Neue Themenliste für Lesungen mit der Kölner Leselust

Wenn Sie wissen wollen, welche Lesungen ich für 2015 anbiete, schauen Sie doch mal hier vorbei.

Meine Lesungen sind für verschiedene Zwecke geeignet:

In der Rather Bücherstube vor der Lesung "Thema 1914 - Bücher zum Großen Krieg". Foto: A. Jüttner

In der Rather Bücherstube vor der Lesung “Thema 1914 – Bücher zum Großen Krieg”. Foto: A. Jüttner

  • Bildungseinrichtungen
  • Buchhandlungen (für Sie habe ich extra auch Buchvorstellungen im Programm 😉 )
  • Festlichkeiten aller Art, die gerne einen kulturellen Akzent setzen wollen
  • Schulen

So eine Lesung dauert rund eine Stunde und danach ist Zeit für Diskussion, Fragen und Austausch.

Sie können mich direkt über meine Kontaktformular ansprechen.

Aktuelle Lesungstermine finden Sie in meinem Kalender.

Rakkaus! von Christian Gasser

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgTeilzeitfinne Christian Gasser hat  – pünktlich zur Buchmesse – einen Roman vorgelegt, der die typischen Vorurteile über Finnland und seine Menschen aufs Korn nimmt:

  • Sauna
  • saufen
  • Tango

Den Schweizer Journalisten Frank hat es nach Norden verschlagen – erst mal nur aus Interesse am finnsichen Tango, dann wegen der Liebe. Und zu Beginn des Buches ist er mit Freundin Kaisa auf dem Weg durchs winterlich dunkle Lappland. Dabei stößt er auf eine Weltmeisterschaft der besonderen Art – die Schweigeweltmeisterschaft. Und ist fasziniert. Was dazu führt, dass Kaisa allein weiterreist.

In Rückblicken schildert Frank nun seine Erfahrungen mit den Finnen und ihren Bräuchen. Jedes Kapitel hat Christian Gasser mit einem finnischen Ausdrruck überschrieben (freundlicherweise auch mit der deutschen Übersetzung) . So lernt man den Sommerhauskoller genauso kennen, wie sein Gegenstück Kaamos – die Winterdepression, die Maifeier und den Schneesturm. Zudem einiges über finnsiche Musik und die finnsiche Form des Saunierens; als ich nach der Lektüre das erste Mal in einer Sauna war, konnte ich mir ob der Handtuchakrobatik beim Aufguss ein Grinsen nicht verkneifen .

Northern Lights 02

Solche Polarlichter wollen Frank und Kaisa sehen – dieses hier hat Varjisakka bei Wikimedia Commons eingestellt.

In einem meiner Literaturkreise hieß es, das Buch sei ein bisschen wie ein Reiseführer – genau das ist es. Christian Gasser schildert in einem Interview selber, wie er an einer Sammlung von Texten über Finnland saß und dann beschloss, die Informationen in einen Roman zu verpacken, der zur Buchmesse 2014 erscheinen sollte – denn schließlich war Finnland als Gastland eingeladen.

Christian Gasser überspitzt die Klischées ein bisschen, packt die nicht ganz konfliktfreie Beziehung von Frank und Kaisa dazu und fertig ist ein informativer und unterhaltsamer Roman – keine große Literatur, nein, aber ein Einstieg in das Thema Finnland und das ist ja auch was wert.

Chrstian Gasser: Rakkaus! (finnisch: Liebe), Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN: 9783499269288

 

Quiz zu Thema 1914 – Auflösung von Teil III

So, nun spanne ich Sie nicht länger auf die Folter und Sie bekommen nun die Antworten zum dritten Teil meines Quiz zu Thema 1914:

Frage 1: Wie kamen die Deutschen in Ruf, kulturlose Zerstörer zu sein?

Da die Deutschennach den Erfahrungen des Kriegs von 1870/71 in jedem Widerstand Freischärler am Werk sahen, setzten sie in Belgien auf Repressalien gegen die Zivilbevölkerung – u. a. wurde die Stadt Löwen zerstört; neben den Toten wurde in den anderen Ländern v. a. der Brand der Universitätsbibliothek als “Kulturgreuel” verstanden. So fiel die Rede Wilhelms II aus dem Jahr 1900 über deutsche Soldaten, die wie die Hunnen agieren sollten, um sich Respekt zu vershaffen, auf Deutschland zurück: In Großbritannien hießen die Deutschn nur noch  Hunnen.

Frage 2: Mit welchen unorthodoxen Mitteln wurden französische Soldaten zum Kampfgeschehen gebracht?

Die Geschichte ist eigentlich zu malerisch: Taxis wurden für den Truppentransport requiriert – die “taxis de la Marne“!

Frage 3: Wo fand die Schlacht bei Tannenberg tatsächlich statt und warum heißt sie, wie sie nun mal heißt?

BattleOfTannenberg2

Schlachtbewegungen der Schlacht, die unter dem Namen Tannenberg berühmt wurde.

Das Zentrum der Schlacht im August 1914 im Ostpreußen lag eigentlich bei Hohenstein, aber Hindenburg wollte eine Scharte aus dem Mittelalter auswetzen und legte Tannenberg als Ortsbezeichnung fest.

Und nun zur Verlosung:

Martin war heute schon früh aktiv und hat die drei Gewinner gezogen:

Oliver H. aus Wien erhält:

Nicolas Wolz: “Und wir verrosten im Hafen”. Deutschland, Großbritannien und der Krieg zur See 1914-1918, dtv

Archeopterix wurde Cabanes, Bruno; Duménil, Anne (Hg.): Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Katastrophe. zugelost.

Johnjoe (auch hier liegt die Adresse vor) darf sich auf Gunnar und Florian Dedio: 14. Tagebücher des Ersten Weltkriegs. Farbfotografien und Aufzeichnungen aus einer Welt im Untergang freuen.

Wie Sie feststellen konnten, wenn Sie das Quiz verfolgt haben: Es gibt Namen, die immer wieder vorkommen – es wurde einfach nicht so viel mitgemacht, wie ich es erhofft habe. Und deshalb werde ich – entgegen meiner Ankündigung – die Quiz-Reihe hier und jetzt beenden. Ganz herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Alaaf! Ein Kölner Hochruf von Heribert A. Hilgers

rp_Bild-Sachbücher-150x15011111.jpgProfessor Heribert A. Hilgers hat die Veröffentlichung  seines letzten Manuskripts leider nicht mehr erlebt, da er schon 2012 verstarb – und dabei ist es so etwas Passendes für den “Kölsch-Professor“: eine Etymologie des Wortes “Alaaf!”. Es ist bei Greven in der kleinen Reihe leseZeichen erschienen (wie auch “Vom Traum zum Albtraum“) und bietet Sprachgeschichte kompakt. Der eigentliche Text geht bis gerade mal S. 48 – dann folgen die Literaturliste  und die Anmerkungen (233 an der Zahl!).

Woher das Wort Alaaf stammt, enthüllt Heribert A. Hilgers gleich auf der ersten Seite – und dann folgen die unterschiedlichen Erklärungsversuche durch die Jahrhunderte; selbst das Syrische ist bemüht worden. Etymologie ist was Schönes – und Volksetymologie erst recht.

Tombleson Cologne

Köln um 1840 – ein Stahlstich von William Tombleson

Alaaf wurde ab den 19. Jahrhundert in verschiedenen Kontexten genutzt – und keineswegs nur im Karneval. Fast bin ich versucht zu sagen: Im Gegenteil, denn “Alaaf” war Bestandteil festlicher Reden – von Kronprinz Friedrich Wilhelm bis zu John F. Kennedy. Ja, der hat nicht nur gesagt: “Ich bin ein Berliner!” – in Köln war er ein paar Tage später zu Gast und beendete seine Rede mit einem “Köll’n Alaaf“.

Denn Alaaf ist eigentlich ein Jubelruf, der dem “Vivat” oder “Hoch soll er/sie leben” entspricht. Ein sehr früher Beleg ist derAlaaf-Krug, der im Stadtmuseum zu sehen ist: Er trägt eine Aufschrift mit Alaaf – es geht um einen guten Trunk …

Heribert A. Hilgers hat – das ist ja schon an der Zahl der Anmerkungen zu sehen – eine Menge Material zusammengetragen: Briefe aus dem 17. Jahrhundert, Lotteriebelege aus dem 18. und Zeitungsberichte aus dem 19.  und 20. Jahrhundert. Auch außerhalb Köln ruft man Alaaf, neben dem Aachener Raum und manchen Regionen bis ins Niederländische sogar –  und nun halten Sie sich bitte fest  – im Westfälischen!

Bei aller Wissenschaftlichkeit ist das Buch gut zu lesen und man erfährt einiges über die Kölner Stadtgeschichte.

Alaaf! ist mehr als Karneval – diese Erkenntnis kann man aus dem Büchlein mitnehmen; was sich daraus entwickeln kann, werden wir sehen.

Heribert A. Hilgers: Alaaf! Ein Kölner Hochruf, Greven Verlag, Köln, 2014, ISBN: 9783774304277

Voll eklig von Bärbel Oftring

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgVon Bärbel Oftring habe ich ja schon mal was vorgestellt – hier kommt ihr neuestes Buch aus dem Haupt-Verlag und ich kann Ihnen versichern: Da lernen Sie auch noch was, nicht nur die Kinder.

“55 eklige Dinge und was dahinter steckt” lautet der Untertitel – das geht von A wie Aas bis Z wie Zecken. Dazwischen tummeln sich Nasenpopel, Kröten, verschimmeltes Essen und Mumien. Jedes Thema hat eine Doppelseite und ein Ekelthermometer – hier kann ich eintragen, wie eklig ich ein Ding finde: von “überhaupt nicht eklig” bis “schauerlich eklig”. Ebenfalls zu jedem Thema gibt es zwei bis drei Fragen in einem Kasten “Warum findest du XY eklig?”, auf die dann erläuternde Antworten folgen:

Menschen finden Pickel eklig, weil sie eitern – Das ist gut so, denn mit dem weißen Eiter werden die schädlichen Bakterien und Gifte umhüllt … (S. 83)

Menschen finden Gewölle eklig, weil sie wie Kotwürste aussehen – Das ist so, weil die unverdaulichen Nahrungsreste beim Herauswürgen die enge Speiseröhre passieren müssen (S. 40)

Brockhaus and Efron Encyclopedic Dictionary b69 258-0

Ich bin ja nicht die einzige, die Spinnen eher unheimlich oder eklig findet – Bärbel Oftring gibt spannende Informationen und zwar in moderner Sprache und mit ebensolchen Illustrationen

Und so weiter. Sie sehen – da werden Infos gegeben, die das Verständnis für eklige Phänomene stärken.  Bei einem meiner Ekelthemen habe ich so auch was erfahren, nämlich die Funktion der langen Beine bei Spinnen – unebener Untergrund kann so leichter überwunden werden. Ob das echten Spinnenphobikern tatsächlich hilft …?

Den Tipp, einer Spinne im Zimmer einen Namen zu geben, um mit ihr besser zusammenleben zu können, denn eigentlich ist  sie ja eine nützliche Mitbewohnerin, habe ich zu Studienzeiten in abgewandelter Form auch umgesetzt: Vor dem Fenster an meinem Arbeitsplatz in der Bibliothek saß den ganzen Spätsommer eine ziemlich große Kreuzspinne – sie hieß Esmeralda 😉

Dann gibt es noch Quizfragen zu beantworten – allerdings nicht bei jedem Thema – oder Forscheraufgaben, z. B. “So riecht dein Ohrenschmalz”, “So riecht der Ohrenschmalz deines Hundes” und “So riecht der Ohrenschmalz von …” (S. 80)

Weitere Elemente, die vorkommen:

  • Nicht-mehr-ekeln-Tipps – Zusatzinformationen oder Ausflugstipps, um an solche zu kommen
  • Aha! – erklärt etwas, was man schon mal beobachtet haben kann, ohne zu wissen, was da passiert
  • Ekel-Experiment – sich eine offene Wunde schminken oder eine Mumien-Party geben
  • Rekord! – beeindruckende Zahlen
  • Noch ekliger – Zusatzinformationen, die Ekel verstärken können
  • Ekel-Rezept – etwas zu essen herstellen, was eklig aussieht (und lecker schmeckt)

Am Ende des Buches kann man sich eine Ekel-Hitparade zusammenstellen, mit Foto oder Zeichnung, mit Steckbrief und Begründung. Die Lösungen zu den Quizfragen sind da auch untergebracht.

Ich finde auch dieses Buch von Bärbel Oftring klasse, denn sie vermittelt in klarer Sprache viele Informationen. Die wiederkehrenden Bestandteile einer Doppelseite geben den Informationen Struktur, die verschiedenen Kästchen und Kategorien sorgen für Abwechslung. Die humorvollen Illustrationen von Roberta Bergmann und Tonia Wiatrowski und die informativen Fotos bieten auf jeder Seite was zu entdecken.

Bärbel Oftring: Voll eklig. 55 eklige Dinge und was dahinter steckt, Haupt-Verlag, Bern, 2014, ISBN: 9783258078434

Finnisches Feuer von Johanna Sinisalo

rp_Bild-Unterhaltung-150x15011.jpgWas ist das denn für ein Buch? Was passiert denn da? Mein erster Eindruck des neuen Romans von Johanna Sinisalo war Irritation. Doch dann hat mich die Geschichte von Vanna/Vera in den Bann gezogen.

Sie lebt in Finnland, im Jahr 2016. Aber ihr Finnland unterscheidet sich grundlegend von dem Land, das wir kennen – Johanna Sinisalo hat ein Finnland erfunden, das im 20. Jahrhundert einen eigenen Weg eingeschlagen hat, den Weg in die Eusosistokratie – den Wohlfahrtsstaat. Wer jetzt meint, das klänge doch gut, sitzt einem Irrtum auf. Wenn die Wohlfahrt aller das  herrschende Leitbild ist, kann das eben auch so aussehen, das “gefährliche” Dinge vom Staat verboten sind:

  • Alkohol
  • Zucker
  • Tabak
  • Fleisch
  • Handys
  • Computer

Andere Staaten, in denen es all’ das gibt heißen “Hedonisten-” oder “Zerfallsstaaten”. Menschen werden – orientiert an den Völkern der Zeitmaschine von H. G. Wells – in Gruppen eigneteilt: Eloi, Morlock, Minusmann, Masko. Fortpflanzen dürfen sich nur Elois – auch Femifrauen genannt – und Maskos.

Elois sind das Ergebnis von Zuchtauswahl und Erziehung: Blond, Kindchenschema, dumm, sexuell attraktiv.

Vanna/Vera ist eine Morlock, eine Frau mit Verstand, sieht aber aus wie eine Eloi. Ihr Schwester Manna/Mira, an deren Grab das Buch beginnt und der sie im Lauf der rd. 310 Seiten Briefe über ihre gemeinsame Geschichte schreibt, ist eine typische Eloi. Die Spannung zwischen den beiden ungleichen Schwestern erlaubt einen Einblick, wie gnadenlos das gesellschaftliche Ideal der gesunden Lebensführung in die Selbstbestimmung, in den Alltag und die Lebensmöglichkeiten eingreift.

Capsicum galapagoense brachistus pubescens schuyler mathews

Eine Chilipflanze in historischer Darstellung

Neben den oben genannten Dingen ist auch Capsaicin verboten – der Stoff, der Chilis scharf macht. Vanna/Vera ist eine Capserin – sie ist abhängig von dem Flash, den Chilis und ihre Produkte erzeugen können. Johanna Sinsalo, die selber Chilis liebt, schildert die Geschmackserlebnisse derart lebendig – synästhetisch, mal als Farbe, mal als Klang -, dass selbst ich,  die ich scharfes Essen gar nicht mag, fasziniert bin.

Die Geschichte, wie Vanna/Vera ihren Weg geht, wie sie es schafft, als Morlock in Eloi-Hülle durchzukommen, macht die Funktionsweise von totalitärer Herrschaft erlebbar. Gesundheit, also physische Gesundheit, als Nonplusultra der Lebensführung, als Staatsziel – “lebensunwert” ist da nicht weit entfernt, Menschenverachtung, besonders Frauenverachtung, ist hier Alltag. Und die Sache mit den zwei Namen  – Vanna/Vera und Manna/Mira – gehört auch in diese Kategorie der staatlichen Eingriffe.

Der Roman von Johanna Sinisalo passt in keine Genre-Schublade; er ist nicht Science Fiction, er  ist nicht Fantasy (beides Genres, in denen die Autorin viel veröffentlicht hat). Er hat Elemente von beidem und zeigt auch kritische Elemente unserer Realität: Gesundheitswahn, Frauenbild, Frauenrolle.  Eine gute Mischung.

Der Original-Titel lautet übirgens übersetzt “Kern der Sonne”.

Johanna Sinisalo: Finnisches Feuer, übersetzt von Stefan Moster, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN: 9783608501445

Offener Literaturkreis will sich mit Schlump befassen – 27.11. in Dellbrück

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Die Mohnblume ist in England ein Zeichen zum Erinnern an die Gefallenen des Großen Krieges, wie der erste Weltkrieg dort heißt.

Am 27.11. ist wieder ein Treffen des offenen Literaturkreises in der Buchhandlung Baudach geplant. Thema dieses Mal: Schlump von Hans Herbert Grimm – der Roman über den ersten Weltkrieg, der zeitgleich mit “Im Westen nichts Neues” erschien und dann jahrzehntelang verschollen war.

  • Wann: 27.11.2014, 19:30 Uhr
  • Wo: Buchhandlung Baudach, Dellbrücker Hauptstr. 111, 51069 Köln
  • Teilnahmebeitrag: 5,- €

Anmeldung bitte bis zum 24.11.2014 an mich.

 

Poetry Slam in Köln-Dellbrück 2014

Mag ja sein, dass echte Fans von Poetry Slam den fehlenden Wettbewerb bei den Abenden in Köln-Dellbrück vermissen – ich tus nicht. Ich freu mich einfach an der Sprachkunst der vier Leute, ihre unterschiedliche Weise, die Welt wahrzunehmen und darzustellen. Dieses Mal waren als Gäste der Buchhandlung Baudach in der Tischlerei Manufakt:

Nur zum Schlusssapplaus waren alle vier gemeinsam auf der Büühne. Im hintergrund: Maschinen der Tischlerei

Nur zum Schlussapplaus waren alle vier gemeinsam auf der Büühne. Im Hintergrund: Maschinen der Tischlerei

Die Themen reichten von Kindheitsmediationen über die Gedanken eines Nachtportiers und eine Nacherzählung des Prometheus-Mythos bis zur buddenkotte’schen Familienidylle an Weihnachten. Nachdenkliche, leisere Töne kamen v. a. von Luca Swieter, zu lachen gab es bei allen einiges, spitz und satirisch waren sie alle. Ein gelungener Abend – und der Poetry Slam der Buchhandlung Baudach gehört bei uns jetzt wohl endgültig zum November. Und das nicht nur bei uns – wenn man sich so die Besucherzahlen anschaut …

Thema 1914: Kleine Hände im Großen Krieg von Yury und Sonya Winterberg

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111.jpgWas Kinder und Jugendliche im Krieg erleben, ist Thema des Buchs von Yury und Sonya Winterberg. Parallel zu “14: Tagebücher des Ersten Weltkriegs” hat das Autorenpaar rund 24 Tagebücher junger Europäerinnen dieser Zeit ausgewertet, darunter auch die einiger später berühmter Menschen wie Marlene Dietrich, Marie-Luis Kaschnitz, Alfred Hitchcock und Manes Sperber.

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Eigentlich hatte man ja ein Mindestalter zu haben – doch die Army nahm auch Jungen, die glaubhaft versicherten, sie seien 18 … wie Victor Silvester, der als 14-Jähriger Soldat wurde. Da fragt man sich …

“Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg” lautet der Untertitel – und die waren sehr vielgestaltig: Die Kindersoldatin Marina Yurlova gehört ebenso dazu wie die Krankenschwester Elfriede Kuhr und die in China lebende Hilla Lessing, der Kindersoldat Victor Silvester, genauso wie der Attentäter Vasa Cubrilovic und der Diplomatensohn Ödön von Horvath. Direkte Fronterfahrungen, Hunger in der Heimat, Ausfall des Schulunterrichts, weil alle Lehrer an die Front mussten, Flucht und Heimatlosigkeit – das alles prägt die Kinder. Mögen auch einige der Tagebücher bei späterem Abschreiben ergänzt worden sein, mögen sich auch politisch motivierte Änderunen darin finden: Da Kinder Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig in breiten Kreisen über die Fähigkeit des Schreibens verfügten, ermöglichen diese Dokumente einen Einblick in das Leben und Erleben junger Menschen in Kriegszeit, noch dazu  in einem Krieg, der allen überlieferten Erfahrungen entgegenstand.

Yury und Sonya Winterberg portionieren ihr oft beklemmendes Material in handhabbare Einheiten – wer sich so viel Leid nicht auf einmal antun kann, hat die Mögllichkeit, zu pausieren. Andererseits schreiben die beiden aber in einem Stil, der das Weiterlesenwollen fördert.

Das Buch ist Grundlage für ein Filmprojekt, das im August bei arte lief.

Yury und Sonya Winterberg: Kleine Hände im Großen Krieg. Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg, Aufbau Verlag, Berlin, 2014, ISBN: 978383351035648