James Krüss – heute ist sein 87. Geburtstag

Beim morgendlichen Blogstöbern bin ich auf diese Seite geraten und hatte gleich wieder ein paar Verse im Ohr:

Ein jeder lacht auf seine Weise
der Holzknecht laut, das Fräulein leise. (Sturm um Tante Julies Haus, Ravensburger 1986, S. 121, ISBN: 3473515663 )

Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen (Der wohltemperierte Leierkasten, Siegbert Mohn Verlag, 1961, S. 137)

Herr Herkules der große Held,
man kennt ihn aus der Sage,
der hat die angsterfüllte Welt
befreit von mancher Plage (Mein Urgroßvater, die Helden und ich, Ravensburger, 1987, ISBN: 3473515647 , S. 21)

Und dass die letzte Fliege im Jahr Frieda heißt, ist ja auch klar (ebenfalls im Leierkasten auf Seite 142 zu finden). Außerdem mag ich den Satz  “Alles Kluge kommt von Kluge“, den Boy in “Sturm um Tante Julies Haus” auf S. 85 äußert – ich habs halt auch mit der Etymologie …

Der Witz an der ganzen Sache ist, dass ich James Krüss bewusst erst als Erwachsene kennen- und schätzen gelernt habe: Eins meiner Prüfungsthemen war “Kinderliteratur nach 1945”. Da kommt man um Kästner, Krüss und Kruse nicht herum.

Manche dieser Bücher sind in Hinblick aufs Frauenbild schon grenzwertig – gerade die Urgroßvaterbücher. Da werden die Frauen in der Familie v. a. für die Essenszubereitung und das Bettenmachen gelobt – literarische Ambitionen werden lächerlich gemacht (Urgroßvater und Helden, S. 66). Andererseits kommen Carmen und Tante Julie in den Tante-Julie-Büchern sehr viel besser weg. Zeitbedingt, sage ich mal …

Was ich an den Büchern mag, ist die Vermittlung von “Dichten kann man lernen”. Allerdings haben mir Menschen, die Krüss schon in der Kindheit kannten, gesagt, dass die Abhandlungen übers Dichten für sie langweilig gewesen wären.

Wie auch immer: Krüss’ Bücher sind sicher auch heute noch (vor)lesenswert – bestimmte Themen muss man dann eben mit den Kindern diskutieren.

Die tausend Herbste des Jacob de Zoet von David Mitchell

Ein 700-Seiten-Schmöker mit Karl-May-Qualitäten …

Kein Spaß: Es gibt einen Erzählstrang, der an Mays Münchmeyer-Romane erinnert – mit geheimnisvollen Räumen, Verschwörung und äußerst entschlossenen Bösewichten. Und wer weiß, wie sehr ich Karl May schätze, weiß auch, dass die Bemerkung keine Abwertung ist!

David Mitchell hat hier ein opulentes Werk geschaffen, gespickt mit historischen Einzelheiten, mit uns westlich orientierten Menschen exotisch anmutenden Gedanken und Bräuchen, mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte und mit einem Spannungsbogen eben à la Karl May.

Ort der Handlung ist Dejima, der einzige europäische Stützpunkt im ansonsten abgeschotteten Japan. Die Handlung setzt im Jahr 1799 ein. Der im Titel genannte Jacob de Zoet ist die eine Hauptfigur – abgesandt, um Korruption und Betrug in diesem östlichsten Stützpunkt der holländischen Handelsgesellschaft aufzudecken und zu unterbinden.  Foto zu Historisches von Heike Baller Weiterlesen

Es war einmal – meine erste Website

Bei Ikiru hat Anne Mühlbauer eine Blogparade dieses Namens ausgerufen und ich finde, sie passt so schön zu meiner dritten – also dieser – Website, denn: Was Sie da im Hintergrund sehen, war schon bei der ersten Profi-Wissen-Seite der Hintergrund!

Die Seite war selbst wie ein Buch aufgebaut – auf der Startseite sah man auch genau das: Weiterlesen

Sarah Kirsch ist gestorben

Am 14. Februar habe ich noch ein Gedicht von ihr in meiner Lesung vorgetragen – heute kam die Nachricht: Sarah Kirsch ist am 5. Mai im Alter von 78 Jahren gestorben. Die Dichterin war eine wache Zeitzeugin und Zeitgenossin – das zeigt sich schon daran, dass sie den Vornamen Sarah annahm, als Protest gegen die Judenverfolgung in der NS-Zeit. Nach ihrer Ausbürgerung aus der DDR war sie auch in Westdeutschland politisch präsent. Nix Elfenbeinturm – die Lyrikerin stand mit beiden Beinen fest in der – politischen – Gegenwart. Dabei hat sie sehr viel Naturlyrik verfasst – genau beobachtet und bewusst zusammengesetzt. Sie selber meinte mal, die Bilder, die sie benutze, seien nicht immer symbolisch zu verstehen, sondern sie schildere genau, was sie fühle. Eine Wünschelrute zum Entschlüsseln sei nicht nötig.

Schon in der DDR erhielt sie Auszeichnungen für ihre Gedichte – die Reihe setzte sich bis 2007 fort. Abgesehen von der eigenen Erfahrung mit ihren Gedichten macht diese Folge von Preisen deutlich, wie hoch die Qualität dieser Dichtung ist.

Timothée de Fombelle: Vango. Zwischen Himmel und Erde

Ja, ein Jugendbuch. Ich liebe Jugendbücher. Unter anderen …

Hier geht es um einen Jungen ohne Herkunft. Ein Junge, später ein junger Mann, der verfolgt wird. Wer die Alex-Rider-Bücher von Anthony Horowitz kennt, wird das Muster erkennen – ohne eigenes Wissen gerät ein Mensch in gefährliche Situationen und entkommt mittels Fähigkeiten, die das Normale übersteigen, aber als völlig normal aufgrund der Lebenssituation dargestellt werden. Vangos Kletterkünste z. B. lassen jeden Freeclimber vor Neid erblassen. Sind aber leicht erklärbar, wenn man sich vor Augen hält, wie er aufgewachsen ist. Sagt de Fombelle …  Bild zu Jugendbücher von Heike Baller Weiterlesen

Bibliothekare in der NS-Zeit

In dem Deutschlandfunk-Interview mit Michael Knoche, dem Direktor der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, finde ich einen Satz besonders bemerkenswert – es geht um die Bücher auf der schwarzen Liste:

Während die Volksbibliotheken richtig gesäubert wurden, durften die wissenschaftlichen Bibliotheken diese Literatur wegschließen – sekretieren hieß das – und das haben die wissenschaftlichen Bibliotheken auch gemacht und haben so sozusagen auch einen Bestand überliefert, der heute für die Forschung außerordentlich wichtig ist.

Solches Verhalten wissenschaftlicher Bibliothekare erklärt, dass z. B. Volker Weidermann für sein “Buch der verbrannten Bücher”  eben doch noch auf Exemplare zurückgreifen konnte. Die Frage hatte mich durchaus beschäftigt.

Den Tipp zum Interview verdanke ich dem Biblioblog de FU Berlin.

Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung in Köln am 17.5.13

Da am 10. Mai 1933 in Köln starker Regen fiel, fand hier die Bücherverbrennung erst am 17. Mai statt. Anlässlich dieses Ereignisses gibt es auch dieses Jahr wieder eine Gedenkverantaltung um 17 Uhr in der Rotunde der Fachhochschule Köln, Claudiusstraße 1, Köln-Südstadt (KVB Ubierring). Diese Veranstlatung gibt es seit 2001. An der Fachhochschule findet sie statt, weil dort, damals vor der alten Universität, die Bücher brannten.

Nähere Informationen gibt es hier: Gedenktag zur Bücherverbrennung

Lesen ohne zu blättern – der Wandroman

Dieses Plakat sah ich heute in “meiner” Buchhandlung:

Na, ja, "Roman" ... Aber schon toll: Der ganze Text auf einem Plakat.

Na, ja, “Roman” … Aber schon toll: Der ganze Text auf einem Plakat. Und in echt wirkt es bei weitem eleganter, als mit diesem Schatten dahinter.

Das Plakat gehört in die Reihe “Wandroman” vom DuMont-Verlag. Auch wenn es ein Drama und kein Roman ist – es sieht schon ziemlich klasse aus. Wer Wert darauf legt, wirklich einen Roman an die Wand zu hängen, wird aber auch fündig: Auswahl.

Kleiner Nachteil: Die Schrift ist sehr klein – echtes Lesen wird da anstrengend.