Die Schlacht von Klaus-Jürgen Bremm

rp_Bild-Sachbücher-150x15011111.jpgZur Schlacht von Waterloo fällt mir als erstes der Satz ein “Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen.”, den Lord Wellingon so oder ähnlich geäußert haben soll. Klaus-Jürgen Bremm geht in  seiner Darstellung der Schlacht von Waterloo besonders den Versäumnissen aller Befehlshaber dieses Kriegs nach. Und ich muss sagen: Ich habe den Eindruck, dass ich mir da endlich ein Bild machen kann.

Das liegt u.a. anderem auch daran, dass der Autor erst einmal hingeht und die Voraussetzungen der Entscheidungsschlacht klärt:

  • Welche Länder sind warum beteiligt?
  • Was bedeuten die militärischen Begriffe wie Korps, Bataillon etc.  und zwar was in welchem Heer?
  • Welche Männer kämpfen da gegeneinander und warum – das betrifft die Befehlshaber genau so wie die einfachen Soldaten.

Dann folgt eine minutiöse Darstellung der Schlacht, die anhand des verständlichen Kartenmaterials tatsächlich nachvollziehbar wird. Gut, als militärhistorische unbeleckte Leserin muss ich einfach mal glauben, dass Klaus-Jürgen Bremm die zahlreichen Quellen sorgfältig auswertet und da keinen Blödsinn verfassst hat. In Anbetracht der Tatsache, dass schon bei Wikipedia der Ablauf der Schlacht nachzulesen ist, lässt mich da optimistisch sein, denn hier nicht sachkundig zu sein, kann sich ein Militärhistoirker nicht leisten. Weiterlesen

Eine neue Geschichte der deutschen Literatur von David E. Wellbery

rp_Bild-Sachbücher-150x15011111.jpgEin silbern eingebundenes Buch liegt vor mir auf dem Tisch, eindeutig mit Lexikon-Charakter – und doch ein wirklich spannendes Projekt. David E. Wellbery schildert als Herausgeber im Vorwort das Konzept: Literaturgeschichte in Literaturgeschichten. Hier finden Sie keine Gattungen oder Epochen als Kapitelüberschriften – es sind rund 110 Beiträge verschiedener Autorinnen, die unter einem Datum, dem Datum eines Werks oder Ereignisses, einen Essay zu eben diesem Werk, seiner Autorin, den Umständen der Entstehung oder zur Bedeutung des Einzelwerks in seinem Kontext bieten. So kommen rund 1150 Seiten spannender Bleiwüste 😉 zusammen. Weiterlesen

Gedicht zum Tag: Frühling von Joachim Ringelnatz

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Die Bäume im Ofen lodern.
Die Vögel locken am Grill.
Die Sonnenschirme vermodern.
Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus Dosen
die zarten Köpfchen hervor.
Bunt ranken sich künstliche Rosen
in Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen,
den Oberkellner bewegt,
mir tausend Eier zu bringen,
von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von Havanna
verweht in ringelnder Spur,
ich fühle an meiner Susanna
erwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben,
was kommt, nicht ist oder war.
Ein Frühlingsgedicht, geschrieben
im kältesten Februar.

Joachim Ringelnatz

Gewinnchance bei Herzbuch

Am 23.4. ist wieder Welttag des Buches. Und da es diesen Welttag nun seit 20 jahren gibt, haben sich die Stiftung Lesen und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mal wieder was einfallen lassen. Wer bis zum 31.5.2015 ein Selfie mit seinem/ihrem “Herzbuch” hier hochlädt, zeigt nicht nur ein Lieblingsbuch (das andere zum Lesen anregen kann), sondern kann auch was gewinnen: einen Gutschein über 100,- € (das gibt schon einiges an neuen Büchern …)

Die Seite ist eine schöne Idee, wie ich finde. Es macht Spaß, die Begründungen zu lesen und ja, es gibt Leseanregungen, manchmal möchte ich widersprechen und bei anderen denke ich nur “Yep! So seh ich das auch.”

Viel Spaß beim Stöbern! Und vielleicht beim Herzbuch-Bekanntmachen 🙂

Wir sehen uns dort oben von Pierre Lemaitre

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgNicht ganz Thema 1914, denn der Große Krieg lieg in seinen letzten, allerletzten Zügen, wenn wir Albert, Édouard und Leutnant Pradelle begegnen. Letzteren schrecken die Gerüchte um einen Waffenstillstand – und so sorgt er für ein letztes Gefecht. Albert findet das heraus, wird im selben Moment verschüttet und überlebt nur wegen eines Pferdeschädels, in dem sich noch Luft befindet und weil Édouard ihn ausgräbt. Dem zerfetzt nun aber ein Geschoss das Gesicht – der Unterkiefer ist weg. Pierre Lemaitre nimmt uns mitten hinein ins Geschehen – das Grauen der Kämpfe, der bevorstehende Erstickungstod Alberts, alle Gefühle der drei Männer treffen mich unmittelbar. Das ist der Stil von Pierre Lemaitre. Weiterlesen

Buchclub für Jugendliche bei Baudach in Dellbrück

Zemanta Related Posts ThumbnailAm Samstag, 21.3.2015, können Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren nach Ladenschluss  (ab 15.30 Uhr) in der Buchhandlung Baudach über ihre Lieblingsbücher reden. Das ist der erste Schritt  zu einem Buchclub für Jugendliche in Köln-Dellbrück. Austausch, Buchtipps, sogar noch nicht erschienene Bücher zu lesen und zu beprechen – das alles steht auf dem Programm.

Ich finde das eine prima Idee und hoffe, dass sich viele Interessierte finden, denn über Bücher zu reden ist eine gute Möglichkeit, tiefer in Bücher einzutauchen und neue Autorinnen zu entdecken.

Viel Erfolg!

  • Wann: 21.3.2015, 15:30 Uhr
  • Wo: Buchhandlung Baudach, Dellbrücker Hauptstr. 111, 51069 Köln, Tel.: 0221 681425, E-Mail, info@buchhandlung-baudach.de
  • Wer: Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren

Anmeldung über die E-Mail-Adresse.

Alles wird grün von Johannes Stankowski

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgMal wieder ‘ne CD, dieses Mal mit Kinderliedern. Johannes Stankowski nennt sie “Familienlieder”. 10  Titel umfasst die beim Pänz Verlag erschienene Platte. Dazu gehört das Booklet mit den vollständigen Texten und ein kleinformatiges Pappbilderbuch, in dem die Refrains illustriert sind.

Johannes Stankowski singt hier auch selber – eine leicht belegte Stimme mit Alltagsaussprache. Und die schlägt sich schon in den Texten nieder: ineinandergezogene Silben, teils reimlose, teils nur per Assonanz “gereimte” Zeilen. Ich zuck da ja schon manchmal ein bisschen zusammen – die Zeit mit Musenmuddi Edith Jeske ist halt nicht spurlos an mit vorbeigeggangen ;-). Andererseits bringt Johannes Stankowski dann aber so tolle Sprachbilder, dass ich ihm da einiges nachsehe.   So heißt es von der Erde im Frühling:

Reibt sich die Augen, schüttelt sich den letzten Schnee aus ihrem Laub

Die Musik ist poppig und lebhaft und bietet mit reichlich Triolen spannende Phrasen. Der Text ist für kleinere Kinder vielleicht manchmal zu schnell – aber man kanns ja  öfter hören. Und tanzen kann man darauf auch.

Die Illustrationen von Eva-Maria Ott-Heidmann zielen mehr auf kleinere Kinder ab – die Texte, gerade auch in Verbindung mit der Musik , bieten auch älteren Kindern was zum Entdecken. Eben: Familienlieder 😉

Es ist ein Debut, das mir durchaus gefällt.

Johannes Stankowski: Alles wwird grün, mit Illustrationen von Eve-Maria Ott-Heidmann, Pänz Musik Verlag, Köln, , ISBN: 97839811587432

Achtung Manuela kommt von Federica de Cesco

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgDer Bücherschrank hier in Dellbrück bietet mir ja immer wieder mal Spannendes oder Entspannendes. Mädchen- oder Kinderbücher von Federica de Cesco gehören eindeutig in die letztere Kategorie – und heute war da eins drin, das ich tatsächlich noch nicht kannte.

Die Geschichte handelt von Manuela – Überraschung! -. die sich nicht gerade mädchenkonform beträgt: Sie will Pilotin werden, sie kann Judo und sie kann sehr energisch reden, wenn ihr was wichtig ist. Zivilcourage ist ihr wirklich nicht fremd. Befreundet ist sie mit Simone und Thomas. Außerdem gibt es da noch Dani, einen eher verschüchterten Jungen, der gern dazu gehören will. Streit mit älteren Jugendlichen (Manuela und ihre Freundinnen sind 11 oer 12 Jahre alt) schweißt die kleine Truppe zusammen. Es gibt Abenteuer im Umland von Lausanne – und jede Menge Gespräche über die merkwürdige Welt, in der Erwachsene über Kinder bestimmen.

Nett – aber eigentlich keine eigene Rezension wert.

Mir ist da aber noch mal was bewusst geworden, was die Bücher von Federica de Cesco für mich als Teenager so spannend gemacht hat: Diese starken Mädchen, die ihren Weg gehen, gegen Normen ankämpfen und ihren Platz im Leben fordern. Weiterlesen

111 Gründe, Anwälte zu hassen von Eva Engelken

rp_Bild-Sachbücher-150x15011111.jpgDer Stinkefinger auf dem Cover rief bei mir erst mal so eine Assoziation zu “nicht wirklich ernstzunehmen” hervor. Quasi ein “Hier ist man auf Krawall gebürstet”. Doch Eva Engelken vermag dank klarer Sprache und gründlicher Recherche diese Assoziation ganz schnell auszuräumen und inhaltlich zu überzeugen. Das Buch ist unterhaltsam und eingängig geschrieben und bietet dabei eben fundierte Informationen.

Gut, der Artikel 2 – “Anwälte und ihr Äußeres” – bedient durchaus ein paar Klischées, erläutert aber ein paar Dinge über Modevorlieben … Ich sach’ ja: Unterhaltsam 😉

Für mich als Historikerin war der Artikel 6 – “Anwälte und ihre Vergangenheit” – besonders spannend. Was sich da alles aus der NS-Zeit in die Gegenwart gerettet hat – puh. Übrigens taucht das Thema in beklemmender Weise beim Thema “Anwältinnen” wieder auf. Eva Engleken geht den Schattenseiten dieser Art nicht aus dem Weg – gerade hier habe ich ihr Engagement zum Thema besonders deutlich gespürt.

Eva Engelken erzählt in ihrem Buch, stellt – dem Medium gemäß rhethorische – Fragen und ist so beides: informativ und lebendig.

110 Gründe lang demaskiert, erläutert und kommentiert sie Ausbildung, Selbstbild, die Tätigkeitsschwerpunkte von Anwälten und deren déformation professionelle, bevor sie im 111. Grund die Gefahren, die dem Berufsstand drohen, pointiert zusammenfasst.

Wer also etwas über Anwälte und ihren Kosmos erfahren will, ist bei Eva Engelken in guten Händen.

Eva Engelken: 111 Gründe, Anwälte zu hassen. Und die besten Tipps, wie man mit ihnen trotzdem zu seinem Recht kommt. Mit Illustrationen von Jana Moskito, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2014, ISBN: 9783862654031 .