Tanizaki Jun’ichirō bei Manesse

Heute vor 50 Jahren starb der japanische Autor Tanizaki Jun’ichirō. Seine Werke sind auch in Europa und in  den USA viel gelesen worden. Mir waren auf der Buchmesse im Oktober die drei schön aufgemachten schmalen Bände aus dem Manesse-Verlag aufgefallen:

Die Buchtitel von Tanizaki Jun’ichirō, wie ich sie im Oktober gesehen habe.

Die Buchtitel von Tanizaki Jun’ichirō, wie ich sie im Oktober gesehen habe.

Japan ist ja eh’ so ein Sehnsuchtsland von mir – also habe ich mich mit den Büchern beschäftigt.

Der Stil dieser Essays ist so eigenartig, dass ich erst mal zu Sekundärliteratur griff, um mich über den Autor und seine Zeit schlau zu machen. Tanizaki Jun’ichirō hat in den verschiedenen Phasen seines langen Lebens sein Thema – die Suche nach der Schönheit – unterschiedlichst abgehandelt. Als junger Autor nutzte er die noch recht frisch in Japan bekannt gewordenen Stilmittel des Westens. Der Japanologe Eduard Klopfenstein (der auch die vorliegenden Bücher übersetzt hat), spricht von einem Ästhetizismus, der sich an die Literatur des Fin de Siècle anlehnt. Weiterlesen

Hauptsache Lyrik – das poetOmobil in Wuppertal

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111.jpgFür den Fall, dass Sie gestern nicht WDR 5 hören konnten: Am Wochenende gibt es für Lyrikfans und die, die es werden wollen Aktionen mit dem poetOmobil in Wuppertal. Dass Lyrik vom und mit dem Klang lebt, ist ja kar – nicht umsonst gehe ich und gehen viele andere hin, um Gedichte zu rezitieren. Doch die Herangehensweise von Olaf Reitz und Thomas Beimel ist noch mal ein bisschen “bunter”. Lassen Sie sich überraschen.

Die genauen Zeiten fürs Wochenende, wann die beiden wo in Wuppertal sind, finden Sie hier. Viel Spaß!

An dieser Stelle schon mal ein kurzer Hinweis auf “Lyrik und Jazz” – ein Projekt von Thomas Becker und mir am 6.9.2015 in der Pauluskirche in Köln-Dellbrück, Thurner Str. 105, 51069 Köln.

Es muss nicht immer Kaviar sein von Johannes Mario Simmel

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgDas war jetzt ein paar Tage lang meine Sommerlektüre – ein Klassiker der Unterhaltungsliteratur: Der achte Titel, den Johannes Mario Simmel verfasste und der wahrscheinlich nicht nur in meinem Haushalt sein Dasein in der Küche fortführen wird.

Bisher habe ich nichts von Johannes Mario Simmel gelesen – doch als mir eine Bekannte letztens davon erzählte und es dann so heiß wurde, war das genau die richtige Lektüre: leicht und heiter. Wer mein Blog schon ein bisschen kennt, weiß, dass ich Karl-May-Leserin bin und da habe ich eine besondere Schwäche für die Münchmeyer-Romane. Genau in die Kategorie fällt auch “Es muss nicht immer Kaviar sein”. Weiterlesen

Bücher von Uwe Jochum

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x150.jpgDer Untertitel des Buchs “Bücher” von Uwe Jochum “Vom Papyrus bsi zum E-Book” hat ein bisschen den Ruch des Understatements, denn er fängt nicht mit den alten Ägyptern an, sondern schon in der Steinzeit.

Die Steine mit Ritzzeichen, die Höhlenmalereien, die v. a. aus Frankreich bekannt sind und die mehrere 100.000 Jahre alt sind, stellt er als erste Beweise für abstraktes Bewusstsein und die Umsetzung von Ideen dar. Dabei schildert Uwe Jochum nicht nur die verschiedenen Forschungsetappen der Archäologie und ihre Ergebnisse, er weist auch über die Archäologie hinaus. Die Geschichte der Menschen im “fruchtbaren Halbmond”, die 2.000 bis 3.000 Jahre her ist, schildert er mit modernen Begriffen, so dass sie uns naherückt und Tontafeln als “mobile Medieneinheit” nichts Befremdliches mehr haben. Weiterlesen

Madame Merckx trinkt keinen Wein von Lisa Graf-Riemann

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgWas für eine schöne Gegend – das Languedoc. Und Lisa Graf-Riemann beschreibt es so, dass man sofort dorthin will. Dabei ist es gar kein Reiseführer, sondern ein Krimi, und zwar ein  Südfrankreichkrimi, so stehts unter dem Titel ;-).

Gleich zu Anfang bekommt man eine Kostprobe von ländlicher Frömmigkeit – Isa wandert zur Kapelle von Saint Martin des œufs und erlebt mit, wie die Küsterin Mado mit dem Heiligen verhandelt: Sie will als Mitglied eines Reiseclubs im Oktober verreisen, doch ihr Mann Jean ist der Meinung, dass das nur rausgeschmissenes Geld sei. Ob Staint Martin da nicht was deichseln könne?

Nächstes Kapitel, nächster Schauplatz: Jean ist mit Laurent auf Mufflon-Jagd. Am Ende muss er Laurent den ganzen beschwerlichen Weg ins verlassene Dorf tranportieren und dann noch die Ambulanz rufen, denn Laurent hat sich selber in die Schulter geschossen. Jean ist stinkesauer und verkrümelt sich in sein Refugium, eine alte Hütte auf seinem ehemaligen Weinberg. Dort hängt er seinen Gedanken nach, übernachtet dort, wärmt sich früh am nächsten Tag mit einem Schnäpschen auf und macht sich auf den Heimweg. Weiterlesen

Zum Nachhören: Bücherkarawane in Marokko

Kalligraphie in Stuck - in Marokko ein häufig anzutreffende Form der Verzieung

Kalligraphie in Stuck – in Marokko ein häufig anzutreffende Form der Verzieung

Marokko, das übrig gebliebene Urlaubsziel in Nordafrika, hat neben wunderbarer Landschaft und großen Kulturschätzen auch ein paar Schattenseiten. Eine davon ist die hohe Analphabetenrate. Dem stemmen sich verschiedene Initaitiven entgegen. Eine können Sie in dem Radiobeitrag von Conny Frühauf kennenlernen: die Bücherkarawane.

PS: Bei den Bildern, die dem beitrag beigegeben sind, bekomme ich Lust, Marokko noch einmal zu besuchen – genau so habe ich den Süden des Landes auch kennengelernt.

Die Schnitzlers von Jutta Jacobi

rp_Rubrik-Biographie-300x20011-300x200.jpgJutta Jacobi erzählt “Eine Familiengeschichte” über mehr als fünf Generationen – vom Großvater, vor allem aber vom Vater des berühmten Autors Arthur Schnitzler bis zu dessen Urenkeln. Mit einer davon, Giuliana, trifft sie sich, besucht Stätten der Familiengeschichte, bekommt persönliche Einblicke. Der persönliche Touch ihrer Erzählung macht das Buch angenehm und unterhaltsam zu lesen.

Wer erwartet, nun gleich auch eine Einführung in das Werk des Autors Arthur Schnitzler zu bekommen, wird vielleicht enttäuscht, denn das spielt nur dann eine Rolle, wenn es im privatn oder gesellschaftlichen Leben der Familie Wellen schlägt – “Leutnant Gustl” z. B., der seinen Autor den Rang im Militätr kostet oder das berühmte Stück “Reigen”, das einen Theaterskandal erster Güte nach sich zog.

Ansonsten geht es erst um den Aufstieg des kleinen Ostjuden Johann Schnitzler, dier sich als Arzt in Wien nach oben kämpft und gegen Ende seines Lebens mit dem aufkommenden Antisemitismus konfrontiert wird. Es geht um Arthur Schnitzler, der sein Medizinstudium zu Ende bringt und bis zum Tod des Vaters als Arzt praktiziert – eine Laufbahn als Dichter traut er sich erst danach einzuschlagen. Es geht um die Zeitläufte, die einem Autor jüdischer Herkunft nicht besonders wohl wollen; Arthur Schnitzler erlebt nur die Anfänge des italienischen Faschismus hautnah mit: Seine Tochter Lili heiratet mit nur 17 Jahren Arnoldo Cappellini, einen Faschisten, den sie sehr bewunderte, genau wie ihre Mutter Olga. Arthur Schnitzler unterstützt das junge Paar. Unvorstellbar, oder? Ein jüdischer Schrftsteller, der den Antisemitismus selbst erlebt hat, schon bei seinem Vater, lässt zu , dass seine geliebte Tochter einen Faschisten heiratet. Lili schoss sich ein Jahr später eine Kugel in die Brust und starb an einer Blutvergiftung. Es geht um die Familie seines Sohns Heinrich, die in die USA emigrierte. Dessen Sohn Peter gründete dort seine Familie – seine Tochter Giuliana ist die oben erwähnte Gesprächspartnerin von Jutta Jacobi. Und dann gibt es dann noch die Menschen aus den für uns “Nebenzweigen” der Familie – die Nachfahren der Geschwister von Johann und Arthur

Manche Szenen muten ein bisschen theatralisch an – so, wenn Jutta Jacobi der Mutter Arthur Schnitzlers beim Briefeschreiben über die Schulter blickt und sie um Erlaubnis bittet, diese Briefe lesen zu dürfen. Oder die Szene, wenn die Familie 1873 zur Eröffnung der Weltausstellung fährt und Jutta Jacobi so eine von den Fragen in den Raum stellt, die einen schon mal beschleichen, wenn man sich die Mode der damaligen Zeit in Erinnerung ruft:

Ich stelle mir vor: Louise Schnitzler im Tournürenkleid, wie es die Moden seit 1870 den Damen vorschreibt und frage mich, wohin beim Sitzen mit dem hufeisenförmigen Gestell oberhalb des Gesäßes, das dem Rock die gewünschte Form und jeder Trägerin die Silhouette einer gut gemästeten Gans verleiht. (S. 64)

Pierre-Auguste Renoir 089

An der Charakterisierung der Mode ist was dran, oder? Hier ein Exemplar von Renoir.

Ich habe an der Stelle laut gelacht – ein bisschen viel Phantasie, ein bisschen wenig sachliche Distanz, ja, das stimmt. Aber wie schon gesagt: Solche Episoden verleihen Eingängigkeit, leichte Lesbarkeit. Und warum soll ich mich beim Lesen einer Biographie nicht auch unterhalten lassen?

Der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig auf den männlichen Familienmitgliedern – der Arzt, der Autor, der Regisseur, der Maler und Dokumentarfilmer, der Musiker. Auch die Frauen machen Karriere, erobern sich einen Platz in der Welt – doch das kommt nur am Rande vor. Dem Untertitel “Eine Familiengeschichte” wird das Buch nur in beschränktem Maße gerecht, denn schon die Seitenanzahl macht deutlich, dass Arthur Schnitzler, zusammen mit seinem Vater Johann, den Hauptteil ausmacht. Verständlich, denn ohne seinen Vater wäre Arthur Schnitzler nicht geworden, was er war.

Ganz am Ende ihres Buches hat Jutta Jacobi notiert, wie die heutigen, weit vertreuten Schnitzlers kommunizieren: Sie skypen. Keine langen Briefe mehr, aus denen spätere Biographen ihre Informationen ziehen können …

Gesamtfazit: Eine in weiten Teilen gut lesbare Biographie einer österreisch-amerikanisch-österreichischen Familie.

Jutta Jacobi: Die Schnitzlers. Eine Familiengeschichte, Residenz Verlag, St. Pölten, 2014, ISBN: 9783701732791 .