Miss Garnet und der Engel von Venedig von Salley Vickers

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgAls Juliet Garnet nach Venedig aufbricht, ändert sich ihr Leben. So weit, so vorhersehbar. Aber Salley Vickers hat eine angenehme Art, Venedig “erscheinen” zu lassen – mit den Augen Juliet Garnets gesehen, der Ruheständlerin, ehemaligen Lehrerin, Kommunistin und, ja eben, alten Jungfer.

Zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Harriet wollte, nein sollte Juliet Garnet nach dem Eintritt in den Ruhestand eine Reise machen. Doch Harriet stirbt vor Reiseantritt. Und Juliet, die sonst bei dem beharrt, was sie kennt, geht hin und macht den Traum der Mitbewohnerin wahr; “Venedig” hört sie sich selber als Antwort auf die Frage nach dem Wohin antworten. Weiterlesen

Lesung im Café Libresso

Die Sammel- und Redaktionstätigkeit der Brüder Grimm war ebenfalls Thema - und einige der Märchen im Programm stammen aus ihrer Sammlung

Die Sammel- und Redaktionstätigkeit der Brüder Grimm war ebenfalls Thema – und einige der Märchen im Programm stammen aus ihrer Sammlung

Wo ich gerade die anstehenden Termine vermeldet habe, möchte ich doch auch noch erzählen, wie es  mit meiner Lesung “Wie Märchen uns die Welt erklären” im Café Libresso am 16.8. gelaufen ist.

Eine neue Erfahrung für mich war der Szenenapplaus – nach fast jedem Märchen wurde geklatscht. Das war ein tolles Gefühl. In der Mitte des Vortrags gibt es dann ein bisschen Hintergrundwissen zum Märchensammeln im 19. Jahrhundert, zum ATU-Index und hier auch eine kleine Diskussion, die recht lebhaft ausfiel. Das war in dieser Form für mich auch neu – im Café Libresso gibt es halt öfter auch philosophische Diskussionen, das habe ich dem Publikum angemerkt.

Und wissen Sie, was das Schönste ist? Im Januar werde ich dort wieder lesen!

Am 10.1.2016, um 11 Uhr (Einlass ab 10 Uhr) und zwar zum Thema Mädchenliteratur.

Termine der Leselust im September

Der September naht und mit ihm zwei Termine, auf die ich mich schon sehr freue:

So sieht die Sonderausgabe aus, die dr Verlag Beltz und Gelberg aufgelegt hat.

So sieht die Sonderausgabe aus, die der Verlag Beltz aufgelegt hat.

Am 3.9. bin ich in der Melanchthon-Akademie hier in Köln zu  Gast und werde etwas zum “Buch für die Stadt” erzählen. Dieses Kultur-Frühstück ist eine feine Einrichtung, immer donnerstags zwischen 10 und 12:15 Uhr. Es gibt tatsächlich ein leckeres Frühstück und dann natürlich angeregte Gesspräche im Anschluss an einen Vortrag – da hat man mal Zeit für Austausch, raus aus dem engen Zeitkorsett von 90 Minuten & Co.

Das “Buch für die Stadt” ist dieses Jahr Rafik Schamis Roman “Eine Hand voller Sterne” – das Tagebuch eines Bäckerjungen aus Damaskus, der nicht Bäcker, sondern Autor, im Verlauf der Jahre Journalist werden will. Die politischen Einschränkungen und den Reiz seiner Heimatstadt Damaskus hat Rafik Schami hier wundervoll eingefangen – ich freu mich sehr auf die Veranstaltung.

Anmeldemöglichkeiten für das Kulturfrühstück gibt es hier.

Und schon drei Tage später, am Sonntag, dem 6.9.2015, gibt es eine weitere Premiere:

“Lyrik und Jazz” heißt das Programm, das ich zusammen mit Thomas Becker und der Flötistin Annette Grahe in der Pauluskirche in Köln-Dellbrück vorstellen werde.

Plakat für Lyrik und Jazz am 6.9.2015

Plakat für Lyrik und Jazz am 6.9.2015

Für diesen Abend habe ich deutschsprachige Gedichte ausgewählt, die von der Tendenz her etwas mit Selbstaussagen zu tun haben, sei es “real”, sei es eine Rolle, weil Jazz ja auch die Möglichkeit bietet, dass sich die Musiker individuell ausdrücken. Thomas Becker hat dann aus seinem reichhaltigen Repertoire unterschiedliche Jazz-Stücke ausgewählt. Mehr wird nicht verraten ;-).

  • Wo: Pauluskirche, Thurner Str. 105, 51069 Köln-Dellbrück
  • Wann: Sonntag, 6.9.2015, 18 Uhr
  • Eintritt: frei, Spende erbeten

Der wilde Kontinent von Keith Lowe

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x150.jpgKeith Lowe beginnt sein Buch über die Auswirkungen des zweiten Weltkriegs mit Erfahrungen, die Angehörige aller am Krieg beteiligten Nationen immer wieder erzählen:

  • zerbombte Städte
  • zerstörte Straßen und Schienenwege
  • vergewaltigte Frauen
  • hungernde Menschen

Das alles habe ich in meiner Familie erzählt bekommen und Sie vielleicht auch. Es gibt auch heute noch eine gewissen Vertrautheit mit dem Thema.

Doch Keith Lowe geht weiter und tiefer ins Thema hinein. Zum Einen weitet er den Blick über West- und Mitteleuropa hinaus aus, hin in den Osten und Südosten des Kontinents, Regionen, deren Erfahrungen aus der Zeit zum großen Teil erst seit den 90er Jahren zugänglich für die Wissenschaft sind. Und zum Anderen geht er den Motiven und Hintergründen für die Greueltaten der Zeit detailliert nach.

Wer hat wann und warum andere Menschen ungebracht, gefoltert, vertrieben?

  • Menschen, die aus den KZ und Arbeitslagern befreit wurden, wollten Rache.
  • Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter ebenso
  • Widerstandskämpfer und Kollaborateure gerieten aneinander
  • Soldaten, die Greuel durch die Besatzungsmächte erlebt hatten, rächten sich ihrerseits

Darauf aufbauend schildert er die ethnisch begründeten Säuberungen – nach der späten Kriegs- und der Nachkriegszeit hatte Europa sein Gesicht verändert: Vorher multiethnische Regionen waren nun ethnisch “sortiert”. Der Weg dahin bestand aus Vertreibungen und Massakern. Dazu gehören nicht nur die Vertrteibunge deutschstämmiger Menschen in Tschechien und der Slowakei oder in Polen, sondern auch Auseinandersetzungen zwischen Serben, Kroaten und anderen Völkern auf dem Gebiet Jugoslawiens, Umsiedlungen von Serben und Ungarn in den jeweiligen Grenzgebieten, Umsiedlung innerhalb der neuen Staatsgrenzen Polens und vieles mehr.

Eure Schuld

Solche Plakate zeigten den Deutschen im Sommer 1945 die Greuel der KZs

Den Abschluss bildet das Kapitel über die Bürgerkreige, die dem zweiten Weltkrieg in manchen Gegenden folgten und teilweise jahrelang andauerten.

Sie sehen, die Kapitel bauen aufeinander auf und Keith Lowe verweist gern vor und zurück, betont an anderer Stelle bereits Erwähntes noch mal und macht so seine Argumetation transparent und  nachvollziehbar. Er nimmt mich als Leserin mit hinein in seine Gedankenfolge, denn er nutzt gern und in mehrfacher Hinsicht das “Wir”:

  • für die Alliierten, besonders die Briten, zu denen er sich selber zählt
  • für die Historikerinnen, die die verschiedenen Bereiche bearbeitet haben
  • für die Menschen, die lange nach der geschildeten Zeit ein Bild von ihr haben, beruhend auf Erzählungen, Überzeugungen, Propaganda und nationalen Mythen

Es ist also einerseits ein gut lesbares und verständliches Buch, das Informationen zusammenträgt, die in solcher Form selten so zusammengefasst wurden. Die Argumentation, wie schon erwähnt, ist klar, nachvollziehbar und wenn man sich die Mühe macht, den reichen Anmerkungsapparat zu berücksichtigen, auch belegbar. Andererseits ist der Inhalt des Buches streckenweise nur schwer erträglich, denn Keith Lowe schildert die Greueltaten auf allen Ebenen, nimmt Augenzeugenberichte hinzu und mutet mir damit ganz schön was zu:

  • die Lage in den KZs und Arbeitslagern der Nazis, einschießlich der Todesmärsche gegen Ende des Krieges
  • die Lage der Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter
  • die Situation derer, die feindlichen Truppen in die Hände fielen
  • der Hunger in den zerbombten Städten
  • die Racheakte gegenüber Kollaboratuerinnen und Kollaborateuren (übrigens wurden die Frauen, die ein Liebesverhältnis mit dem Feind unterhielten stärker “bestraft” als die Männer, die Geschäfte mit ihnen machten …)
  • die Folgen der zerbombten Infrastruktur – aufgrund zerstörter Schienenwege und Straßen konnten die Flüchtlinge und Vertriebenen, die Kriegsheimkehrer und die Kriegsgefangenen der Alliierten nicht versorgt werden
  • die Situation in den Lagern der Alliierten
  • die Lynchjustiz allerorten

Antisovjet russian partisan hunters 1942

Eine Gruppe von antisowjetischen Partisanenjägern, die mit den Nazis zusammenarbeiteten. Sie hatten nach dem Krieg Repressalien zu befürchten.

Hinzu kommen die politischen Differenzen; obwohl die Westalliierten mit der UdSSR gemeinsam Nazideutschland besiegt hatten, war von vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Konservativen und Kommunisten keine Rede – das zog sich durch bis in die unteren Ebenen der Kommunen; der Widerstand der kommunistischen Kämpferinnen und Kämpfer wurde diskreditiert, Rechtsgesinnte kamen schnell wieder in Amt und Würden; ehrlich gesagt hat mich die Schilderung der politischen Zwiste der Zeit (1943-1950 ist der Berichtszeitraum) mit ganz anderen Augen auf Don Camillo und Peppone blicken lassen …

Auch in diesen politischen Konflikten floss reichllich Blut, sie waren Anlass für Bürgerkriege und politische Gewalt in Griechenland, in Rumäniern und in den osteuropäischen Ländern, die sich großenteils nicht friedlich als Satellitenstaaten der UdSSR einrichteten. Aber auch Frankreich und Italien wurden der politisch motivierten Gewalt nicht verschont.

Alles in allem also eine fordernde Lektüre auf diesem Gebiet; das Verdienst von Keith Lowe besteht darin, dass er das Prozesshafte dieser Zeit und ihrer Greuel deutlich macht und dabei die verschiedenen Faktoren, die in privaten Erzählungen unverbunden nebeneinander stehen, in Zusammenhang setzt und manche politische Entscheidung zu Beginn des Kalten Krieges verständlich macht. Ein durch und durch empfehlenswertes Buch.

Keith Lowe: Der wilde Kontinent. Europa in den Jahren der Anarchie 1943-1950, übersetzt von Stephan Gebauer und Thorsten Schmidt, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN: 9783608948585

Diese Besprechung gehört in die Reihe zu Thema ’45.

Die Münze von Akragas von Andrea Camilleri

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgAndrea Camilleri erzählt in dem schmalen Band, wie er in der Anmerkung am Schluss berichtet, eine Geschichte aus seinem eigenen Familienumfeld – so eine Geschichte, die, weil sie eine gute Geschichte ist, immer weiter erzählt wird und wo der Wahrheitsgehalt nicht sooo wichtig ist.

Gloeden, Wilhelm von (1856-1931) - n. 0043

So ähnlich mögen Cosimo und seine Kumpels ausgesehen haben, als sie auf dem Feld arbeiteten.

Worum es geht? Um eine kleine Münze aus der griechischen Epoche auf Sizilien, eine besondere Münze wohlgemerkt, von der nur eine geringe Auflage geprägt wurde. Nachdem Andrea Camilleri die Ausgangssituation von 406 v. Chr.  – die Eroberung von Akragas durch die Karthager – geschildert hat, springt er im zweiten Kapitel ins frühe 20. Jahrhundert: 1909. Ein Bauer findet eine kleine goldene Münze und will sie dem Arzt schenken, der ihn davor bewahrt hat, sein Bein zu verllieren, denn der Arzt ist als Numismatiker bekannt. Und er ist so beschlagen in seinem Hobby, dass er beim Anbllick der Münze vom Pferd fällt und sich das Bein bricht. Nachdem Andrea Camilleri in einem eigenen Kapitel die Geschichte der Schwestermünze im Zusammenhang mit dem Erdbeben von Messina 1908 erzählt hat, geht die Geschichte um die kleine Akragas in Vigata auf tragische Weise weiter: Beim Sturz vom Pferd verschwand die Münze, der Bauer, der sie dem Arzt schenken wollte, wird von diesem ermordet aufgefunden – und wo um alles in der Welt ist die Münze?

Auf nur 120 Seiten entfaltet Andrea Camilleri einen kleinen Kosmos in einer sizilianischen Kleinstadt – und führt sie zu einem überraschenden Schluss, denn nicht nur der Arzt, sondern auch der italienische Königt ist ein begeisterter Numismatiker.

Andrea Camilleri erzählt im Präsenz, einfach, so wie eine solche Geschichte wohl auch im Familienkreis erzählt würde. Er hat dem Skelett der Familienüberlieferung aber jede Menge Fleisch, Sehnen, Haut und Muskeln mitgegeben, so dass sie nun über diese Ursprungsituation hinaus interessant ist. Ein nettes kleines Buch für einen Lesenachmittag – ein bisschen sizilianische Geschichte, ein bisschen Spannung …

Damit ich als Leserin auch weiß, wie diese Münze nun aussieht, gibt es am Anfang Abbildungen der Vorder- und Rückseite.

Andrea Camilleri: Die Münze von Akragas, übersetzt von Annette Kopetzki, Nagel & Kimche Velag, München, 2012, ISBN: 3798312004959

Kölner Stadtbibliothek ist Bibliothek des Jahres 2015

Herzlichen Glückwunsch, liebe Kölner Stadtbibliothek! Das ist eine erfreuliche Nachricht. Und als Nutzerin kann ich nur sagen: Weiter so! Mutig bleiben.

Vor allem in Zusammenhang mit der Generalsanierung, die zwischen 2017 und 2021 ansteht – nach den üblichen Erfahrungen mit öffentlichen Bauten, kann einem da schon schwummerig werden. Das Ganze dann noch bei laufendem Betrieb – eine Belastung für Mitarbeitende und Leserinnen, wie die UmZB rotbauten in den letzten Jahren schon gezeigt haben. Doch die Leiterin, Dr. Hannelore Vogt, ist zuversichtlich – das bin ich dann auch mal.

Am 24.10. ist dann um 16 Uhr die Preisverleihung im Historischen Rathaus – gerade mal zwei Wochen nach dem Start einer tollen Neuerung: Die ZB am Joseph-Haubrich-Hof wird ab 1.10.2015 auch montags geöffnet haben. Ich bin durchaus neugierig, wie die Arbeitsabläufe verändert werden, um den Wegfall des Tags der internen Arbeit aufzufangen.

Falsches Zeugnis von Birgit Ebbert

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgBirgit Ebbert hat ihre Karina Bessling mal wieder auf eine Spur gesetzt; der Erfolg ihres Buches – also das von Karina 😉 – über die Postkarten ihrer Tante Katharina hat der jungen Bauingeneurin nicht nur Lesungstermine, sondern auch Anfragen anderer Art gebracht, z. B. die Mitgliedschaft in einer Jury.

Aber der Reihe nach. Birgit Ebbert beginnt nämlich nicht mit Karina, sondern mit der Innensicht einer Person, die gleich auf den ersten Seite ein äußerst gesetzwidriges Verhalten an den Tag legt. Das Thema: Briefe, die von Anne Frank stammen könnten und zwar aus der Zeit nach ihrer Verhaftung und Deportation. Also genau die Zeit und der Themenkomplex, in denen sich Birgit Ebbert bestens auskennt. Diese – fiktiven! – Briefe schieben sich immer wieder zwischen die beiden zeitgenössischen Handlungsstränge, den von Karina und den der lange namenlos agierenden anderen Person. Weiterlesen

Märchenstunde im Café Libresso in Köln

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Auch sie haben ätiologische Märchen in ihrer Sammlung – die Brüder Grimm

Ich freue mich sehr darauf, nächste Woche Sonntag im Café Libresso in Köln mit meiner Lesung “Wie Märchen uns die Welt erklären” zu Gast sein zu dürfen. Ab 10 Uhr können Sie dort Platz nehmen, um 11 Uhr beginnt die Lesung und insgesamt können wir uns dann bis 13 Uhr dazu austauschen.

  • Wo: Café Libresso, Fleischmengergasse 29 (gegenüber der Stadtbibliothek), 50676 Köln, Tel.: 0221-237379, Email: info@cafelibresso.de
  • Wann: So, 16.8.2015, 10-13 Uhr
  • Eintritt: 5,-/3,- €

 

Veränderte Vergangenheiten von Richard J. Evans

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x150.jpgVor anderthalb Jahren habe ich das Buch “Der falsche Krieg” von Niall Ferguson hier vorgestellt – und dabei das Spekualtive des Werks als unangemessen empfunden. Leider war das heute vorgestellte Buch von Richard J. Evans damals noch nicht erschienen. Er schreibt “Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte” – es ist quasi ein Buch gewordener Vortrag, wie er im Vorwort erläutert und bietet die Metaebene, um das Buch von Ferguson – und natürlich auch die Werke anderer, die sich mit kontrafaktischer Historiographie befassen – einordnen zu können. Weiterlesen