Helene Hanff in London – Neuausgabe

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgLetztes Jahr habe ich Ihnen ein paar Bücher von Helene Hanff vorgestellt – eins davon war gerade neu im Atlanik-Verlag herausgegeben worden. Nun haben sie dort auch den Folgeband neu aufgelegt – Sie können also “Die Herzogin von der Bloomsbury Street” in der gleichen hübschen Aufmachung erwerben wie schon “84, Charing Cross Road“. Viel Vergnügen!

Die Verlosung für “Sommerzeit – Lesezeit” ist erfolgt

Tja, einige der Titel in der Verlosung fanden gar keine Liebhaberinnen, andere nur nur jeweils eine – und so kam Martin nur in drei Fällen zum Einsatz:

Martins Arbeitsgrundlage: Drei Bücher mit ihren Losen, das Schälchen zum Ziehen der Lose

Martins Arbeitsgrundlage: Drei Bücher mit ihren Losen, das Schälchen zum Ziehen der Lose und das schöne gelbe Tuch

Vier Namen stand für das Tagebuch der Gräfin auf den Zettlechen, hier kommt die Gewinnerin:

Herzlichen Glückwunsch, Janina Held

Herzlichen Glückwunsch, Janina Held

Bei Banana Yoshimoto waren es zwei, die es sich wünschten:

Gllückwünschchen an Margret Graf

Gllückwünschchen an Margret Graf

Ebenfalls zwei waren es für das Finnische Feuer:

Viel Spaß beim Lesen, Nina Bodenlosz

Viel Spaß beim Lesen, Nina Bodenlosz

“Konzert ohne Dichter” geht ohne weitere Konkurrenz an Annegret Harms. Und “Die Lügen jener Nacht” ebenso an Monika Gatzke.

Allen Gewinnerinnen noch mal herzlichen Glückwunsch und allen, die mitgemacht haben ein herzliches Dankeschön.

Martin und ich wünschen Ihnen allen eine erfreuliche, lesehaltige Sommerzeit und freuen uns schon darauf, wieder mal eine Verlosung zu inszenieren.

Gedicht zum Tag: Sommerfrische von Joachim Ringelnatz

Sommerfrischerp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111.jpg

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil’s wohltut, weil’s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

Joachim Ringelnatz

Sommerzeit – Lesezeit: Verlosung

Die Sommerferien nahen, Zeit für ausführliche Lektüre. Deshalb gibt es hier auf der Leselust eine Verlosung zum Sommerauftakt. Zu einigen der Titel finden Sie hier auch Rezensionen. Ansonsten bekommen Sie Infos auf den Verlagsseiten.

Was gibt’s zu gewinnen?

9 völlig unterschiedliche Titel!

  1. Leitfaden für amerikanische Soldaten im Irak 1943

    Ferien am Meer

    Ferien am Meer

  2. Judith Merchant: Die Lügen jener Nacht
  3. Pierre Lemaitre: Wir sehen uns dort oben
  4. Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
  5. Klaus Modick: Konzert ohne Dichter
  6. Henry D. Thoreau: Kap Cod
  7. Christian Gasser: Rakkaus!
  8. Johanna Sinisalo: Finnisches Feuer
  9. Banana Yoshimoto: Mein Körper weiß alles

Und wie funktioniert die Verlosung?

Martin bei der Arbeit

Martin bei der Arbeit

Ganz einfach: Geben Sie im Kommentar an, für welches Buch Sie ins Lostöpfchen hüpfen und Martin wird in gewohnt souveräner Weise die Namen der Gewinnerinnen oder Gewinner ziehen.

Fristen und andere Formalia

Vom 18. bis 25.6.2015 können Sie mitmachen. Die Lostöpfe schließen am 25.6. um 23:59 Uhr. Am 26.6.2015 findet die Verlosung statt; die Namen der Gewinnerinnen und Gewinner werden im Blog veröffentlicht.

Bitte geben Sie eine E-Mail-Adresse an, damit ich Sie im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann.

Es kommen nur Exemplare, die mindestens einmal gelesen wurden, in die Verlosung, keine verlagsfrischen Exemplare. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Und nun haben Sie die Qual der Wahl 😉 Viel Spaß!

Vorkoster gesucht von Steffen Unger

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x150.jpg“100 Berufe aus der Antike” stellt Steffen Unger hier vor. Eins vorweg: Einige Berufe von damals gibt es heute auch noch. Und die Vorurteile dazu ebenfalls.

Andere sind ausgestorben; das gilt besonders für manche Ämter der politischen Karriere. Hier ist es sinnvoll, dass Steffen Unger zwischen der römischen und der griechischen Gesellschaft unterscheidet – die Unterschiede sind einfach zu groß. Bei manchen andere Berufen wäre das auch schon mal sinnvoll – aber gut, aufmerksames Lesen schützt vor Verwirrung 😉

Welche Berufe gab es denn so?

Auch die verschiedenen militärischen Berufe haben ihren Platz

Auch die verschiedenen militärischen Berufe haben ihren Platz

  • Hirten
  • Händler
  • Wirt
  • Hetäre
  • Fremdenführer
  • Tuchwalker
  • Söldner
  • Imker
  • Bauer
  • Winzer
  • Schauspieler
  • Henker
  • Vorkoster

Das sind ein paar Beispiele. Steffen Unger schreibt im Großen und Ganzen einfach sachlich – in eingeschobenen Kästchen kommen dann die eher launigen Beispielstories. Auch Abbildungen von Vasen, Mosaiken usw. lockern den Text auf.

Nach der Lektüre von “Berufsziel römischer Kaiser” hatte ich insgesamt einen etwas lockereren Ton erwartet – aber: Gut lesbare Informationen bekomme ich auf hier auch.

Steffen Unger: Vorkoster gesucht! 100 Berufe aus der Antike, Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt, 2015, ISBN: 9783805348744

Gestern starb Harry Rowohlt

HARRYROW

Harry Rowohlt auf der Frankfurter Buchmesse 2003. (photo by Hans Weingartz. Frau Olga, Leonce49 on de.wikipedia Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland“ )

Keine “Betonung” mehr – weder mit noch ohne Schausaufen: Harry Rowohlt ist gestern gestorben.

Der Verlegerssoshn, der kein Verleger wurde, hat jahrzehntelang auf seine eigene Weise im Kulturleben mitgemischt – viel, viel übersetzt, viel gelesen und viel diskutiert. Er hat Position bezogen, Flagge gezeigt und was der Bilder für einen eigenen Kopf mehr sind. Er wird fehlen.

Liebe mit zwei Unbekannten von Antoine Laurian

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgWas verrät eigentlich eine Handtasche über ihre Trägerin? Viel? Oder wenig? Antoine Laurian nimmt diese Möglichkeit als Aufhänger für eine bezaubernde Liebesgschichte.

Laure wird abends überfallen und ihre Handtasche wird geraubt. Was tun? Erst mal im Hotel gegenüber der eigenen Wohnung übernachten.

Laurent findet am nächsten Morgen die Handtasche, aus der nur die Wertgegenstände verschwunden sind. Bei der Polizei hat man keine Zeit für den ehrlichen Finder. Er nimmt sie mit nach Hause und schaut, ob er Hinweise auf die Besitzerin findet. Dabei verliert er sich im Kosmos der Unbekannten. In einem roten Heft hat sie ihre Gedanken und Erinnerungen notiert – ein Eingangstor in ihr Denken.

Laurent ist Buchhändler. In seinem Laden “Le Cahier rouge” (das rote Heft …!) hat er Sinn und Erfüllung gefunden.

Ja, das Spiel mit dem roten Heft geht in der deutschen Übersetzung leider etwas verloren – der Originaltitel lautet “La femme au cahier rouge”, was eben sowohl heißen kann “Die Frau mit dem roten Heft”, als auch “Die Frau im >Roten Heft<“.

Delphine Gay de Girardin BNF Gallica

Was mag die Schriftstellerin Delphine Gay de Girardin in ihrer Tasche mit sich herumgetragen haben?

Laurent jedenfalls nutzt jede sich bietende Gelegenheit, mehr über die Fremde zu erfahren – er lauert dem Schriftsteller Patrick Modiano auf, der ein Exemplar eines seiner Romane für Laure signiert hat. Er sucht Reinigungen auf, um ein weißes Kleid abzuholen – das Datum stand im Kalender.

Laurents Tochter Chloë hat die Rolle des Katalysators – sie animiert ihren Vater, die Suche nicht aufzugeben, gibt Tipps und mischt sich ein.

Klar, am Ende haben wir ein neues Paar. Und viele nette Bekanntschaften geschlossen. Außerdem gibt Antoine Laurien einen kleinen Abriss der französischen Literatur – dass Bücher für einen Buchhändler wichtig sind, ist ja klar. Und dass sich Menschen über ihren Literaturgeschmack finden können, ebenso.

Antoine Laurian erzählt angenehm klar, bietet mir Bilder an, macht sich über Sprache Gedanken. Eine Formulierung, die mir in Erinnerung gebliebenist, handelt von Spammails:

“Laurent, es ist Zeit, Urlaub zu machen”, riet eine andere im Ton digitaler Vertraulichkeit. (S. 36)

Ich hab das Buch mit großem Vergnügen gelesen – eine ansprechende, fesselnde Lektüre.

Antoine Laurian: Liebe mit zwei Unbekannten, übersetzt von Claudia Kalscheuer, Atlantik Verlag, Hamburg, 2015, ISBN: 9783455600179

Überleben auf Festivals von Oliver Uschmann

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgDie Festival-Saison beginnt – der ideale Zeitpunkt, um dieses unterhaltsame Buch von Oliver Uschmann vorzustellen. Und nein, ich bin keine angesprochene Festival-Besucherin, denn um welche Festivals es geht, das macht der Untertitel klar: “Expeditionen ins Rockreich”. Aber ich fand das Buch so nett 😉

Hier werden die verschiedenen Besucher- und auch Musiker-Gattungen vorgestellt, Verhaltensrituale erklärt; das war dann was, was mich interessierte und als ich dann bei der “Bierrutsche” las:

“… wer so verbissen, bei etwas “Verrücktem” beobachtet werden will, sortiert sonst sorgsam die Socken.” (S. 186)

war ich neugierig auf die Schreibe des Autors geworden. Was für eine schöne Alliteration! Deren gibt es reichlich – und gekonnte!

Weitere Themen gefällig? Ernährung! Bier als Grundnahrungsmittel – klar. Aber wussten Sie, dass Choco Pops auch dazu gehören? Schön dazu dann der Satz:

… und die Zahnfüllungen beten in ihren Höhlen ein Ave Maria.” (S. 270)

Sprich: Oliver Uschmann bietet einen wirklich erheiternden Einblick in die Welt der Rockfestivals. So lassen sich auch für mich Barockenthusiastin Rockfestivals ertragen 😉 Und wenn der Humor mal etwas aufdringlich wird – häppchenweise lesen.

Oliver Uschmann: Überleben auf Festivals. Expeditionen ins Rockreich, Heyne Verlag, München, 2011, ISBN: 9783453268081

Wien und das Ende der k.u.k.-Zeit – zwei Bücher, zwei Frauen

rp_Rubrik-Biographie-300x20011.jpgAnna Sacher

Sagt Ihnen der Name Anna Sacher was? Mir sagte er nichts, bis ich das Buch von Monika Czernin gelesen habe: “Das letzte Fest des alten Europa. Anna Sacher und ihr Hotel”. Die Geschichte einer, nein, der Hoteliere im Wien des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Das bekannteste Bild von Anna Sacher zeigt, verknüpft mit einem Blick aufs Hotelportal, auch der Titel: Eine selbstbewusste Frau vom Ende des 19. Jahrhunderts mit zwei Hunden. Nach Aussage der Autorin ziert dieses Bild auch den Eingangsbereich des Hotels Sacher in Wien – dem Reich dieser Frau.

Monika Czernin hat nicht einfach eine Biographie der Anna Sacher geschrieben, sondern quasi die einer Epoche. Den einzelnen Kapitel ist als Überschrift eine Jahreszahl und eine Aussage mitgegeben:

  • 1892 – Anna Sacher trauert, mit Anstand und nicht ohne Stolz
  • 1900 – König Milan von Serbien weilt lieber im Sacher als daheim
  • 1912 – Erzherzog Franz Ferdinand unterschreibt auf einem Tischtuch

Diese Kapitel enthalten eine romanhaft geschriebene Form der Geschichte von Anna und Eduard Sacher, angereichert mit Fakten zum Zeitgeschehen: Politik, Kultur, Finanzwelt – die Großen aller Bereiche gingen ins Sacher. Und Monika Czernin verdeutlicht das Warum.

Franz Sacher 1865 Vienna

Franz Sacher war Annas Schwiegervater und Erfinder der Sachertorte

Dabei kann sie auf bisher unveröffentlichtes Material zurückgreifen, denn sie ist selber mit einem der Gäste und Förderer des Hotels Sacher verwandt.

Die Mischung von Fast-Fiktion und echten Fakten lässt sich gut lesen, ist unterhaltsam und informativ – nicht nur in Bezug auf Anna Sacher und ihr Hotel, sondern auch und gerade zu den turbulenten Zeitläuften, in denen sie wirkte. Das kann ich also nur empfehlen, wenn Sie sich fürs Fin de Siècle in Wien interessieren.

Marie Festetics

Eine andere Frau, die mit dem Wien dieser Zeit und der k.u.k-Monarchie verbunden wird, wie keine Zweite, ist Kaiserin Elisabeth. Im Residenz-Verlag ist nun ein Band mit Tagebuch-Aufzeichnungen, nein nicht von Sisi, sondern von einer ihrer Hofdaemen erschienen: “Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics”, Untertitel “Kaiserin Elisabeths intimste Freundin”.

Sissi&Franz

Bei dieser Porzellanmalerie kann man erkennen, dass Elisabeth von österreich eigentlich helles Haar hatte. Marie Festetics beklagt in ihrem Tagebuch, sie seien “zu dunkel pomadisiert”.

Hm. Klappentext und Pressematerial rühmen Marie Festetics als schöne und kluge Frau, die in ihren Tagebüchern ungeniert ihren Gedanken und Analysen der Hofgesellschaft Raum gibt. Was mich daran interessierte, war die Zeitzeugenschaft dieser Hofdame. Die Herausgeberinnen Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer versuchen im Vorwort deutlich zu machen, worin die Schwierigkeiten der Lektüre dieser Diarien liegen: ein Gemisch mehrerer Sprachen, eine Vielzahl von Namen und Titeln und vor allem die Fülle des Materials – die Tagebücher umfassten etliche Bände, würden sie komplett publiziert. So haben die beiden thematische Schwerpunkte zu setzen versucht:

  • Wer war Marie Festetics?
  • Am Hof der Kaiserin
  • Reisen und Flucht in die Welt

heißen einige der Kapitel. Die Texte aus den Tagebüchern sind mit erläuternden Texten der Herausgeberinnen und reichlich Fußnoten versehen. Leider wird die Lektüre dadurch nicht wirklich vereinfacht, denn zusammengehörige Tagebuchpassagen werden auseinandergerissen, die chronologische Reihenfolge der Einträge wird nicht beibehalten. Die Zwischentexte können das leider nicht wirklich ausgleichen. Auch Zeittafel, Stammbaum und Register, die beim Zuordnen helfen sollen, erfüllen den Zweck nicht vollständig.

Zum Text selber: Als ich anfing, die Texte der Gräfin selber zu lesen, fühlte ich mich sehr an ein Buch aus meiner Kindheit erinnert: Arme schöne Kaiserin : Elisabeth von Österreich von Erwin H. Rainalter – inhaltlich und von der Sicht aufs Geschehen aus ist das nach meiner Erinnerung völlig identisch: Elisabeth ist das arme Opfer, unverstanden, melancholisch, schön, anbetungswürdig. Marie Festetics’ Blick ist genauso, völlig unkritisch gegenüber Elisabeth, dafür umso misstrauischer gegenüber den anderen bei Hof.

Ein schwieriges Buch also, diese Tagebuchzusammenstellung.

Die vorgestellten Titel:

Monika Czernin: Das letzte Fest des alten Europa. Anna Sacher und ihr Hotel, Knaus Verlag, München 2014, ISBN: 9783813504347

Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer (Hg.): Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics. Kaiserin Elisabeths intimste Freundin, Residenz VerlagSt. Pölten, 2014: ISBN: 9783701733385