Der Jugendclub bei Baudach – schwer aktiv

Das finde ich eine wirklich tolle Sache: Der Jugendclub der Buchhandlung Baudach, von dem ich im Frühjahr schon mal erzählt habe, trifft sich weiterhin einmal im Monat. Und gelegentlich – wie jetzt in der Vorweihnachtszeit – gestalten die Mädchen (ja – es ist zur Zeit ein reiner Mädchentreff) ein Schaufenster oder einen Tisch mit ihren Empfehlungen. Dazu gehören dann handgeschriebene Kurzrezensionen und Deko. Sehr ansprechend.

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Auch hier: Blogwichteln 2015

BlogwichtelbuttonDie Glücksfee vom Texttreff hat mir für das diesjährige Blogwichteln hier in der Leselust  Christa Goede zugelost – ich bin sehr gespannt, was die Social–Media–Expertin zu Büchern, Lesen oder vielleicht auch Bibliotheken erzählen wird.

Auch mir wurden Blogs zugelost, und zwar zwei, da ich ja selber zwei Blogs betreibe  – Profi-Wissen ist ja nicht nur zur Vorstellung meiner Dienstleistung vorhanden 😉 :

Und ganz schnell hatte ich für Mama im Job eine Idee – die ist sogar schon online …

Täuschend echt von Henry Keazor

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x1501.jpgVom Cover des Buches, das der Kunsthistoriker Henry Keazor im Theiss Verlag veröffentlicht hat, schaut auf den ersten Blick eine dreiäugige Frau auf mich. Es handelt sich um ein Gemäldedetail, das die Übermahnung des einen Bildes durch eine Fälschung deutlich macht.

Gleich an dieser Stelle möchte ich auf einen Makel in dem sonst so ansprechend gestalteten Buch hinweisen: Obwohl das Papier nach meiner Laienmeinung dafür geeignet wäre, sind die Abbildungen im Inneren des Buches nicht farbig, sondern schwarz-weiß. Zum Teil mag das daran liegen, dass einzelne Artefakte, wie es den Bildunterschriften entnehmen ist, nicht mehr existieren oder unauffindbar sind, so dass man auf ältere fotografische Reproduktionen zurückgreifen muss. Doch es gibt auch Bilder, bei denen eine farbige Reproduktion möglich erscheint – ich finde schade, dass von dieser Möglichkeit kein Gebrauch gemacht  wurde. Außerdem sind die Bilder – also die Reproduktionen von Gemälden und die Fotos von Artefakten – recht klein dargestellt; sie befinden sich in der Regel nur im oberen Drittel der Seite. Ja, ich weiß natürlich, dass Farbbilder teurer sind und das Buch damit zu teuer für den Buchhandel hätte werden können, doch nach dem tollen, großformatigen Cover war diese Entdeckung eine herbe Enttäuschung.

Gold Tiara of Saitaferne

Die Tiara von Saitaphernes ist im Buch das erste Thema im ersten Kapitel

Doch genug gehadert – inhaltlich finde ich das Buch sehr gelungen. Henry Keazor schreibt bei aller Fachbezogenheit einen verständlichen Stil und spart zu gegebener Zeit auch nicht mit Anekdoten. So erzählt er in dem zum Coverbild gehörenden Kapitel “Barock” tatsächlich die Handlung eines Krimis nach, um dann Fiktion und Realität miteinander vergleichen zu können.

Dass Kunstfälschungen keine marginale Angelegenheit im Kunstbetrieb sind, wurde uns Laien ja klar, als Wolfgang und Helene Beltracchi vor ein paar Jahren verurteilt wurden. Mit seinen Nachahmungskünsten hat Wolfgang Beltracchi jahrelang die Kunstwelt genarrt. Seine Kunstfertigkeit liefert die Folie dafür, dass Henry Keazor den technischen Fähigkeiten der von ihm vorgestellten Fälscher ein besonderes Augenmerk widmet. So erfahre ich einiges über Maltechniken, zu Fachbegriffen wie Pasticchio und über Maler, Kunsthändler, Biographen und Fälscher. Beltracchi kommt im Vorwort ausführllich vor und der Themenkomplex um ihn bildet auch den Abschluss der Darstellung – mit der provokanten Frage, ob mit Beltracchi das Ende der Kunstfälschung erreicht sein könnte.

Fake“, „Hoax“ oder dem aus den beiden Begriffen neu entwickelten Phnänomen „Foax“ stellt Henry Keazor in seinem Vorwort ausführlich dar und kommt im Laufe seiner Darstellung immer wieder darauf zurück, um das jeweilige „Werk“ einzelner Fälscher einzuordnen.

Von Maltechniken oder gar den Bedingungen der Bildhauerei habe ich nur sehr wenig Ahnung, doch durch das Buch von Henry Keazor habe ich auf diesem Gebiet eine Menge gelernt. Und wie oben schon mal gesagt: Er schreibt gut 😉

Henry Keazor: Täuschend echt! Eine Geschichte der Kunstfälschung, Theiß Verlag, Darmstadt, 2015, ISBN: 973806230321

PS: In der Rezension zu Christine Vogeleys Buch “Die Liebe zu so ziemlich allem” habe ich zwar an einer Stelle erwähnt, dass sich manchmal die Frage stelle, von wem welches Bild stamme – dass es sich dabei teilweise auch um Fälschungen handelt, habe ich dort verschwiegen …

Lion Feuchtwanger von Andreas Heusler

rp_Rubrik-Biographie-300x2001.jpgVor allem die deutschen Juden werden mit einzigartiger Systematik und atemberaubender Präzision zu rechtlosen Parias herabgewürdigt. (S.212)

Diese Formulierung aus dem ersten Absatz des Kapitels über das Jahr 1933 ist ein gutes Beispiel für den Stil von Andreas Heusler – er kann die Dinge auf den Punkt bringen. In seiner Biografie über Lion Feuchtwanger folgt er dem Leben des Autors von der Jugend bis zu seinem Tod in Amerika, doch beschränkt er sich nicht auf dieses Leben allein. Besonders im ersten Teil, in dem es um Lion Feuchtwangers Leben in München geht, macht sich die profunde Kenntnis des Autors zur Münchner Stadtgeschichte bemerkbar. Er schildert nicht nur das Leben der Familie Feuchtwanger, sondern lässt jede Menge Zeitgenossen und Zeitgenossinnen erscheinen, die mehr oder weniger intensiv mit Lion Feuchtwangers frühem Leben und seiner frühen Autorenschaft verbunden waren. Dabei bettet er das Leben seines Protagonisten in die damaligen Zeitläufte ein. Detailliert lässt er mich als Leserin an der geistigen Buntheit Münchens zur Jahrhundertwende teilhaben – manchmal ein klein bisschen zu detailliert, denn viele der Namen, die er nennt, kann ich nicht wirklich einordnen.

Flugblatt2 Joseph Süß Oppenheimer

Joseph Süß Oppenheimer war das historische Vorbild für Feuchtwangers Roman; hier ein zeitgenössisches Flugblatt

Lion Feuchtwanger stammt aus einer orthodox jüdischen Familien, von der er sich zwar emanzipierte, doch war er sich sein Leben lang bewusst, woher er stammte und was er war. Sein Jüdisch–Sein hat sein Werk immer beeinflusst, nicht nur bei dem Roman „Jud Süß“.
Worauf Andreas Heusler besonderen Wert legt, ist die Tatsache, dass er den Aussagen Marta Feuchtwangers kritisch gegenübersteht. Sie hatte nach dem Tod ihres Mannes für viele Biografen die Deutungshoheit über das Leben des Autors Lion Feuchtwanger. Andreas Heusler gleicht Aussagen Martas mit denen von Menschen ab, die dabei gewesen sind. Dabei wird deutlich, dass sich die Aussagen unterscheiden. Andreas Heusler schließt daraus nicht, dass Marta das Leben ihres Mannes verfälscht habe, sondern weist auf die Möglichkeit von Gedächtnislücken und schlichtem Nicht–Erinnern hin – sowohl bei ihr als auch bei den anderen. Wie zu erwarten, gehören zum Kreis derer, die Lion und Marta Feuchtwanger kannten eine Menge bekannter Namen, wie Bertholt Brecht, Arnold Zweig, die Manns usw.

Ähnlich wie Andreas Heusler bringe auch ich das Thema Sex erst gegen Ende 😉 . Dabei bedient sich der Autor dieser Biografie eines schlichten Tricks: Immer wieder verweist er in Nebensätzen auf Affären und sexuelle Abenteuer Lion Feuchtwangers. Doch erst nach zwei Dritteln des Buches entfaltet er das Thema. Er schildert, auch im Rückgriff, Nebenbeziehungen Feuchtwangers und lässt uns mit gewohnt spitzer Feder auch die Mühen solcher ungewöhnlichen Lebensumstände spüren:

Die denkwürdige Ménage-à-trois nötigt Lion immer wieder zu organisatorischen  Höchstleistungen, um alle Termine, Verpflichtungen und Sexualkontakte zu harmonisieren. Denn neben der emotionalen Energie, die für Marta und Eva aufzubringen ist, und den sexuellen Ressourcen, die für eine Reihe von amourösen Abenteuern erforderlich sind, gibt es ja auch noch diverse literarische Projekte (…). (S. 234)

Sie sehen, ich habe am Stil von Andreas Heusler viel Vergnügen und kann Ihnen aus diesem Grunde seine Biografie empfehlen.

Andreas Heusler: Lion Feuchtwanger. Münchner – Emigrant – Weltbürger, Residenz Verlag, St. Pölten, 2015, ISBN: 9783701744602 .

Don Quijotes Schwester von Root Leeb

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgWas für eine Frau ist AnnaRosa? Diese Frage treibt mich in den ersten Abschnitten des neuen Romans von Root Leeb um; es gibt den Wechsel von AnnaRosas Innensicht, die in der „sie“-Perspektive erzählt wird, zu der Innensicht von Melissa und Bruno  – lauter unterschiedliche Sichtweisen auf AnnaRosa..

Mit einem ersten, für die Fünfjährige traumatischen, Ereignis beginnt das Buch. Weil der Hahn an ihrem Geburtstag sterben musste, hält sich Annarosa (damals noch mit kleinem „r“) für verantwortlich. Dieses Verantwortungsgefühl und diese Empathie sind Triebfedern ihres Lebens und Handelns.

Melissa, AnnaRosas ältere Schwester, erzählt in der Ich-Perspektive. Sie ist Psychologin von Beruf und ihre Stimme wirkt zu Beginn sehr überzeugend, wenn sie das Leben ihrer Schwester berufsbedingt als gefährdet und behandlungsbedürftig schildert. Schließlich kennt sie AnnaRosa von Kindheit an und kann viele Ereignisse aus eigener Anschauung beschreiben

Die dritte Stimme im Kammerkonzert dieses Romans von Root Leeb gehört Bruno, einem der beiden Männer in AnnaRosas Leben.

Der Titel “Don Quijotes Schwester” fällt Melissa erst gegen Ende der Geschichte für ihre Schwester als Bezeichnung ein. Bis dahin ist mir schon klar geworden, dass Melissa vor allem auf das Pathologische schaut und dieser Blick nicht die einzige Perspektive ist, aus der man AnnaRosas Leben betrachten kann. Melissa hat diesen Namen gefunden, um ihre Schwester zu beschreiben, diese junge Frau, die sich vorgenommen hat, die Welt zu retten, die Aktionen startet, deren Charme den Wunsch aufkommen lassen, sie seien real. Diese Sitzmöbel in der Stadt zum Beispiel oder auch die Castingshow mit Kindergartenkindern. Melissas Intention dabei ist es allerdings, die Aussichtslosigkeit und in ihren Augen Absurdität von AnnaRosas Einstellungen auszudrücken.

Root Leeb erzählt liebevoll, ein bisschen ironisch und teilweise in bezaubernden Bildern:

A monograph of the weaver-birds, Ploceidae, and arboreal and terrestrial finches, Fringillidae (1888) (14747374091)„… und die beiden waren aufgekratzt wie ein Spatzenpaar im Morgenwind. (S. 174)“

„Der Wetterbericht hing am Himmel. Für alle deutlich sichtbar. Er musste nur gelesen werden. Wie indigofarbene Wattefetzen zogen die Wolken über die Stadt, als AnnaRosa das erste Mal wieder ins Freie trat. (S. 111)“

Bei aller Poesie bringt Root Leeb durch AnnaRosas Engagement Themen aufs Tapet, die tatsächlich Fragen unserer Zeit sind. AnnaRosa geht es um Nachhaltigkeit, Konsumkritik, Gerechtigkeit und Lebensqualität für alle – darunter tut sie‘s nicht.

Zu Beginn des Buches hatte ich Einstiegsschwierigkeiten, doch nach und nach nahmen mich AnnaRosa, Melissa und eben Root Leeb so gefangen, dass ich aufpassen musste, nicht meine Station zu verpassen.

Root Leeb: Don Quijotes Schwester, ars vivendi Verlag, Cadolzburg, 2015, ISBN: 978386935731.

PS: Root Leeb ist übrigens die Ehefrau von Rafik Schami, dem Autor des diesjährigen Buches für die Stadt in Köln, zu dem ich letzte Woche ein paar Hintergrundinformationen gegeben habe.

Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami als Buch für die Stadt

Die Häuser sind aus Lehm gebaut. In jedem leben mehrere Familien, und jedes Haus hat einen Innenhof, der allen Nachbarn gehört, sie zusammenbringt und streiten lässt. Das Leben der Erwachsenen findet in den Innenhöfen statt. Die Straße gehört uns Kindern, den Bettlern und den fliegenden Händlern. (Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami, Beltz + Gelberg, Weinheim/Bergstraße,1987,S. 6f)

Biographie Rafik Schami

So schildert Rafik Schami die Gasse in Damaskus, in der er aufgewachsen ist in seinem ersten Roman „Eine Hand voller Sterne“ von 1987, dem diesjährigen „Buch für die Stadt“ in Köln.

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren – an welchem Tag ist unklar; in seinem Essay „Hürdenlauf“ (im Essayband “Damaskus im Herzen und Deutschland im Blick“; der Essay ist neben anderern aus dem Band die Grundlage für die folgenden biographischen EInzelheiten) schildert er die damalige Situation: 1946 gewann Syrien die Unabhängigkeit von der französischen Besatzung/Kolonialherrschaft. Da die Franzosen die Minderheiten ein bisschen besser behandelt hatten als die muslimische Mehrheit, fürchtete die aramäisch-christliche Familie Repres­salien und zog sich im Sommer ins Heimatdorf Malula zurück. Der Vater kehrte früh in die Stadt zurück, denn er hatte eine Bäckerei erworben; im Herbst folgte die ganze Familie und erst im Winter fand der viel beschäftigte Vater die Zeit, die Geburt seines Sohnes beim Amt zu melden. Da er nicht zugeben wollte, dass das Kind schon mehrere Monate zählte, gab er keine konkrete Angabe und der Beamte notierte eigenmächtig den 23.6. Weiterlesen

Biographien-Vorstellung am 4.11. in Köln-Dellbrück

Foto: A. Jüttner

Foto: A. Jüttner

Am Mittwoch, den 4.11.2015, werde ich in der Buchhandlung Baudach Autorenbiographien vorstellen – eine (hoffentlich …) kurzweilige Art, einen Eindruck von Büchern zu bekommen, die ihren Leserinnen Leben und Werk einzelner Schriftsteller nahebringen. Natürlich gibt es auch den einen oder anderen Gedanken rund um das Thema Biographie. Und wenns passt, erwähne ich auch noch die eine oder andere Biographie. Aber ausführlich, mit Lesehäppchen aus den Biographien, stelle ich vier Bücher vor.

Welche Autoren dran kommen?

  • Lion Feuchtwanger
  • Kurt Tucholski
  • Arthur Schnitzler

Und als Gutsle die Biographie eines Hotels und seiner Chefin: Anna Sacher.

Ich würde mich freuen, den einen oder die andere von meinen Leserinnen übermorgen in der Buchhandlung Baudach begrüßen zu können. Einen Platz reservieren können Sie entweder telefonisch unter 0221 681425 oder per E-Mail info@buchhandlung-baudach.de . Eintritt: VVK 5,-/AK 6,- €.