book von einem gedruckten Buch für Dich als Autorin? Merkst Du da Unterschiede?

Heike Abidi, fotografiert von Ivonne Ntati

Heike Abidi, fotografiert von Ivonne Ntati

Heike Abidi: Da es sich nicht um ein Nur-E-Book handelt, empfinde ich da keinen Unterschied. Für mich ist die gedruckte Version die maßgebliche. Bei Lesungen zum Beispiel oder wenn ich die Leserunde plane. Leider kann man E-Books ja auch nicht signieren … Ich bin gespannt, wie das im kommenden Frühjahr für mich sein wird, wenn mein nächster Unterhaltungsroman bei Feelings erscheint, dem E-Books-Label von Droemer Knaur – das wird dann nämlich tatsächlich ein „Nur-E-Book“ sein, jedenfalls vorläufig. Ob dann eine Printversion folgt, wird erst später entschieden.

Heike Baller: Da bin ich auch mal gespannt 😉

Wenn Amazon Publishing ebenfalls Lektorat und andere Verlagsleistungen anbietet – was spricht für Amazon Publishing und was für einen anderen Verlag?

Heike Abidi: Ich würde gar nicht so sehr in „Amazon Publishing“ auf der einen Seite und „herkömmliche Verlage“ auf der anderen Seite unterscheiden. Vielmehr ist Amazon Publishing ein weiterer Verlag unter vielen. Es kommt immer darauf an, wo ein Buch gut hinpasst und wo man sich dafür begeistert.

Heike Baller: Hast Du bereits weitere Buchpläne?

Heike Abidi: Ich schreibe gerade ein weiteres Jugendbuch für PINK und habe eine neue Kinderbuchserie bei Coppenrath am Start, außerdem wird die Reihe der unterhaltsamen Anthologien, die ich gemeinsam mit Anja Koeseling bei Eden Books herausgebe, fortgesetzt und ein Unterhaltungsroman erscheint, wie erwähnt, im Frühjahr. Natürlich habe ich noch einige Folgeprojekte in der Pipeline, die allerdings noch nicht spruchreif sind oder zu denen ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts verraten darf …

Heike Baller: Wow, was für eine Produktivität! Vielen Dank für Deine erhellenden Antworten – ich werde Amazon Publishing im Auge behalten 😉

Heike Abidi ist studierte Sprachwissenschaftlerin und arbeitet als Werbetexterin und Autorin (wobei die Reihenfolge inzwischen vielleicht umgedreht gehört …) nahe Kaiserslautern.

Ich sehe was, was Du nicht liebst von Heike Abidi

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgDie Bücher von Heike Abidi sind immer eine gute Sache, um so richtig entspannt in eine Geschichte einzutauchen. (Ich hab das Buch ganz fix hintereinanderweggelesen – als ich ins Bett kam, war es 2 Uhr nachts …)

Worum geht es? Marlene soll eine Auszeit von ihrer Familie nehmen – sie ist die aufopferungsfreudige Mutter einer Pubertistin, eines 12-jährigen Besserwissers und eines Nesthäkchens namens Noah. Außerdem liebende Gattin von Phil, der beruflich eingespannt ist und Lenies Fähigkeiten als Köchin und Organisatorin für betriebsrelevante Abendessen benötigt. Ach, und dann ist da noch Klitschko, ein junger Retriever mit schwacher Blase. Marlene ist also gut ausgelastet – mehr als das, findet ihre Freundin und bucht ein Wellnesswochenende. Die Familie ist alarmiert. Das wird sie doch nicht machen? Uns einfach 2 1/2 Tage allein lassen?

Am Tag der Abreise finden alle das Haus leer vor – Marlene ist nicht da. Oder?

Doch, Marlene ist da, aber unsichtbar und kraftlos. Und nun erfährt sie, was ihre Familie über sei denkt, denn sie sprechen das alles ungehemmt aus.

Alle rechnen damit, dass Mutter und Hausfrau und Ehefrau Marlene am Sonntag wieder kommt. Tut sie aber nicht. Und nun ist erst einmal Chaos angesagt. Doch so peu à peu verändert sich was – in der allein gelassenen Familie und bei Marlene.

Die Hausfrau, Bremen 01

In Bremen gibt es sogar ein Denkmal für die Hausfrau – fotografiert von Rami Tarawneh [CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons

Mehr verrate ich jetzt nicht – es ist unterhaltsam zu lesen, denn Heike Abidi versteht ihr Handwerk und auch wenn das Ende in manchen Bereichen vorhersehbar ist, gibt es doch die eine oder andere Überraschung.

Thematisch erinnert mich das Buch an die Titel von David Safier – “Mieses Karma” usw. Das Thema ist ganz klar: Auch wenn ich mich aus Liebe aufgebe, gebe ich mich auf. Das Ergebnis ist Missachtung durch die, die ich liebe und das geht nicht gut. Marlene lernt es auf die manchmal brutale, ich als Leserin auf die unterhaltsame Tour. Und da die wirklich unterhaltsam ist, komme ich mit der klaren Zielrichtung des Buches sehr gut klar. Wie in ihren anderen Büchern schafft es Heike Abidi auch hier, einige leise Töne unterzubringen, so dass die Probleme einer liebenden, aufopferungsbereiten Frau nicht als Klamauk enden. Locker, flockig, ein unterhaltsames Buch. Es gibt eine Taschenbuch- und eine E-Book-Ausgabe.

Heike Abidi: Ich sehe was, was Du nicht liebst, Amazon Publishing, Luxemburg, 2015, ISBN: 9783503954526, ASIN: B017NGMVT6

 

Hauptsache Lyrik: Poetica – das Lyrikfestival im Januar 2016

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x15011111111111111.jpgAuch in diesem Januar wird es wieder das Festival Poetica geben –  die Plakate zeigen beim Namen eine hochgestellte “2”, also “2. Auflage”. Hübsche Idee.

Das Thema hat eine hübsche Farbe: Blau, denn es heißt “Blue Notes” – es geht um Trauer in ihren verschiedenen Facetten. Ensprechend auch die Titel der Veranstaltungen: “Blaue Stunde I-III”  oder “Vier Farben Blau”. An den sechs Tagen vom 25. bis 30.1.2016 gibt es neben Veranstaltungen an der Uni und im Internationalen Kolleg Morphomata auch solche im Wallraf-Richartz-Museum, in der Klubbar King Georg, im Filmhauskino oder im Literaturhaus.

15 Namen finden sich auf der Autorenseite von Poetica, darunter auch Navid Kermani. Alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie sowohl Prosa als auch Lyrik verfassen, sich für jedes Werk entscheiden müssen, welches Format passt, gegebenenfalls auch mal was mischen. Eine spannende Versammlung hat Kurator Aleš Šteger so zusammengebracht. Viele der Veranstaltungen sind mit freiem Eintritt – eine gute Möglichkeit, um eher unbekannte Autorinnen kennenzulernen.

  • Was: Festival Poetica2 – Blue Notes
  • Wann: 25.1.2016-30.1.2016 – genaue Termine unter Programm
  • Eintritt: entweder frei oder zwischen 6,- und 12,- €

 

Der Kurs der Kennedys von James W. Graham

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011.jpg„Wie ein kleines Boot die Geschicke einer großen Familie lenkte“ – so lautet der anspruchsvolle Untertitel des Buchs von James W. Graham in der deutschen Übersetzung. Es geht in erster Linie um das Segelboot „Victura“, auf dem Großteil der Familie Kennedy das Segeln erlernt hat.

James W. Graham schildert die Lebensumstände der Familie Kennedy, den Erwerb des Anwesens auf Cape Cod, den unbedingten Siegeswillen des Vaters und das Engagement aller Familienmitglieder für das Boot – um bei Regatten zu siegen, gab es ständigen Verbesserungsbedarf. Da der Autor selbst Hobbysegler ist, kennt er sich mit den Begriffen des Segelns hervorragend aus und nutzt das Fachvokabular weitgehend unkommentiert. Für mich als Nicht–Seglerin erschwert dies die Lektüre ein bisschen, denn die Bildsprache ist mir nicht sofort eingängig.

Gerade für die Jugendjahre der Kinder von Joe Kennedy, dem irischen Einwanderer und späteren Botschafter in London, sind die vor Kriegsjahre auf Cape Cod prägend. James W. Graham erzählt jede Menge Geschichten von den zehn Kindern, die zum Leidwesen der Nachbarn laut und scheinbar undiszipliniert herumtobten. Das Wettbewerbsdenken der Familie Kennedy versucht er zu erklären und nimmt dabei die unkritische Position der Kinder ein, die den anspruchsvollen Vater anhimmeln. Trotz dieser positiven Berichterstattung empfand ich selber beim Lesen die Erziehungsmethoden von Joe Kennedy als eine Überforderung für „normale“ Kinder. Gut, die Kennedys waren in diesem Sinne wohl nicht norma ;-)l.

Lt. Joseph P. Kennedy, Jr. Navy

 

Ich habe weiter oben bereits den Untertitel als anspruchsvoll bezeichnet – ein Anspruch, den ich nicht erfüllt sehe. Und das liegt bereits in der Formulierung begründet: Ein Boot wird gelenkt, es lenkt nicht selber. Somit kann sowohl der sportliche Ehrgeiz, der mit dem Boot und den Segeln an sich für die Kennedys verbunden ist, als auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das unter anderem durch die Teamarbeit auf dem Boot entstanden ist, als Bild für den Lebensstil und die Einstellung der Kennedys gelten – aber ein Boot lenkt keine Geschicke.

James W. Graham schildert das Leben einer Familie mit Höhen und Tiefen, die in den USA quasi monarchische Wünsche bediente, und bietet besonders durch die Segelgeschichten spannende Einblicke in das Familienleben. So auch in die Beziehung der jüngeren Geschwister zu ihrem großen Bruder Joe, der im Zweiten Weltkrieg fiel.

Erwähnenswert finde ich, dass James W Graham neben den allseits bekannten Mitgliedern der Familie auch die Frauen mehr in den Blick nimmt. Er lobt das politische Engagement der Schwestern von Joseph Kennedy, deren Wirken in unseren Breiten eher unbekannt ist. Auch jüngere Frauen der Familie nennt er mit Respekt.

Insgesamt handelt es sich bei dem Buch um eine Art Familienbiografie „unter besonderer Berücksichtigung“ des Segelns. Im englischen Originaltitel „The Kennedys, a sailboat and the Sea” kommt dies kurz und knapp zum Ausdruck. Auch dies also ein Buch, bei dem ich denke, dass die Formulierung von Titel und/oder Untertitel in der deutschen Übersetzung gründlicher durchdacht werden sollte. Wenn ich diesen Untertitel mir einfach wegdenke, habe ich ein interessantes Buch, das sich nur gelegentlich durch die Nutzung des Fachvokabulars ein bisschen holprig liest.

James W. Graham: Der Kurs der Kennedys. Wie ein kleines Boot die Geschicke einer großen Familie lenkte, mare Verlag, Hamburg, 2015, ISBN: 9783866481954

Mädchenliteratur – mein Vortrag am 10.1.2016

Ich freu mich schon auf nächsten Sonntag, denn da kann ich meinen Vortrag zur Geschichte der Mädchenliteratur noch mal halten 🙂 Anhand von Beispielen einer längeren Zeitspanne (mindestens ab “Trotzkopf“!) werde ich aufzeigen, wie sich der Charakter von Mädchenliteratur – oder “Backfischromanen” – bis heute geändert hat. Manches hat sich aber eben auch nicht geändert …

  • Wann: Sonntag, 10.1.2016, 11-13 Uhr (Einlass ab 10 Uhr)
  • Wo: Café Libresso, Fleischmengergasse 29, 50676 Köln (neben der ZB am Neumarkt)
  • Eintritt: 5,-/3,- €